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Mindestens vier Tote nach Zugunglück

Aus noch ungeklärten Gründen ist ein Zug kurz vor dem Bahnhof Porriño entgleist. Vier Menschen wurden getötet, 50 weitere verletzt.

Drei Jahre nach dem schweren Zugunglück bei Santiago de Compostela mit 80 Toten ist in der nordspanischen Region Galicien erneut ein Zug entgleist. Das neue Unglück forderte Behördenangaben zufolge vier Todesopfer und Dutzende Verletzte.

Der stellvertretende Bürgermeister des Ortes O Porriño, wo sich der Unfall am Freitagmorgen ereignete, sprach im Fernsehen von fast 50 Verletzten. Einer von ihnen schwebe in Lebensgefahr.

Viele Menschen hätten Prellungen und Quetschungen erlitten, sagte Manuel Carrera, ein Stadtrat von O Porriño, den die Nachrichtenagentur AFP telefonisch am Unglücksort erreichte. In einer nahegelegenen Cafeteria sei eine Rettungsstelle eingerichtet worden. Die Einsatzkräfte seien auch mit einem Helikopter im Einsatz gewesen, um die Verletzten in Spitäler zu bringen, schrieb die Zeitung «El Mundo».

Tote und Verletzte in O Porriño: Der eingedrückte Führerstand des entgleisten Zugs. (9. September 2016)
Tote und Verletzte in O Porriño: Der eingedrückte Führerstand des entgleisten Zugs. (9. September 2016)
Salvador Sas, Keystone
Die Unfallstelle mit dem entgleisten Zug in O Porriño, nahe Vigo.
Die Unfallstelle mit dem entgleisten Zug in O Porriño, nahe Vigo.
Anxo Fdez Saborido, AFP
Der entgleiste Zug beförderte rund 60 Passagiere.
Der entgleiste Zug beförderte rund 60 Passagiere.
Salvador Sas, Keystone
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Wohl überhöhte Geschwindigkeit

Der Zug, der der staatlichen portugiesischen Bahngesellschaft Comboios gehörte, war von der spanischen Hafenstadt Vigo in Galicien aus unterwegs nach Porto, der zweitgrössten Stadt Portugals. Unter den Opfern ist auch der portugiesische Lokführer. Ein Augenzeuge sagte dem TV-Sender Antena 3, der Zug sei sehr schnell gefahren. «El Mundo» berichtete, er stamme aus den 80er Jahren und habe eine Höchstgeschwindigkeit von 120 Stundenkilometern gehabt.

Plötzlich habe es einen ohrenbetäubenden Knall gegeben, sagte der 65-jährige Augenzeuge, der an einer Bahnschranke wartete: «Es gab eine Explosion und dann stieg eine riesige Rauchwolke auf. Man konnte nichts mehr sehen.» Viele Menschen seien sofort zum Zug gelaufen, um den Passagieren zu helfen.

Fotos zeigten die völlig zerstörten Trümmer des ersten Waggons, der offenbar gegen einen Laternenmast geprallt war. Im Hintergrund ist eine Steinbrücke zu sehen. Ob der Zug diese ebenfalls rammte, war unklar. Der Bahnverkehr in der Region wurde unterbrochen.

Blackbox-Analyse soll Ursache klären

Die Behörden leiteten Ermittlungen zur Unglücksursache ein. Möglicherweise habe es auf der Strecke Arbeiten gegeben, zitierten Medien die Stadtverwaltung von O Porriño. Die Daten der aus den Trümmern geborgenen Blackbox sollten bei der Klärung der Hintergründe helfen, so die Ermittler.

Schienennetzbetreiber Adif teilte mit, das Unglück habe sich gegen 09.30 Uhr ereignet. Ein Sprecher des spanischen Bahnbetreibers Renfe sagte der Nachrichtenagentur dpa, es seien gut 60 Menschen in dem Zug gewesen.

Spaniens Regierungschef Mariano Rajoy bekundete über den Twitter seine «Trauer» und seinen «Schmerz» über das Unglück. Er stammt selbst aus Galicien. Auch Renfe und Adif sprachen den Angehörigen der Opfer via Twitter ihr Beileid aus.

Erinnerungen an 2013

Erst vor drei Jahren hatte sich ebenfalls in Galicien in der Nähe des Wallfahrtsortes Santiago de Compostela das schwerste Zugunglück in Spanien seit dem Zweiten Weltkrieg ereignet. Ein Zug aus Madrid war im Juli 2013 mit einer Geschwindigkeit von 179 Stundenkilometern in eine Kurve gerast, obwohl an der Strecke ein Tempolimit von 80 Stundenkilometern galt. Der Zug entgleiste, 80 Menschen starben.

Zunächst galt allein der Lokführer als Schuldiger, der während des Unglücks telefoniert hatte. Ende Juni wurden aber zudem Ermittlungen wegen möglicher Pflichtverletzungen durch den Schienennetzbetreiber eingeleitet. Als Konsequenz aus dem Unglück kündigte die spanische Regierung an, das gesamte Schienennetz des Landes auf seine Sicherheit hin zu überprüfen.

SDA/sep

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