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Versteckspiel mit Tiger, Löwe und Jaguar

Der kleine Eifel-Zoo versetzte die Welt in Aufruhr. Zwei Löwen, zwei Tiger, ein Jaguar und ein Bär entwichen aus ihrem Gehege. Zunächst, jedenfalls.

Dominique Eigenmann
Wieder aufgetaucht: Nach einem Unwetter waren mehrere Raubtiere im Eifel-Zoo verschwunden. (Video: Tamedia, AFP)

Was für eine Schlagzeile! Zwei Löwen, zwei Tiger und ein Jaguar seien aus einem Zoo in der Eifel entwichen, meldeten die Medien am Freitagmittag dringend. Die Behörden, so hiess es, suchten mit einem Grossaufgebot nach ihnen, einen Bären habe man bereits aufgespürt und erschossen. Die Polizei bitte die Anwohner, in ihren Häusern zu bleiben und die Türen fest zu verschliessen.

Selbst die BBC veröffentlichte eine Eilmeldung. Was für eine Aufregung!

Keine Stunde später die Entwarnung: Die Raubtiere seien wieder eingefangen, die Gefahr gebannt. Ironischerweise war auch diese Meldung falsch, was man aber erst einige Stunden später verstand.

Rheinland-Pfalz wird seit Tagen von heftigen Unwettern heimgesucht, am frühen Freitagmorgen traf es das Dorf Lünebach. Innert einer Stunde ging so viel Regen nieder wie sonst in einem knappen Monat, Bierbach und Prüm traten über die Ufer und überschwemmten den im Tal liegenden Eifel-Zoo.

Die reissende Flut zerrte an Käfigen und Gehegen und beschädigte so manches. Was genau zu diesem Zeitpunkt mit den etwa 400 Tieren des Zoos geschah, unter ihnen Löwen, Bären und Sibirische Tiger, war gestern Abend immer noch unklar.

Hatten mehr Glück als ihr Bären-Freund: Löwe «Malor» (hinten) und seine Mutter Lira waren nur verschollen und mussten nicht erschossen werden.
Hatten mehr Glück als ihr Bären-Freund: Löwe «Malor» (hinten) und seine Mutter Lira waren nur verschollen und mussten nicht erschossen werden.
Harald Tittel, AFP
Die Prüm fliesst nach heftigen Regenfällen durch den Eifel-Zoo Tierpark Neu-Bierbach.
Die Prüm fliesst nach heftigen Regenfällen durch den Eifel-Zoo Tierpark Neu-Bierbach.
Oliver Berg, Keystone
Zwei Löwen, zwei Tiger, ein Jaguar und ein Bär waren aus dem Zoo in Lünebach verschwunden. Die Umgebung wurde sicherheitshalber abgesperrt.
Zwei Löwen, zwei Tiger, ein Jaguar und ein Bär waren aus dem Zoo in Lünebach verschwunden. Die Umgebung wurde sicherheitshalber abgesperrt.
John Thys, AFP
Auf der Pirsch: Zoo-Mitarbeiter und Polizisten durchsuchten den Eifel-Zoo nach den Tieren.
Auf der Pirsch: Zoo-Mitarbeiter und Polizisten durchsuchten den Eifel-Zoo nach den Tieren.
Oliver Berg, Keystone
Ein Bär befand sich ausserhalb seines Geheges. Er wurde erschossen.
Ein Bär befand sich ausserhalb seines Geheges. Er wurde erschossen.
John Thys, AFP
Die anderen Raubkatzen wurden schliesslich in ihren Gehegen entdeckt: Sibirische Tiger im Joburg Zoo, Johannesburg.
Die anderen Raubkatzen wurden schliesslich in ihren Gehegen entdeckt: Sibirische Tiger im Joburg Zoo, Johannesburg.
Kim Ludbrook, Keystone
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Jedenfalls war das 30 Hektaren grosse Zoogelände, das ein Zaun nach aussen abschliesst, während Stunden kaum überschaubar. Als Wildhüter bei der Suche nach den Tieren auf einen Bären trafen, der sich auf einem Weg innerhalb des Zoos, aber ausserhalb seines Geheges bewegte, erschossen sie ihn.

Wenn er auf Wanderschaft war, könnten sich ja auch die Raubkatzen davongeschlichen haben, fürchtete man. In ihren Gehegen sah man sie jedenfalls nicht. Es wurde Alarm geschlagen. Polizei, Zoowärter, Feuerwehr, Wildhüter, Jäger und Journalisten machten sich auf die Pirsch.

Mittels einer Drohne versuchte man, die Grosskatzen aus der Luft aufzuspüren – vergeblich. Erst als sich die Flut im Zoo langsam zurückzog, wurde man fündig: Die Tiere waren gar nicht ausgebüxt, sondern hatten sich vor dem Wasser in ihren Gehegen versteckt.

Sie mussten also weder eingefangen noch wie der arme Bär erschossen werden. Ob die Tiere im verheerten Tierpark bleiben können, war vorerst unklar. Ein Sprecher der Kreisverwaltung sagte, man prüfe, sie in andere Tierparks zu verlegen.

Die Sorgen der Betreiber sind nach der Flut bestimmt nicht kleiner geworden.

Der Eifel-Zoo existiert seit 1972, er wurde vom bekannten Kölner Kaufmann und Karnevalisten Hans Wallpott gegründet, finanziert und betrieben. Wallpott ist vergangenes Jahr im Alter von 89 Jahren verstorben, heute leiten seine Frau Annemie und Tochter Isabelle, eine gelernte Zootierpflegerin, den Tierpark.

Während die Politiker der Region die Familie für ihr Engagement loben, kann man auf Reiseforen harsche Kritik lesen: Im Vergleich zu früher erscheine der Zoo heruntergekommen und verwahrlost, schreibt eine Besucherin, Grünanlagen und Tiere vegetierten traurig vor sich hin. Die Sorgen der Betreiber sind nach der Flut bestimmt nicht kleiner geworden.

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