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«Sie ehren China, sagen aber ‹Nein› zu Mutter Teresa»

Die Besitzer des New Yorker Empire State Building weigern sich, den Geburtstag von Mutter Teresa mit einer Lichtshow zu ehren. Die Katholiken sind empört.

Lichtspektakel: Im September 2009 leuchtet das Empire State Building in den Farben der Volksrepublik China.
Lichtspektakel: Im September 2009 leuchtet das Empire State Building in den Farben der Volksrepublik China.
Keystone

Das Empire State Building hat für Mariah Carey, Hundeshows, Wohltätigkeitsorganisationen und sogar anlässlich des 60. Jahrestags der Volksrepublik China im vergangenen September geleuchtet. Damals erstrahlte die Spitze des Gebäudes, trotz einer Protestaktion von Tibetern und anderen Gegnern der Regierung in Peking, in Chinas Nationalfarben Rot und Gelb. Für die Friedensnobelpreisträgerin Mutter Teresa wird das New Yorker Wahrzeichen aber nicht illuminiert. Das entschied jetzt der Besitzer - sehr zum Ärger von Katholiken in den USA.

«Das sind Fanatiker! Die sind feindselig gegenüber Katholiken!», empört sich Bill Donohue von der Catholic League, die den Antrag für die Beleuchtung bei den Besitzern des Empire State Buildings gestellt hatte. «Sie ehren die kommunistischen Chinesen, sagen aber 'Nein' zu Mutter Teresa.» Seine katholische Organisation habe beantragt, dass das berühmte Hochhaus am 26. August, dem 100. Geburtstag der 1997 verstorbenen Nonne, in den Farben blau und weiss erstrahle, sagte Donohue. Das waren die Farben von Mutter Teresas Orden, Missionarinnen der Nächstenliebe.

Die Empire State Building Company, die Besitzerin des Wolkenkratzers, habe mit einem unsignierten, gefaxten Schreiben den Antrag abgelehnt, sagt Donohue. «Sie haben nie eine Erklärung abgegeben.» Die Firma bliebe nicht nur der Catholic League eine Begründung der Absage schuldig, sie würde auch Nachfragen der Medien und des New Yorker Stadtrats abblocken.

«‹Ja› zu Mutter Teresa»

Auch Christine Quinn, eine Katholikin und Sprecherin des New Yorker Stadtrats, ist über das Verhalten der Empire State Building Company verärgert. Anthony Malkin, der Besitzer des 102 Stockwerke hohen Gebäudes, habe ihr zwar gesagt, er werde über die vorgebrachten Argumente nachdenken. Diese Antwort habe ihr jedoch nicht gereicht. Malkin hätte «'Ja' zu Mutter Teresa» sagen sollen, findet die Stadträtin.

Laut Quinn reicht Mutter Teresas Einfluss über die Grenzen der katholischen Kirche hinaus. Die albanische Nonne habe dazu beigetragen, dass im New Yorker Stadtteil Manhattan ein bahnbrechendes Hospiz für Aidskranke eröffnet worden sei. Sie befürworte die Idee der Catholic League, Mutter Teresa mit einem bunt leuchtenden Empire State Building zu ehren, sagte Quinn.

Unterstützung vom Abgeordneten

Auch der New Yorker Stadtratsabgeordnete Ydanis Rodriguez setzt sich für die Beleuchtung des Gebäudes zu Ehren der Ordensfrau ein. «Auch wenn wir vielleicht nicht einheitlich all ihren Meinungen und Handlungen zustimmen, war Mutter Teresa zweifelsohne ein Beispiel moralischer Kraft und Selbstaufopferung, von dem wir alle lernen können», sagte Rodriguez.

Beleuchtung als «Privileg»

Die Erleuchtung des Empire State Buildings zur Feier historischer Ereignisse, wichtiger Anlässe oder berühmter Persönlichkeiten hat in New York Tradition. Auch zu Weihnachten und am jüdischen Hanukkah-Fest wird das Gebäude bunt illuminiert.

Wer das Hochhaus in bestimmten Farben leuchten lassen will, muss bei der Empire State Building Company einen Antrag stellen. Nach Angaben ihrer Website beruht eine Entscheidung einzig und allein auf dem Ermessen der Besitzer und Manager des Gebäudes. Keiner habe Anspruch darauf, dass sein Antrag akzeptiert würde. Es sei «ein Privileg», ausgewählt zu werden. Es gebe aber kein Anrecht darauf.

dapd/jak

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