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St. Galler Taxifahrer will Schadenersatz von Journalist

Ein Taxifahrer aus St. Gallen war vom «Blick» mit Bild fälschlicherweise als Vergewaltiger an den Pranger gestellt worden. Der Mann verlangt vor Gericht eine Genugtuung und Schadenersatz.

Wir wird der Fall des Taxifahrers verhandelt: Schild am Eingang zum Kreisgericht Wil.
Wir wird der Fall des Taxifahrers verhandelt: Schild am Eingang zum Kreisgericht Wil.
Keystone

Im Gerichtsprozess wegen des Informationslecks bei der St. Galler Polizei hat der Vertreter des fälschlicherweise an den Pranger gestellten Taxifahrers den «Blick» scharf kritisiert. Der Mann fordert vom angeklagten Reporter eine Genugtuung.

«Mein Mandant wurde vom Boulevardblatt eines der niederträchtigsten Verbrechens verdächtigt», sagte Paul Rechsteiner am Mittwochnachmittag vor dem Kreisgericht Wil. Der Ständerat ist Rechtsanwalt jenes Taxifahrers, dessen Bild die Boulevardzeitung im März 2011 im Zusammenhang der Vergewaltigungen von betrunkenen Kundinnen durch St. Galler Taxifahrer fälschlicherweise veröffentlicht hatte.

Keine Story ohne Bild

Beim Blick gelte die Devise, dass eine Story nur ins Blatt komme, wenn es dazu ein Bild gebe, und zwar kein Symbolbild. Dies habe der Blattmacher bei der Einvernahme ausgesagt. «Ein solches Bild konnte nur illegal beschafft werden», sagte Rechsteiner. Das sei der Redaktion bewusst gewesen.

Durch die Veröffentlichung des Fotos sei der Mann, der wie sein verurteilter Bruder als Taxifahrer in St. Gallen arbeitete, in der Branche und privat geächtet worden. Für die «krasse» Persönlichkeitsverletzung verlangt der unschuldige Taxifahrer eine Genugtuung von 20'000 und Schadenersatz von 10'000 Franken. Für diese sollen der «Blick«-Reporter und der Privatdetektiv gemeinsam aufkommen.

Journalist: Taxifahrer hat auf Forderung verzichtet

Der angeklagte «Blick«-Journalist verlangt hingegen einen Freispruch. Die Genugtuungsforderungen der Taxifahrer seien abzuweisen. Der angeklagte Journalist habe niemanden zur Verletzung des Amtsgeheimnisses angestiftet, schon gar nicht einen Polizisten, sagte der Verteidiger des 32-jährigen «Blick«-Mitarbeiters vor dem Bezirksgericht Wil.

Die Bilder der verdächtigen Taxifahrer habe der Angeschuldigte vom mitangeklagten Privatdetektiv verlangt. Wie dieser die Bilder beschaffte, spiele für den Journalisten strafrechtlich keine Rolle. Ausserdem habe der unschuldige Taxifahrer, dessen Bild der «Blick» fälschlicherweise publizierte, mit der Korrektur des Artikels ausdrücklich auf Forderungen gegenüber der Zeitung verzichtet.

Vergewaltigter will Entschädigung

Eine Genugtuung von 5000 Franken vom angeklagten Journalisten verlangt auch der wegen mehrfacher Vergewaltigung von Kundinnen zu einer fünfeinhalbjährigen Freiheitsstrafe verurteilte Bruder des unschuldigen Taxifahrers. Mit dem Privatdetektiv hat sich der Taxifahrer aussergerichtlich geeinigt. Dies gab der Einzelrichter bekannt, da der verurteilte Taxifahrer von der Verhandlung dispensiert worden war.

SDA/kpn

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