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Nach Telefonscherz: Vorwürfe gegen Radiosender

Der Tod einer britischen Krankenschwester nach einem Scherzanruf wirft ein Schlaglicht auf den australischen Radiosender 2DayFM. Er fiel schon mehrmals durch geschmacklose Aktionen auf.

«Am Boden zerstört»: Medienchef Rhys Holleran äussert sich zum Tod der britischen Krankenschwester (rechts).
«Am Boden zerstört»: Medienchef Rhys Holleran äussert sich zum Tod der britischen Krankenschwester (rechts).
Reuters

Nach dem Telefonscherz mit offenbar tödlichen Folgen fordern Menschen auf der ganzen Welt über Facebook und Twitter die Entlassung von zwei australischen Radiomoderatoren. Michael Christian und Mel Greig hatten sich als Queen Elizabeth und Prinz Charles ausgegeben, um vom Krankenhaus, in dem die schwangere Herzogin Kate stationiert war, Auskunft zu deren Gesundheitszustand bekommen. Drei Tage später wurde die Krankenschwester Jacinta S., die auf den Witz hereingefallen war und das Gespräch angenommen hatte, tot aufgefunden.

Er sei sich sicher, dass der Sender mit dem Anruf keine Gesetze gebrochen habe, erklärte heute Rhys Holleran, Chef der Mediengruppen Southern Cross Austereo, zu der 2DayFM gehört. Telefonstreiche seien schliesslich nichts Aussergewöhnliches, es gebe sie schon seit Jahrzehnten, und zwar in der ganzen Welt. Die beiden Moderatoren seien jedoch «am Boden zerstört» und würden vorübergehend nicht arbeiten. Holleran kündigte an, allfällige Ermittlungen gegen das Unternehmen zu unterstützen.

Werbekunden ziehen sich zurück

Der Zwischenfall hat für den Radiosender trotzdem Konsequenzen: Laut Recherchen von «Spiegel Online» haben bereits mehrere Werbekunden ihre Spots bei 2DayFM zurückgezogen, darunter eine Supermarktkette. Mehr als 1900 Menschen forderten per Online-Petition, dass den Radiomoderatoren Christian und Greig gekündigt wird, wie der US-Sender CNN berichtet. Auch die Facebook-Seite von 2DayFM wurde von empörten Kommentaren und Vorwürfen überschwemmt. Viele Kommentatoren forderten den Sender dazu auf, den Hinterbliebenen eine Entschädigung zu zahlen.

Wie «Spiegel Online»weiter berichtet, ist 2DayFM schon in der Vergangenheit durch geschmacklose Aktionen aufgefallen. So habe ein anderer Moderator des Senders vor drei Jahren eine 14-Jährige dazu gebracht, im Radio eine angebliche Vergewaltigung zu enthüllen. Derselbe Moderator habe zuvor bereits in einem Wettbewerb den kleinsten Penis von Sydney gesucht und in der Öffentlichkeit Muttermilch getrunken.

Im Mai hat die australische Medienaufsicht laut dem Bericht verschärfte Auflagen für 2DayFM verhängt. Der Sender sei aufgefordert worden, «allgemeine Anstandsregeln» nicht zu verletzen und die «demografischen Charakteristiken des Publikums» zu berücksichtigen.

Keine Konsequenzen zu befürchten

Jacinta S. war am Freitagvormittag in einer Wohnung in London aufgefunden und noch an Ort und Stelle für tot erklärt worden. Die 46-jährige Mutter zweier Kinder war laut einem BBC-Bericht die diensthabende Krankenschwester, die den Anruf entgegengenommen hatte, bei dem sich die Australier Greig und Christian von 2DayFM am Dienstag als Königin Elizabeth II. und Prinz Charles ausgegeben hatten. Sie war seit mehr als vier Jahren in der Klinik beschäftigt, wurde wegen des Scherzanrufs nicht suspendiert und hatte auch keine anderweitigen Konsequenzen zu fürchten.

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