Zum Hauptinhalt springen

Kino-Amokläufer entgeht Todesstrafe

Der 27-jährige «Batman»-Schütze von Colorado wurde von den Geschworen zu lebenslanger Haft verurteilt – aus Uneinigkeit.

chk
Keine Todesstrafe: James Holmes (oben links) nimmt sein Urteil entgegen. (7. August 2015)
Keine Todesstrafe: James Holmes (oben links) nimmt sein Urteil entgegen. (7. August 2015)
Keystone
Staatsanwaltschaft und Verteidigung hielten ihre Eröffnungsplädoyers: James Holmes (l.) und sein Anwalt im Gericht. (27. April 2015)
Staatsanwaltschaft und Verteidigung hielten ihre Eröffnungsplädoyers: James Holmes (l.) und sein Anwalt im Gericht. (27. April 2015)
Keystone
War an der Verhaftung beteiligt: Polizeibeamter Jason Oviatt auf dem Weg in den Gerichtssaal. (7. Januar 2013)
War an der Verhaftung beteiligt: Polizeibeamter Jason Oviatt auf dem Weg in den Gerichtssaal. (7. Januar 2013)
Reuters
Polizist Justin Grizzle erzählt, was er an jenem Abend in Aurora erlebt hat. (7. Januar 2013)
Polizist Justin Grizzle erzählt, was er an jenem Abend in Aurora erlebt hat. (7. Januar 2013)
Reuters
Auch Familienangehörige der Opfer nahmen an der Anhörung teil. (7. Januar 2013)
Auch Familienangehörige der Opfer nahmen an der Anhörung teil. (7. Januar 2013)
Keystone
Spendet Trost vor Ort: US-Präsident Barack Obama spricht mit Auroras Polizeichef Dan Oates. (22. Juli 2012)
Spendet Trost vor Ort: US-Präsident Barack Obama spricht mit Auroras Polizeichef Dan Oates. (22. Juli 2012)
Keystone
Führte ein unauffälliges Leben: James Holmes auf einem von der Universität Colorado zur Verfügung gestellten Bild. (undatierte Aufnahme)
Führte ein unauffälliges Leben: James Holmes auf einem von der Universität Colorado zur Verfügung gestellten Bild. (undatierte Aufnahme)
Keystone
Trauer und Fassungslosigkeit: Zwei Frauen umarmen sich bei einer Gedenkstätte für die Opfer des Amoklaufs. (21. Juli 2012)
Trauer und Fassungslosigkeit: Zwei Frauen umarmen sich bei einer Gedenkstätte für die Opfer des Amoklaufs. (21. Juli 2012)
Reuters
Die Tat hat eine breite Diskussion zur Waffengesetzgebung ausgelöst: Einsatzkräfte entfernen Computerzubehör aus der Wohnung des mutmasslichen Todesschützen. (21. Juli 2012)
Die Tat hat eine breite Diskussion zur Waffengesetzgebung ausgelöst: Einsatzkräfte entfernen Computerzubehör aus der Wohnung des mutmasslichen Todesschützen. (21. Juli 2012)
Keystone
Gefährliche Sprengfallen: Die Polizei verschafft sich via Feuerwehrauto Zugang zur Wohnung des Schützen. (21. Juli 2012)
Gefährliche Sprengfallen: Die Polizei verschafft sich via Feuerwehrauto Zugang zur Wohnung des Schützen. (21. Juli 2012)
Reuters
Wie konnte es dazu kommen? US-Fahnen in Washington wehen auf halbmast. (21. Juli 2012)
Wie konnte es dazu kommen? US-Fahnen in Washington wehen auf halbmast. (21. Juli 2012)
Keystone
«Die Nation muss zusammenstehen»: Gebete für die Opfer. (20. Juli 2012)
«Die Nation muss zusammenstehen»: Gebete für die Opfer. (20. Juli 2012)
AFP
Eine Stadt unter Schock: Isaja, der Zeuge des Dramas wurde, wird von seiner Mutter umarmt. (20. Juli 2012)
Eine Stadt unter Schock: Isaja, der Zeuge des Dramas wurde, wird von seiner Mutter umarmt. (20. Juli 2012)
Keystone
Die USA spekulieren über die Motive der Tat: Die Polizei hat die Gasmaske, die der Täter im Kino trug, markiert. (20. Juli 2012)
Die USA spekulieren über die Motive der Tat: Die Polizei hat die Gasmaske, die der Täter im Kino trug, markiert. (20. Juli 2012)
Keystone
Haben eine Sprengfalle gefunden: Bombenexperten am Fenster der Wohnung des mutmasslichen Amokläufers von Aurora. (20. Juli 2012)
Haben eine Sprengfalle gefunden: Bombenexperten am Fenster der Wohnung des mutmasslichen Amokläufers von Aurora. (20. Juli 2012)
Keystone
Ruhe nach dem Sturm: Das Kino in Aurora mehrere Stunden nach dem Attentat. (20. Juli 2012)
Ruhe nach dem Sturm: Das Kino in Aurora mehrere Stunden nach dem Attentat. (20. Juli 2012)
AFP
Angehörige trauern und sind geschockt: Eine Frau, die zur Tatzeit im Kino sass und überlebte, umarmt ihren Schwiegersohn. (20. Juli 2012)
Angehörige trauern und sind geschockt: Eine Frau, die zur Tatzeit im Kino sass und überlebte, umarmt ihren Schwiegersohn. (20. Juli 2012)
Keystone
Haben eine lange Nacht hinter sich: Polizisten vor dem Haus des mutmasslichen Täters in Aurora. (20. Juli 2012)
Haben eine lange Nacht hinter sich: Polizisten vor dem Haus des mutmasslichen Täters in Aurora. (20. Juli 2012)
Keystone
Die Polizei hat einen Verdächtigen festgenommen: Polizeichef Dan Oates informiert die Medien. (20. Juli 2012)
Die Polizei hat einen Verdächtigen festgenommen: Polizeichef Dan Oates informiert die Medien. (20. Juli 2012)
Keystone
Hektische Szenen vor Ort: Ein Polizist spricht etwas in sein Funkgerät. (20. Juli 2012)
Hektische Szenen vor Ort: Ein Polizist spricht etwas in sein Funkgerät. (20. Juli 2012)
Keystone
Ein dreimonatiges Baby wurde bei der Schiesserei verletzt: Das Kino in Aurora. (20. Juli 2012)
Ein dreimonatiges Baby wurde bei der Schiesserei verletzt: Das Kino in Aurora. (20. Juli 2012)
Keystone
Dramatische Szenen in einem Kino in den USA: Überlebende am Tatort in Aurora. (20. Juli 2012)
Dramatische Szenen in einem Kino in den USA: Überlebende am Tatort in Aurora. (20. Juli 2012)
Keystone
Dutzende Sicherheitskräfte sind im Einsatz: Ein Polizist vor dem Kino in Aurora. (20. Juli 2012)
Dutzende Sicherheitskräfte sind im Einsatz: Ein Polizist vor dem Kino in Aurora. (20. Juli 2012)
Keystone
Sind ohne Verletzungen davongekommen: Überlebende vor dem Kino in Aurora. (20. Juli 2012)
Sind ohne Verletzungen davongekommen: Überlebende vor dem Kino in Aurora. (20. Juli 2012)
Keystone
1 / 26

