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Sklavinnen lebten mit Peiniger in Kommune

Die Londoner Polizei vermutet im Fall der jahrzehntelang festgehaltenen Frauen ein sektenhaftes Verhältnis. Offenbar zogen zwei der Frauen zunächst freiwillig mit ihrem späteren Peiniger zusammen.

Hier in der Nähe spielte sich das Drama ab: Das Quartier Lambeth in London. (22. November 2013)
Hier in der Nähe spielte sich das Drama ab: Das Quartier Lambeth in London. (22. November 2013)
EPA/Andy Rain

Die Hintergründe für den Fall von Sklaverei in London sind vermutlich in einer aus dem Ruder gelaufenen, sektenähnlichen Organisation zu suchen. Die festgehaltenen Frauen wohnten mit ihrem Peiniger offenbar zunächst freiwillig in einer Art Kommune – dann artete das Zusammenleben in Gewalt und Abhängigkeit aus.

Zwei der Frauen hätten mit ihrem mutmasslichen Peiniger eine «gemeinsame politische Ideologie» geteilt, teilte Scotland Yard mit. Die Zeitung «Guardian» hatte zuvor unter Berufung auf Polizeiquellen von einem halb-religiösen Sektenkult berichtet.

Eine Art Kommune

«Welche Leute dabei waren, welche Art von Kommune das war und wie sie funktionierte, all das ist Gegenstand unserer Ermittlungen und wir fügen langsam und peinlich genau mehr Informationen zusammen», sagte Scotland-Yard-Chefermittler Steve Rodhouse.

Die beiden Tatverdächtigen, ein Ehepaar im Alter von 67 Jahren, seien aus Indien und Tansania in den 1960er-Jahren nach Grossbritannien gekommen. Sie waren 1970 bereits einmal festgenommen worden. Die Polizei machte keine Angaben über die Hintergründe für die damalige Festnahme.

Körperlicher und seelischer Missbrauch

Das Paar war am Donnerstag von der Polizei im Londoner Stadtteil Lambeth festgenommen worden, in der Nacht zum Freitag aber gegen Kaution wieder auf freien Fuss gesetzt worden. Den beiden wird vorgeworfen, drei Frauen im Alter von 30, 57 und 69 Jahren mehr als 30 Jahre lang in moderner Sklaverei gehalten zu haben.

«Irgendwie muss die Kommune beendet worden sein und am Ende lebten die Frauen mit den Verdächtigen zusammen», sagte Rodhouse. «Wir glauben dass körperlicher und seelischer Missbrauch für alle drei Opfer zutrifft», sagte er. Am Vortag hatte er von Schlägen gesprochen und einer Art «Gehirnwäsche», der die Frauen unterzogen worden waren.

Nach Einschätzung von Polizeiinspektor Kevin Hyland kann es aber noch «Wochen oder Monate» dauern, bis alle Puzzleteile zusammengesetzt sind. Während der bisherigen Beweissicherung ist die Geburtsurkunde der 30-Jährigen das einzige offizielle Dokument, das gefunden werden konnte.

Der «Guardian» hatte am Samstag geschrieben, die Frau könnte die Tochter der 57 Jahre alten Irin und des 67 Jahre alten Tatverdächtigen sein. Sie hat nach Polizeiangaben vermutlich ihr gesamtes bisheriges Leben in Gefangenschaft verbracht. Sie habe keine geregelte Schulbildung erhalten, sei aber des Lesens und Schreibens mächtig und werde als intelligent beschrieben.

Schwere Traumata

Die Ermittlungen sind nach Darstellung der Polizei schwierig und kompliziert. Die Befragung der schwer traumatisierten Opfer brauche Zeit. Dessen Tempo müssten die Opfer bestimmen. «Man kann sie jetzt nicht bombardieren», sagte Aneeta Prem von der Hilfsorganisation Freedom Charity, die massgeblich an der Befreiung der Frauen am 25. Oktober mitgewirkt hatte.

Die Hilfsorganisation habe auf ihrer Hotline nach Bekanntwerden des Falles eine Vervielfachung der Hilferufe festgestellt, sagte sie.

SDA/mw

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