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«Krankenschwester ist für ein paar billige Lacher gestorben»

Die Radiomoderatoren, welche sich gegenüber einer Krankenschwester als Königin und Kronprinz ausgegeben haben, dürfen nicht mehr ans Mikrofon. Vermutlich hat die Spitalangestellte Selbstmord begangen.

Die Moderatoren des australischen Radiosenders sind für die Anrufe verantwortlich: Zwei Passanten vor den Studios von 2DayFM in Sydney. (8. Dezember 2012)
Die Moderatoren des australischen Radiosenders sind für die Anrufe verantwortlich: Zwei Passanten vor den Studios von 2DayFM in Sydney. (8. Dezember 2012)
Reuters

Nach ihrem Telefon-Scherz mit offenbar tödlichen Folgen setzen die zwei australischen Radiomoderatoren vorerst ihre Arbeit aus. Der Sender 2DayFM teilte gestern mit, die beiden Journalisten würden zunächst nicht weiter machen.

Die Krankenschwester, die auf den Witz hereingefallen war und das Gespräch angenommen hatte, war gestern tot aufgefunden worden. Das britische Königshaus teilte in London seine Trauer über den Vorfall mit. Die Krankenschwester im Krankenhaus der schwangeren Herzogin Kate war einer Queen-Imitatorin aufgesessen.

Todesursache nicht «verdächtig»

Die Todesursache war zunächst nicht bekannt, wie die britische Polizei mitteilte. Britische Boulevardmedien spekulierten über einen Selbstmord. Von Scotland Yard hiess es indes, dass der Tod der Schwester zu diesem Zeitpunkt nicht als «verdächtig» angesehen werde. Ein Gerichtsmediziner soll den Fall untersuchen.

Jacinta S. war am Freitagvormittag in einer Wohnung in London aufgefunden und noch an Ort und Stelle für tot erklärt worden. Die 46-jährige Mutter zweier Kinder war laut einem BBC-Bericht die diensthabende Krankenschwester, die den Anruf entgegengenommen hatte, bei dem sich die zwei Australier Mel Greig und Michael Christian von 2DayFM am Dienstag als Königin Elizabeth II. und Prinz Charles ausgegeben hatten. Jacinta S. war dem Bericht zufolge aber nicht diejenige, die Einzelheiten über Kates Gesundheitszustand an die vermeintliche Queen weitergegeben hatte.

Königshaus übte keinen Druck aus

Das Königshaus bekundete sein Mitgefühl für die Angehörigen und suchte zugleich, Spekulationen über möglichen Druck auf das Krankenhaus auszuräumen. «Ihre Königlichen Hoheiten wurden von jedem im King Edward VII. Hospital wundervoll betreut und ihre Gedanken und Gebete sind in dieser traurigen Zeit bei der Familie, den Freunden und den Kollegen von Jacinta S.», hiess es in einer Erklärung des St. Jame's-Palastes. Ein Sprecher des Königshauses bekräftigte, dass sich der Palast zu keinem Zeitpunkt über den Zwischenfall mit dem Scherzanruf beschwert habe.

Jacinta S. war seit mehr als vier Jahren in der Klinik beschäftigt und wurde wegen des Scherzanrufs nicht suspendiert und hatte auch keine anderweitigen Konsequenzen zu fürchten. «Das Krankenhaus hat sie während dieser schwierigen Zeit unterstützt», teilte die Klinik mit. «Unsere Gedanken und unser tiefstes Mitgefühl sind jetzt bei ihrer Familie und ihren Freunden», sagte Klinikchef John Lofthouse. «Jeder hier ist geschockt über den Verlust einer beliebten und wertvollen Kollegin.»

Moderatoren arbeiten nicht mehr weiter

Der Radiosender 2DayFM teilte über das soziale Netzwerk Facebook und den Kurznachrichtendienst Twitter mit, dass die beiden Moderatoren vorerst nicht weiter arbeiten würden. Greig und Christian sagten, es täte ihnen sehr leid, wenn sie Probleme bereitet hätten. Sie seien selbst überrascht gewesen, dass ihr Anruf überhaupt ernst genommen worden sei, sagten sie. «Wir dachten, sie legen sofort auf, wenn sie unsere schrecklichen Akzente hören», erklärten die beiden.

Der Sender hatte eine Aufzeichnung des Anrufs auf seine Webseite gestellt, sich aber später dafür entschuldigt. Die australische Medienbehörde kündigte eine Untersuchung des Falls an.

Kate, die Ehefrau von Prinz William, war in den vergangenen Tagen in dem Krankenhaus wegen akuter Morgenübelkeit behandelt worden. Am Donnerstag war sie wieder entlassen worden.

Eine Schwester – an die Jacinta S. das Telefonat weitergeleitet hatte – hatte den Moderatoren gesagt: «Im Moment schläft sie, und sie hatte eine Nacht ohne besondere Vorkommnisse. Sie hat Flüssigkeit bekommen. Derzeit ist sie stabil». Ausserdem bot sie der vermeintlichen Queen und dem falschen Prinz Charles an, Kate ab neun Uhr vormittags zu besuchen. «Wir werden sie frisch machen.»

«Blut an den Händen»

Bis heute Morgen standen mehr als 8300 Kommentare zu dem Telefonstreich auf der Facebook-Seite von 2DayFM. In ihnen hiess es, Greig und Christian trügen «Blut an den Händen». Einige erinnerten an den tragischen Unfalltod der stets von Reportern verfolgten Mutter von Prinz William. Offenbar hätten die Medien aus Prinzessin Dianas Tod von 1997 keine Lehren gezogen, hiess es in einem Kommentar. «Eine britische Krankenschwester ist für ein paar billige Lacher gestorben», hiess es in einem anderen Eintrag. «Schämt Euch!»

Das britische Königshaus hatte am Montag mitgeteilt, dass Kate schwanger ist. Als erster Sprössling von Prinz William – dem derzeit Zweiten in der britischen Thronfolge – könnte die Tochter oder der Sohn des Paars eines Tages an die Spitze des Königshauses rücken.

dapd/AFP/mw/chk

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