Drei Jahre nach dem Amoklauf bei einer «Batman»-Filmpremiere im US-Bundesstaat Colorado ist der Todesschütze James Holmes zu einer lebenslangen Haftstrafe ohne Chance auf Bewährung verurteilt worden. Da sich die Geschworenen am Gericht von Centennial am Freitag nicht auf eine einstimmige Entscheidung einigen konnten, entgeht der 27-Jährige der Todesstrafe. Holmes war zuvor wegen zwölffachen Mordes schuldig gesprochen worden.

«Wir haben keine einstimmige Entscheidung getroffen. Wir erwarten, dass das Gericht eine lebenslange Haftstrafe ohne Möglichkeit der Strafaussetzung verhängt», erklärten die Geschworenen nach ihrer letzten Beratung. Die Jury muss nach dem in Colorado geltenden Gesetz drei Mal in Beratungen gehen, um zu entscheiden, ob ein Verurteilter die Todesstrafe erhält oder lebenslänglich in Haft muss. Für die Urteilsverkündung setzte Richter Carlos Samour weitere Gerichtstermine vom 24. bis 26. August an.

(Video: Youtube/All News)

Holmes' Mutter weinte

Eine von den Geschworenen sagte im Anschluss vor Reportern, ein einziges Jurymitglied habe sich gegen eine Exekution von Holmes ausgesprochen, zwei weitere hätten geschwankt. Eine Entscheidung für die in Colorado kaum angewandte Todesstrafe hätte einstimmig gefällt werden müssen. «Es ist eine Tragödie. Es ist ein niederschmetterndes Ergebnis, wie auch immer», erklärte die Geschworene.

