Jetzt sind die Buschbrände sogar in Südamerika bemerkbar

Eine riesige Rauchwolke aus Australien hat die Sonne über Chile und Argentinien rot verfärbt.

Kein Ende in Sicht: Mindestens 25 Menschen und über 17 Millionen Säugetiere sind bei den Buschbränden in Australien bereits gestorben. Video: Tamedia

Die Auswirkungen der verheerenden Buschbrände in Australien sind auch im 12'000 Kilometer entfernten Südamerika sichtbar: Eine riesige Rauchwolke hat den Pazifik überquert und die Sonne über Chile und Argentinien rötlich verfärbt, wie die örtlichen Wetterbehörden am Montag (Ortszeit) meldeten.

Gefahr drohe der Bevölkerung nicht, sagte Patricio Urra von der chilenischen Meteorologiebehörde der Nachrichtenagentur AFP. Die Rauchwolke befinde sich in einer Höhe von 6000 Metern, und es sei kein Wetterphänomen angekündigt, das sie zum Absinken bringen könnte, erklärte Urra.

Rauch von den Buschbränden in Australien erreichte am Montag, dem 6. Januar 2019, die chilenische Hauptstadt Santiago. Bild: Alberto Pena, EPA/Keystone

Auch die argentinische Wetterbehörde SMN gab im Kurzbotschaftendienst Twitter Entwarnung: Die einzige Auswirkung sei eine «ein bisschen rötere Sonne». Nach Angaben des Meteorologieunternehmens Metsul könnte die Wolke weiterziehen und sogar den brasilianischen Bundesstaat Río Grande del Sur erreichen.

In Canberra fällt das Atmen schwer

Die Buschbrände in Australien wüten weiter, es ist noch kein Ende in Sicht. Der Qualm raubt den Menschen in den betroffenen Gebieten den Atem. In der Hauptstadt Canberra war die Luft am Montag gefährlich verschmutzt.

Die Stadtregierung rief die Menschen dazu auf, drinnen zu bleiben. Einige Flüge wurden gestrichen. Museen, Geschäfte und Universitäten blieben geschlossen. Das Innenministerium forderte seine Mitarbeiter auf, für 48 Stunden zu Hause zu bleiben. An der Südostküste regnete es, was den Kampf der Feuerwehr etwas erleichterte.

Eine Entwarnung gab es aber nicht. In den Bundesstaaten New South Wales und Victoria loderten noch um die 170 Feuer. Die Helfer mussten weiter abgeschnittene Gebiete versorgen. Am Montag meldete die Polizei den Tod eines 71 Jahre alten Mannes. Seit Beginn der Brände im Oktober sind damit landesweit 25 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 2000 Häuser sind zerstört. Etwa sieben Millionen Hektar brannten nieder – das ist ungefähr ein Fünftel der Fläche Deutschlands.

Die Brände im Südosten Australiens, aufgenommen von einem Satelliten. (Keystone)

«Die Feuer brennen immer noch, und sie werden noch über Monate brennen», sagte der australische Premierminister Scott Morrison am Montag vor Reportern. Der konservative Politiker, der wegen seines Krisenmanagements in der Kritik steht (zum Bericht), hatte eine neue nationale Agentur angekündigt, die sich um die Folgen der Katastrophe kümmern soll. Ein Fonds soll in den nächsten zwei Jahren mindestens zwei Milliarden australische Dollar (1,2 Milliarden Euro) bekommen – Geld für Farmer, kleine Geschäfte und betroffene Bewohner.

Militärreservisten sollen dabei helfen, die verendeten Schafe und das Vieh zu begraben. Die Folgen für die einzigartige Pflanzen- und Tierwelt Australiens sind nicht absehbar. Hunderte von Millionen Tieren wurden nach Schätzungen von Wissenschaftlern allein in New South Wales getötet. Besonders das Schicksal der Koalas bewegt viele Menschen. In einem Augenzeugenbericht im «Sydney Morning Herald» ist zu lesen, wie die Tiere schreien, während sie im Flammenmeer sterben. Bilder von Tieren im Brandgebiet verbreiteten sich im Internet – etwa das eines Koalas, der an Bord eines Lastwagenfahrers Schutz findet (zum Bericht).

Hollywood macht auf Klimawandel aufmerksam

Die Katastrophe bewegt auch Hollywood, besonders die australischen Stars. Der Schauspieler Russell Crowe nutzte seine Dankesrede bei den Golden Globes für einen eindringlichen Appell zur weltweiten Klimapolitik (zum Bericht). «Die Tragödie in Australien basiert auf dem Klimawandel», liess Crowe von Laudatorin Jennifer Aniston bei der Preisverleihung verlesen. Sie erklärte, er sei wegen der Buschbrände bei seiner Familie in Australien geblieben.

Crowes Kollegin Cate Blanchett lenkte in ihrer Rede den Blick auf die harte Arbeit der Feuerwehrleute. Und sie sagte auch: «Wenn ein Land vor einer Klimakatastrophe steht, stehen wir alle vor einer Klimakatastrophe.»

Chris Hemsworth und seine Familie spenden 1 Million Dollar, um den Kampf gegen die Buschfeuer zu unterstützen. «Hoffentlich könnt auch ihr etwas beisteuern. Jeder Penny zählt, so ist alles, was ihr entbehren könnt, herzlich willkommen», schreibt der Schauspieler an seine Fans gerichtet auf Instagram. Das Rote Kreuz Australien reagiert gerührt auf die grosszügige Spende: «Dein Support hat uns umgehauen, wir können nicht genug Danke sagen», kommentiert die NGO den Beitrag des Stars.

Die US-amerikanische Sängerin Pink hat eine Spende von 500'000 Dollar zugesagt, um die Feuerwehrleute im Kampf gegen die australischen Buschbrände im Südosten des Landes zu unterstützen. Sie sei beim Anblick der Bilder von den schrecklichen Bränden «völlig verzweifelt», schrieb Pink auf Twitter. Die Spende solle den Feuerwehrleuten, die «an vorderster Front so schwere Arbeit leisten», zufliessen. Pink ist eine von vielen Berühmtheiten, die grosszügige Spenden zur Bekämpfung der Brände versprochen haben.

Hollywoodschauspielerin Nicole Kidman erklärte etwa auf Instagram, ihre Familie habe 500'000 Dollar an die Feuerwehr gespendet. Die australische Komikerin Celeste Barber sammelte in einer Benefizaktion sage und schreibe 16 Millionen Dollar ein.

Britische Royals werben um Spenden

Auch die britische Königin äussert sich entsetzt über die Buschfeuer: «Ich bin zutiefst betroffen über die Berichte von den anhaltenden Buschbränden und ihren zerstörerischen Folgen in vielen Teilen Australiens», erklärte Queen Elizabeth II. in einer Stellungnahme, die der Buckingham-Palast am späten Samstagabend veröffentlichte. Ihr Dank gelte allen Helfern, die ihr Leben aufs Spiel setzten, um sich den Flammen entgegenzustellen.

Prinz Harry und seine Frau Meghan drückten derweil auf Instagram ihr Mitgefühl aus und werben um Spenden. Sie sehen die Katastrophe im globalen Umweltkontext: Neben dem Bild eines Koalas im Arm eines Feuerwehrmannes verwiesen sie auf andere Brände, wie in Kalifornien und in Afrika, sowie auf die Zerstörung des Amazonas.

aru/sda

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt