NSU-Hauptangeklagte Zschäpe distanziert sich von rechter Szene

Die wegen Mittäterschaft in mehreren NSU-Morden angeklagte Beate Zschäpe wandte sich in ihrem Schlusswort auch direkt an die Angehörigen.

Beate Zschäpe vor Gericht mit ihrem Anwalt Mathias Grasel. (3. Juli 2018)

Beate Zschäpe vor Gericht mit ihrem Anwalt Mathias Grasel. (3. Juli 2018)

(Bild: Keystone Peter Kneffel/dpa)

Das Oberlandesgericht München hat den Termin für die Urteilsverkündung im Prozess um den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) auf den 11. Juli festgelegt. Die Hauptangeklagte Beate Zschäpe distanzierte sich in ihrem Schlusswort erneut von der rechten Szene.

Rechtes Gedankengut habe für sie «gar keine Bedeutung» mehr, sagte Zschäpe am Dienstag in ihrer selbst gesprochenen Aussage vor dem Oberlandesgericht München. Zschäpe bekräftigte erneut, dass sie von den Taten ihrer mutmasslichen Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt lange nichts gewusst habe. «Bitte verurteilen Sie mich nicht stellvertretend für etwas, was ich weder gewollt noch getan habe», sagte sie an die Richter gewandt. Mundlos und Böhnhardt hatten sich bei ihrer Enttarnung das Leben genommen. Am 11. Juli soll das Urteil in dem mehr als fünf Jahre dauernden Verfahren gesprochen werden.

«Ich hatte und habe keine Kenntnis darüber, warum genau diese Menschen ausgewählt wurden», sagte Zschäpe mit Blick auf die Opfer. Sie habe Teile der Realität lange verdrängt. Sich am Ende den Behörden gestellt zu haben, sei «eine Art Befreiung» gewesen. Erst danach habe sie «Stück für Stück das schreckliche Ausmass der schrecklichen Taten von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos» erfasst.

«Einen Abschluss finden»

Zschäpe hatte an mehr als 400 Prozesstagen nur einmal das Wort ergriffen. Für mehr habe ihr die körperliche und seelische Kraft gefehlt, sagte sie in der hastig vorgetragenen Erklärung. Sie habe das Gefühl, dass ihr jedes Wort falsch oder nachteilig ausgelegt werde. «Ich möchte nur noch eines: einen Abschluss finden, um irgendwann ein Leben ohne Ängste führen zu können.»

An die Angehörigen der Opfer gerichtet, von denen viele den Prozess immer wieder im Gerichtssaal verfolgt hatten, sagte Zschäpe: «Ich bin ein mitfühlender Mensch und habe sehr wohl die Not und Verzweiflung der Angehörigen sehen und spüren können. (...) Ich entschuldige mich für das Leid, das ich verursacht habe.» Sie habe gravierende Fehler gemacht und diese eingesehen.

Auf der Anklagebank sitzen neben Zschäpe weitere vier NSU-Helfer und -Unterstützer. Sie hielten ihre Schlussworte kurz, einer verzichtete ganz darauf. Carsten S., der geholfen haben soll, die Tatwaffe zu besorgen, erklärte: «Ich war damals nicht ich selbst.»

Morde aus Fremdenhass

Der NSU wird für zehn Morde, zwei Bombenanschläge und 15 Raubüberfälle verantwortlich gemacht. Das Motiv war in fast allen Fällen Fremdenhass. Die meisten Opfer waren türkischer und griechischer Abstammung.

Die deutsche Bundesanwaltschaft sieht Zschäpe als Mittäterin und hat lebenslange Haft mit Sicherungsverwahrung gegen sie beantragt. Zschäpes zwei Verteidigerteams halten sie für die Morde und Anschläge für unschuldig.

Unterschiedlich sehen die Verteidiger Zschäpes Schuld an den anderen Straftaten: Ihre drei ursprünglichen Pflichtverteidiger halten lediglich eine Strafe für einfache Brandstiftung für angebracht, ihre beiden Wunschverteidiger höchstens zehn Jahre Gefängnis wegen Beihilfe bei zahlreichen Überfällen. Zschäpe hatte 2011 ihr Wohnhaus angezündet, bevor sie sich der Polizei stellte.

sep/sda

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