Im Gerichtssaal liessen die Anwesenden ihren Emotionen freien Lauf. Als das Urteil verlesen wurde, lehnte Holmes' Mutter Arlene ihren Kopf gegen die Schulter ihres Mannes und begann zu schluchzen. Auf den Hinterbänken weinten Polizisten, die damals auf den Notruf aus dem Kino von Aurora reagiert hatten.

Der Fall hätte bereits vor zwei Jahren mit dem gleichen Urteil zu den Akten gelegt werden können. Damals bot Holmes an, sich schuldig zu bekennen, um der Todesstrafe zu entgehen. Doch die Staatsanwaltschaft lehnte dies ab. Der Prozess ging weiter – und förderte Details über die Hintergründe des Amoklaufs von Aurora zutage.

Tötungsfantasien schon als Kind

So wurde in dem Verfahren ein Tagebuch herangezogen, in dem Holmes heimlich seine Mordabsichten beschrieb. Da er auf unzurechnungsfähig plädiert hatte, musste er sich auf Anordnung des Gerichts hin von Psychiatern untersuchen lassen. Einem von ihnen sagte Holmes, dass er schon seit seinem zehnten Lebensjahr von Tötungsfantasien besessen sei.

Seine Eltern beschrieben ihn im Zeugenstand als ein einst nettes Kind, das sich mit zunehmendem Alter immer mehr abgekapselt habe. Holmes studierte später Neurowissenschaften, brach seine Ausbildung jedoch ab. Er begann Waffen zu Kaufen und Tausende Schuss Munition zu horten. Schliesslich soll er das Kino «The Century 16» in Aurora ausgespäht haben, um herauszufinden, zu welcher Vorstellung die meisten potenziellen Opfer strömen würden.

Vor seinem Amoklauf bestückte Holmes seine Wohnung mit zahlreichen Sprengfallen. Die Bomben sollten Polizei und Feuerwehr zum Zeitpunkt seiner Attacke ablenken, doch gingen sie nicht hoch.

Zwölf Menschen getötet, 70 verletzt

Holmes hatte am 20. Juli 2012 in Aurora, einem Vorort von Denver, bei der Premiere des Films «Batman – The Dark Knight Rises» wahllos ins Kinopublikum gefeuert. Zwölf Menschen wurden getötet und 70 weitere verletzt. Die Geschworenen hatten ihn Mitte Juli in jedem Punkt für schuldig befunden.

Die Anklage forderte die Todesstrafe für den Täter. Staatsanwalt George Brauchler argumentierte, Holmes habe die Tat akribisch geplant. Er habe genau den «Zeitpunkt und die Art und Weise» der Morde geplant, sagte Brauchler am Donnerstag in seinem Schlussplädoyer. Er habe es daher nicht verdient, mit einer lebenslangen Haftstrafe davonzukommen. Zudem verwies der Staatsanwalt darauf, dass unter den Opfern ein sechsjähriges Mädchen war, auf das der Täter vier Schüsse abgab.

Zwei Angriffe auf Kinos

Die Verteidigung argumentierte in dem Prozess, dass Holmes schizophren sei und nicht gewusst habe, was er tat. Auch psychiatrische Gutachter beider Seiten bestritten nicht, dass Holmes psychisch krank ist. Doch glauben die Gutachter der Anklage, dass er während der Tat zurechnungsfähig war. Dieser Einschätzung folgten auch die Geschworenen.

Wäre die Todesstrafe verhängt werden, wäre es ohnehin fraglich gewesen, ob das Urteil je vollstreckt würde. Der US-Staat Colorado richtete in den vergangenen fast 50 Jahren lediglich eine Person hin, drei weitere sitzen derzeit im Todestrakt. Der demokratische Gouverneur John Hickenlooper hatte vor zwei Jahren Zweifel an der Todesstrafe angemeldet und Hinrichtungen auf unbestimmte Zeit ausgesetzt.

In den vergangenen Wochen hatten zwei Angriffe auf Kinozuschauer in den USA Erinnerungen an den Amoklauf von Aurora geweckt. Ende Juli tötete ein Mann in einem Kino im US-Bundesstaat Louisiana zwei Menschen und erschoss sich anschliessend selbst. Am Mittwoch ging ein 29-Jähriger im Bundesstaat Tennessee mit Pfefferspray, einem Beil und einer echt wirkenden Nachbildung einer Waffe auf Besucher einer Filmvorführung los. Der Angreifer wurde erschossen, drei Kinobesucher erlitten leichte Verletzungen.

(AFP/AP)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch