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Sklavenhalterpaar auf Kaution frei – gibt es noch mehr Fälle?

Die britische Polizei befreite drei Frauen, die jahrzehntelang in einem Haus in London festgehalten wurden. Die «Daily Mail» spekuliert über mögliche weitere Opfer.

Ermittlungserfolg dank einer NGO: Detective Inspector Kevin Hyland gibt den Medien Auskunft. (21. November 2013)
Ermittlungserfolg dank einer NGO: Detective Inspector Kevin Hyland gibt den Medien Auskunft. (21. November 2013)
AFP

Drei Frauen sind in London aus einem Haus befreit worden, in dem sie jahrzehntelang festgehalten worden sein sollen. Ein Mann und eine Frau, beide 67 Jahre alt, wurden am Donnerstag festgenommen. Die Opfer kamen nach jüngsten Angaben der Polizei schon vorher frei. Sie seien «höchst traumatisiert», teilte die Metropolitan Police mit, die wegen Sklaverei ermittelt.

Laut «Daily Mail» wird befürchtet, dass es noch mehr Opfer gibt. Eine Quelle sagte der Zeitung angeblich: «Die Angst besteht, dass dies nur ein Teil eines grösseren Entführungsrings ist. Es wird nach möglichen weiteren Adressen gesucht.»

Die Polizei in London hat das Paar gegen Kaution wieder freigelassen. Der Mann und die Frau seien nun zunächst bis Januar auf freiem Fuss, erklärte Scotland Yard in der Nacht zum Freitag. Bis dahin würden weitere Informationen über den Fall gesammelt. Die beiden Tatverdächtigen, die nicht die britische Staatsangehörigkeit haben, waren am Donnerstag festgenommen worden.

«Wir wissen nicht, wo sie geboren wurde»

Bei den Opfern handle es sich um eine 69-Jährige aus Malaysia, eine 57 Jahre alte Irin und eine 30-jährige Britin – die nach Vermutungen der Polizei «ihr Leben lang» in Gefangenschaft war. «Wir wissen nicht, wo sie geboren wurde, aber sie scheint ihr ganzes Leben in Knechtschaft gewesen zu sein», sagte Hyland.

Hinweise auf sexuellen Missbrauch gäbe es bei den Frauen aber nicht. Nach Angaben der Hilfsorganisation Freedom Charity, die massgeblich an der Lösung des Falls beteiligt war, hätten alle Opfer «physische und psychische» Schäden davongetragen.

Die Ermittler der Abteilung zur Aufklärung von Menschenhandel waren von der Hilfsorganisation auf die Spuren des Falls gebracht worden. Das jüngste Opfer hatte sich im Oktober telefonisch mit der Organisation in Verbindung gesetzt.

Auslöser dafür war nach Angaben der Polizei ein im Sommer ausgestrahlter Dokumentarfilm über Zwangsehen, in der Freedom Charity zu Wort kam. Die 57-jährige Irin benutzte laut «Daily Mail» ein geheimes Telefon. Laut Aneeta Prem von Freedom Charity waren die Frauen verängstigt, «aber sie trafen die Entscheidung, uns anzurufen».

Opfer laut «Guardian» seit Oktober frei

«Wir begannen intensive Gespräche mit ihnen. Es war nicht einfach für sie, aber sie gaben uns Zeitpunkte an, zu denen wir mit ihnen sprechen konnten», sagte Prem. Es wurde verabredet, dass die Frauen das Haus verlassen sollten. Die Polizei sei informiert und zu einem möglichen Einsatz bereit gewesen.

Die beiden jüngeren Frauen verliessen das Haus und trafen sich an einem abgesprochenen Ort mit der Polizei und der Hilfsorganisation. Sie gaben ihnen an, wo sie gefangen gehalten worden waren, worauf die Polizei noch am selben Tag auch die älteste Frau befreite. «Es hat alles wunderbar geklappt», sagte Preem von Freedom Charity.

Ein Polizeisprecher sagte am Donnerstagabend, die Freilassung habe «zwischen Oktober und jetzt» stattgefunden. Das vom «Guardian» genannte Datum des 25. Oktober bestätigte er aber nicht.

Dass die Täter erst Wochen nach der Befreiung der Opfer verhaftet wurden, liegt laut dem Sprecher der Polizei an der Traumatisierung der Frauen: «Aufgrund dessen, was sie erlebt hatten, konnten sie nur sehr langsam Informationen über ihre Peiniger geben.»

Die britische Regierung hat in jüngster Zeit ihre Massnahmen zur Bekämpfung von Menschenhandel und Zwangsehen verstärkt. Im vergangenen Jahr sei in mehr als 1400 Fällen Hilfe geleistet worden. Einen Fall von dieser Grössenordnung habe man aber noch nicht erlebt, sagte Polizei-Ermittler Kevin Hyland vor den Medien.

Parallelen zu Fall in Cleveland

Das menschliche Drama weckt Erinnerungen an einen Fall aus den USA. Dort wurden im Mai drei Frauen aus den Fängen des Entführers Ariel Castro befreit, der sie rund ein Jahrzehnt lang in seinem Haus in Cleveland eingesperrt, misshandelt und vergewaltigt hatte. Eines der Opfer konnte schliesslich fliehen und die Polizei alarmieren.

Anfang August wurde der 53-jährige Peiniger der drei Frauen zu lebenslanger Haft plus tausend Jahre verurteilt. Einen Monat später wurde er erhängt in seiner Gefängniszelle aufgefunden.

AFP/ami/chk

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