Schönheit soll bei Miss-Wahl keine Rolle mehr spielen

Abschaffung der Badeanzug-Auftritte und Abendkleid-Pflicht: Die Chefin der Miss-America-Wahl baut ihren Wettbewerb um. Gegen einige Widerstände.

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Gretchen Carlson würde wahrscheinlich sagen, dass sie «Miss America» alles verdankt. 1989 gewann sie den Titel, Enkelin eines lutheranischen Pastors, Tochter eines Autohändlers im 18'000-Einwohner-Ort Anoka, Musterschülerin mit Talent auf der Geige. Es führen aus Anoka, Minnesota, bestimmt nicht viele Wege zu nationalem Ruhm, aber als das Krönchen erst mal auf ihrem blonden Haarhelm sass, marschierte Gretchen Carlson los. Sie wurde Reporterin für CBS, wechselte dann zu Fox News, bekam eine eigene Sendung, schrieb ihre Autobiografie. Als sie den Fox-News-Chef Roger Ailes 2016 wegen sexueller Belästigung verklagte, hob das Time Magazine sie aufs Cover. Und als der «Miss America»-Chef Sam Haskell 2017 wegen sexistischer Äusserungen suspendiert wurde, trat sie die Nachfolge an.

Gretchen Carlson würde wahrscheinlich sagen, dass sie «Miss America» etwas zurückgeben will. Andere sagen, sie macht die Show kaputt. Wieder andere fragen sich, was eine Veranstaltung, in der Frauen nach ihrem Äusseren beurteilt werden, im Jahr 2018 noch soll. Jedenfalls hört der Zoff erst mal nicht auf.

Im Juni hatte Carlson, 52, die Welt wissen lassen, dass sie aus den Eskapaden ihres Vorgängers (er hatte eine frühere Miss America in Mails als «Stück Müll» bezeichnet) und der «Me too»-Debatte die Konsequenzen ziehe: Der Auftritt im Badeanzug sei mit sofortiger Wirkung abgeschafft, auch müssten die Missen nicht mehr im Abendkleid posieren, sondern dürften anziehen, was sie wollen: «Wir werden euch nicht mehr nach dem Aussehen beurteilen, weil wir daran interessiert sind, was euch ausmacht.»

Unterstützung von 30 Ex-Missen

Das gefiel bei Weitem nicht allen. Vertreter von 22 US-Bundesstaaten haben nun eine Petition eingereicht, in der sie Carlsons Rücktritt fordern. Begründung: Die Neuerungen seien nicht abgesprochen, sondern durchgedrückt worden – ohne Missen im Badeanzug laufe man Gefahr, dass das Fernsehen abspringe. Darauf sprachen 30 ehemalige Miss Americas dem Vorstand ihre «volle Unterstützung» aus, es sei wichtig, den Wettbewerb an die neuen Zeiten anzupassen. Vom Vorstand ist freilich nicht mehr viel übrig, vier von neun Damen sind im Juni zurückgetreten, zwei haben als Grund die «toxische Atmosphäre» genannt.

Möglicherweise wäre es ein geeignetes Gegengift, einen Schönheitswettbewerb, in dem Schönheit keine Rolle mehr spielen soll, einfach abzuschaffen. Aber man unterschätze die Hartnäckigkeit und Rauflust von Gretchen Carlson nicht: Mit ihrem früheren Arbeitgeber Fox hat sie sich am Ende auf ein Schmerzensgeld in Höhe von 20 Millionen Dollar geeinigt.

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