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Rupert Murdoch spielt die Unschuld vom Lande

Vor diesem Kreuzverhör hat die britische Elite gezittert: Medienmogul Murdoch nahm vor Gericht zum Abhörskandal bei «News of the World» Stellung. Er enttäuschte die Zuhörer mit Ausflüchten.

«Bin nicht der Sonnenkönig»: Rupert Murdoch verlässt mit seiner Frau Wendi Deng das Gericht in London.
«Bin nicht der Sonnenkönig»: Rupert Murdoch verlässt mit seiner Frau Wendi Deng das Gericht in London.
Keystone

Der Medienmogul Rupert Murdoch hat vor einer Londoner Untersuchungskommission zur Presseethik seine Sicht zum Abhörskandal dargelegt. Seine Verbindungen zur britischen Machtelite spielte er herunter.

Befragt nach den Beziehungen seines Medienkonzerns News Corp. zu führenden Politikern bis hin zur früheren Premierministerin Margaret Thatcher erklärte Murdoch am Mittwoch, er wolle «mit einigen Mythen aufräumen».

«Nur einer von mehreren Verlegern»

Murdoch sei aber «zur Enttäuschung der Zuhörer» recht einsilbig geblieben, berichtete «Spiegel Online». Er habe ausgesagt, nie einen Premierminister um einen Gefallen gebeten und ebenso wenig einen solchen erhalten zu haben. Auch habe er Politiker nie unterstützt, um seine eigenen kommerziellen Interessen zu fördern.

So habe Murdoch seinen Einfluss wo nur möglich heruntergespielt, um den Eindruck zu zerstreuen, dass er Grossbritanniens heimlicher Herrscher sei. Er sei nicht der «Sonnenkönig» der britischen Politik, sagte der gebürtige Australier, sondern nur einer von mehreren Verlegern, mit denen sich Politiker treffen. Diese würden schliesslich immer die Untersützung von Zeitungen suchen, das sei Teil der Demokratie.

Enge Kontakte zu Spitzenpolitikern

Murdoch gab aber dennoch Einblicke in seine engen Kontakte zu Spitzenpolitikern über Generationen. Er habe Margaret Thatcher «bewundert», Tony Blair, der sogar der Patenonkel einer der Murdoch-Töchter ist, habe ihn «beeindruckt».

David Cameron habe er besonders für seinen Umgang mit seiner Familie geschätzt, sagte Murdoch. «Ich habe niemals einen Premierminister um irgendetwas gebeten», sagt er.

Murdoch bezeichnete Gerüchte als «unwahr», wonach er Cameron übel nehme, dass dieser die Untersuchungskommission im Zusammenhang mit dem Abhörskandal seiner Medien ins Leben gerufen habe.

Aufarbeitung eines Medienskandals

Ziel des richterlichen Ausschusses ist es, Lehren aus der Affäre zu ziehen und Empfehlungen für einen neuen Pressekodex auszuarbeiten. Im Mittelpunkt des Skandals steht das inzwischen eingestellte Blatt «News of the World», dessen Reporter Anrufbeantworter von Prominenten, aber auch von Anschlags- und Entführungsopfern angezapft hatten.

Am Dienstag hatte Murdochs Sohn James vor der Kommission ausgesagt, vom Ausmass der Abhörmethoden nichts gewusst zu haben. Zugleich wurden neue E-Mail-Kontakte zwischen dem Medienkonzern und Beratern des konservativen Kulturministers Jeremy Hunt bekannt. Dabei ging es um das später gescheiterte Projekt von News Corp., sämtliche Anteile des Bezahl-Fernsehkonzerns BSkyB zu übernehmen. James Murdoch erklärte, im Dezember 2010 mit Cameron über das Projekt gesprochen zu haben.

Die oppositionelle Labour-Party verlangte den Rücktritt von Hunt, der auch für die Olympischen Spiele in diesem Sommer zuständig ist. Am Mittwoch erklärte Hunts Berater Adam Smith seinen Rücktritt.

SDA/fko

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