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Konsumentenschützer wollen die Namen der Mogel-Metzger wissen

Wenn Metzger ihre Würste falsch deklarieren, haben sie wenig zu befürchten. Das soll sich bald ändern. Konsumentenschützer wollen die Namen der Wurstsünder öffentlich machen.

Wenn Kalb drauf steht, muss Kalb drin sein: Metzger beim Wursten.
Wenn Kalb drauf steht, muss Kalb drin sein: Metzger beim Wursten.

Man kann getrost davon ausgehen, dass rund ein Drittel der Metzger ihre Kunden in Sachen Wurst übers Ohr haut. Sie deklarieren Würste mit dem Qualitätslabel «Kalbs-», obwohl mehrheitlich billigeres Fleisch drin ist. Die jüngsten Tests hat das Aargauer Kantonslabor zusammen mit Solothurn und den beiden Basel durchgeführt (TA von gestern). Über ein Drittel der überprüften 48 Betriebe haben «Kalbs-» an ihre Bratwürste geschrieben, obwohl die gesetzlich erforderlichen 50 Prozent Kalbfleisch nicht enthalten waren. Sogar Schaf- und Kaninchenfleisch fanden die Kontrolleure in den Würsten.

«Fleisch verwechselt» - die faulen Ausreden

«Unerklärlich», «Aushilfe am Werk», «Fleisch verwechselt», bekamen die Kontrolleure als Erklärung für die Konsumententäuschung zu hören. Möglich, dass im einen oder anderen Fall tatsächlich Unachtsamkeit und nicht böse Absicht hinter den Falschdeklarationen stand. Doch die langfristig erhobenen Zahlen sprechen eine andere Sprache. Hinter dem Kalbs-Beschiss steckt Kalkül. Seit 2003 hat das Amt für Verbraucherschutz Aargau (AVS) sechsmal getestet. Das Resultat laut Bericht: «Die Beanstandungsquoten lagen immer über 30 Prozent und umfassten im Wesentlichen die gleichen Mängel.» Bei den Kontrollen des Zürcher Kantonschemikers sah es vergangenes Jahr noch schlechter aus. Nicht einmal die Hälfte der kontrollierten Kalbsbratwürste genügte den gesetzlichen Anforderungen.

Risikoloser Marketingkniff

Der Marketingtrick mit dem Qualitätslabel «Kalb» erfreut sich also trotz Kontrollen grosser Beliebtheit. Der Ehrgeiz mancher Metzger liegt aber eh mehr darin, viele Würste zu verkaufen, als echte Kalbsbratwürste im Sortiment zu haben. Das zeigen die Reaktionen auf die Beanstandungen der Kontrolleure. Statt den Anteil Kalbfleisch in der Wurstherstellung zu erhöhen, lassen die Metzger einfach den Zusatz «Kalbs-» auf dem Preisschild weg. Die Probleme mit den Lebensmittelkontrolleuren sind damit gelöst.

Das «Falsch-Labeln» ist quasi risikolos. Die Kontrolleure unterliegen der im Lebensmittelgesetz festgeschriebenen Schweigepflicht und dürfen die Konsumenten über die Irreführung nicht informieren. Eine Busse gibt es erst im Wiederholungsfall. Eine erste Beanstandung zieht lediglich eine Nachkontrolle nach sich, auf die der Metzger dann aber vorbereitet ist. Darüber hinaus muss er die Kosten der Laboranalysen zahlen. Im Fall der AVS sind das rund 300 Franken. Wer grössere Mengen Kalbsbratwurst verkauft, die er mehrheitlich mit Schweine- oder anderem günstigen Fleisch gefüllt hat, schreckt diese Summe nicht. Ist die Nachkontrolle vorbei, hat man für eine Weile nichts mehr zu befürchten. Denn das AVS, so sagt dessen Cheflaborant Albert Eugster, «beprobt in jeder Kontrollkampagne andere Betriebe, um möglichst breit zu sensibilisieren».

Unglücklicher Metzgerverband

Zusätzlich zu den Kontrollen will sich auch der Schweizerische Fleischfachverband (SFF) für saubere Kalbsbratwürste einsetzen. «Wenn Gesetzesvorschriften erlassen sind, dann sind diese auch einzuhalten», sagt Präsident Balz Horber. Natürlich sei man mit diesen jüngsten Kontrollergebnissen nicht glücklich. «Aber wir arbeiten ständig daran und weisen unsere Mitglieder regelmässig auf die geltenden gesetzlichen Bestimmungen zur Zusammensetzung von Wurstprodukten hin», sagt Horber.

Griffigere Methoden möchten die Konsumentenschützer einführen. Ihnen stösst das «Kalbs»-Marketing schon lange sauer auf. «Die harmlosen Konsequenzen der Kontrollen sind quasi eine Einladung zur Täuschung der Konsumenten, und diese wird als Kavaliersdelikt angesehen», sagt Simonetta Sommaruga, Präsidentin der Stiftung für Konsumentenschutz. «Solange die fehlbaren Betriebe nicht öffentlich gemacht werden, bringen die Kontrollen den Konsumenten eigentlich nichts», sagt Sommaruga. Ausserdem sei die Angst vor einem möglichen Rufschaden der grössere Ansporn zur Redlichkeit als jährlich wiederholte Kontrollen.

Schweigepflicht könnte 2010 fallen

Die Schweigepflicht der Lebensmittelkontrolleure will die Stiftung für Konsumentenschutz deshalb so weit lockern, dass die Ergebnisse der Lebensmittelkontrollen auch publiziert werden können. «Es geht uns nicht um die Bagatellfälle, aber wir werden uns bei der anstehenden Revision des Lebensmittelgesetzes dafür einsetzen, dass die Schweigepflicht bei Falschdeklarationen und unhaltbaren hygienischen Zuständen wegfällt», sagt Simonetta Sommaruga. Die nächste Revision des Lebensmittelgesetzes ist im Rahmen der Angleichung an die EU-Richtlinien für das Jahr 2010 vorgesehen.

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