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Mysteriöser Einbruch – Verdacht fällt auf China

In einer schottischen Fabrik wurden Laptops entwendet, der Fall blieb ungeklärt. Jetzt sind Fotos desselben innovativen Produkts aufgetaucht. In China.

Wurden die Pläne von China gestohlen? Pelamis und die zuständigen Ingenieure in der Fabrikhalle in Schottland. (11. Oktober 2016)
Wurden die Pläne von China gestohlen? Pelamis und die zuständigen Ingenieure in der Fabrikhalle in Schottland. (11. Oktober 2016)
Pelamis
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Eine chinesische Delegation unter Führung des damaligen chinesischen Vize-Premiers stattete der für seine Innovationen bekannten Firma einen Besuch ab. Zwei Monate später wird in dieselbe Fabrik eingebrochen, vier bis fünf Laptops verschwinden. Nun sind Fotos eines chinesischen Projekts aufgetaucht, das demjenigen in Schottland auffällig ähnlich sieht. Aufgrund des Besuchs steht China unter Verdacht, dem Unternehmen Pelamis New Wave das Konzept des Wellenkraftwerkes gestohlen zu haben.

«Wir waren unglaublich stolz, ausser London der einzige Ort Grossbritanniens zu sein, der Besuch vom chinesischen Vize-Premier Li Keqiang bekam», so Max Carcas, bis 2012 Direktor für die Geschäftsentwicklung von Pelamis New Wave, zur englischen Tageszeitung «The Guardian».

Einbruch ausschliesslich bei Pelamis

Im Gegensatz zu Wasserkraftwerken werden bei der Wellenkraft nicht Ebbe und Flut genutzt, sondern alleine, wie der Name bereits sagt, die Kraft von Wellen. Die chinesischen Besucher wirkten beeindruckt, als sie in den Räumlichkeiten in Leith herumgeführt wurden. Der Rundgang wurde mit einem Dinner in Edinburgh Castle abgerundet.

«Zehn Wochen später wurde bei uns eingebrochen und einige Laptops sind verschwunden. Es war merkwürdig, dass die Einbrecher direkt zu uns in den zweiten Stock gingen und die anderen Firmen ausgelassen haben», erzählt Carcas. Im Gebäude befinden sich Standorte von anderen Firmen, unter anderem jener des deutschen Technologiekonzerns Siemens. Die Polizei Scotland bestätigte den Einbruch gegenüber der Zeitung.

China nimmt keine Stellung

Auf der Schiffswerft ist man sich Einbrüche gewohnt. Nur wurden bisher nur Kupferkabel gestohlen, nie Computer. Der Vorfall konnte nie aufgeklärt werden. Und geriet schnell in Vergessenheit. Bis die Bilder des chinesischen Projekts Hailong (Dragon) 1 auftauchten, Fotos, die jenen von Pelamis zu ähnlich sehen. Haben sich die Entwickler in China das Design alleine von Pressefotos abgeschaut? Oder haben sie zufälligerweise in dieselbe Richtung gearbeitet? «Einige Details unterscheiden sich, aber es ist ganz klar, dass hier ein Pelamis Konzept getestet wird», so die Einschätzung von Carcas.

Die für die Produktion von Hailong 1 zuständige Firma ist das Forschungsinstitut No. 710, ein kommerzielles Unternehmen, welches aber auch in Militärprojekte involviert ist. Eine direkte Verbindung des chinesischen Premiers zur Firma ist nicht nachzuweisen. Die chinesische Regierung liess Anfragen von «The Guardian» unbeantwortet.

Rechtlich vorzugehen sei aussichtslos

Die Firma Pelamis Wave Power musste ihr Projekt 2014 wegen Finanzierungsschwierigkeiten aufgeben, Chinas Hailong 1 ist noch im Entwicklungsstadium. Trotz der ausgeprägten Ähnlichkeit plant weder die britische noch die schottische Regierung das Patent bei China einzuklagen. «Geistiges Eigentum ist in China nicht geschützt», erklärt Calum Macfarlane, Sprecher für Wave Energy Scotland.

Sicherheitsbedenken werden vor allem im Zusammenhang mit der Finanzierung Chinas des neuen britischen Atomkraftwerks Hinkley Point laut. Das Werk ist mehrheitlich von Frankreich und China fremdfinanziert, was auf Kritik stiess. Nick Timothy, Stabschef und politischer Berater der britischen Premierministerin Theresa May, hatte damals öffentlichBefürchtungen geäussert, dass China die Position ausnutzen könnte: «Kein Geldbetrag kann es rechtfertigen, einer feindlich gesonnenen Macht leichten Zugang zu empfindlichster nationaler Infrastruktur zu gewähren.»

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