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Knox schreibt Kercher-Familie einen Brief

Das dritte Urteil in sechs Jahren: Heute fällt ein Gericht in Florenz ein weiteres Urteil um den mysteriösen Tod der Austauschstudentin Meredith Kercher im Jahr 2007. Es dürfte nicht das letzte sein.

«Ich konnte nicht glauben, was ich höre», nun liegt die Begründung vor: Amanda Knox zum Urteil des Berufungsgerichts in Florenz vom Januar im TV-Studio von ABC. (31. Januar 2014)
«Ich konnte nicht glauben, was ich höre», nun liegt die Begründung vor: Amanda Knox zum Urteil des Berufungsgerichts in Florenz vom Januar im TV-Studio von ABC. (31. Januar 2014)
Reuters
Kämpfte gegen die Tränen: Knox spricht in der Sendung «Good Morning America» auf ABC mit der Moderatorin Robin Roberts. (31. Januar 2014)
Kämpfte gegen die Tränen: Knox spricht in der Sendung «Good Morning America» auf ABC mit der Moderatorin Robin Roberts. (31. Januar 2014)
Reuters
Gab kurz vor Prozessauftakt ein TV-Interview bei NBC: Die Angeklagte Amanda Knox. (20. September 2013)
Gab kurz vor Prozessauftakt ein TV-Interview bei NBC: Die Angeklagte Amanda Knox. (20. September 2013)
AP Photo/NBC, Peter Kramer
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Kurz vor dem Urteil im neuen Prozess gegen Amanda Knox und ihren Ex-Freund Raffaele Sollecito in Florenz hat die angeklagte US-Bürgerin einen Brief an die Familie der 2007 ermordeten Austauschstudentin Meredith Kercher geschrieben. Die Familie des Opfers beschloss jedoch, ihn nicht zu lesen.

«Ich spüre nicht das Bedürfnis, mit Amanda Kontakt zu haben», sagte Stephanie Kercher, die Schwester des Opfers, gemäss der Mailänder Tageszeitung «Corriere della Sera». Seit sechs Jahren läuft das Verfahren um den gewaltsamen Tod von Meredith.

«Das Urteil ist ein Weg, um unserer Schwester zu gedenken», so die Schwester der Getöteten. «Wir wollen keine Rache. Wir wissen, dass die Richter nicht die genaue Wahrheit kennen. Wir hoffen, dass der Prozess zu Ende geht, damit wir uns auf unseren Schmerz konzentrieren können.»

«Ich begreife»

Amanda Knox zeigte Verständnis für den Entschluss der Hinterbliebenen, ihren Brief nicht zu lesen. «Ich begreife, dass ein Austausch zwischen mir und der Familie Kercher den Angehörigen Schmerz verursachen würde, auch wenn mein Brief lediglich Worte des Trosts enthält», sagte Knox laut der Zeitung.

Gericht in Florenz berät über Urteil

Im neuen Mordverfahren gegen Knox in Italien steht ein Urteil kurz bevor. Das Berufungsgericht in Florenz zog sich zu abschliessenden Beratungen zurück. Der Anwalt von Knox, Carlo Dalla Vedova, sagte zuvor in seinem Abschlussplädoyer, er sehe dem Richterspruch «gelassen» entgegen. Angesichts der vorliegenden Beweise sei die einzige Schlussfolgerung «die Unschuld von Amanda Knox».

Knox wartete auf das Urteil gegen sie in ihrer Heimatstadt Seattle im US-Staat Washington, ihr ebenfalls angeklagter italienischer Ex-Freund Raffaele Sollecito war im Gericht. Die Staatsanwaltschaft fordert Haftstrafen von je 26 Jahren für Knox und ihren Ex-Freund. Die Entscheidung in Florenz wird aber ungeachtet des Ausgangs voraussichtlich immer noch nicht das Ende des seit über sechs Jahren andauernden Rechtsstreits bedeuten. Im Falle eines Schuldspruchs müsste das oberste Gericht Italiens nämlich das Urteil bestätigen. Dies könnte ein Jahr oder gar länger dauern. Theoretisch könnte im Anschluss ein weiteres Berufungsverfahren gegen Knox und Sollecito folgen.

«Teufelsweib»

Das Verfahren in Florenz ist bereits der dritte Prozess gegen die beiden Angeklagten wegen Mordes an Knox' damaliger Mitbewohnerin, der Britin Meredith Kercher, im Jahr 2007 in der italienischen Stadt Perugia. 2009 waren Knox und Sollecito in dem Fall zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Ein dritter Mann, Rudy Guede, wurde als Mittäter verurteilt und verbüsst derzeit eine Haftstrafe von 16 Jahren. Im Berufungsprozess wurden Knox und Sollecito dann 2011 unter anderem wegen Verfahrensfehlern freigesprochen, die Amerikanerin reiste anschliessend in ihre Heimat zurück. Der Freispruch wurde aber im März vergangenen Jahres vom höchsten Strafgericht Italiens kassiert.

Knox war im November 2007 vier Tage nach dem Fund von Kerchers halbnackter Leiche in deren Schlafzimmer in Perugia festgenommen worden. In der Folge wurde die Amerikanerin, die jetzt in den USA studiert, sowohl als «Teufelsweib» dargestellt, das das sexuelle Abenteuer sucht, wie auch als naiver Mensch, gefangen in einem komplizierten italienischen Justizsystem.

AFP/wid

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