Zum Hauptinhalt springen

Kindsmissbrauch auf Campingplatz: Mehr Opfer als angenommen

Drei Männer sollen in NRW mindestens 29 Kinder im Alter von vier bis 13 Jahren sexuell missbraucht haben. Ermittelt wird auch gegen die Polizei.

Der sexuelle Missbrauch auf einem Campingplatz in Lügde hat ein grösseres Ausmass als bislang angenommen.
Der sexuelle Missbrauch auf einem Campingplatz in Lügde hat ein grösseres Ausmass als bislang angenommen.
Friedmann Vogel, Keystone

Bei den Ermittlungen im Fall des mehr als tausendfachen Kindesmissbrauchs in Nordrhein-Westfalen haben die Behörden weitere Betroffene identifiziert. Die Zahl der bislang ermittelten Opfer sexueller Gewalt stieg von 23 auf 29, wie die Ermittler am Freitag in Bielefeld mitteilten.

Die Missbrauchsserie auf dem Campingplatz in Lügde war am Mittwoch bekannt geworden. Der Hauptverdächtige, ein 56-jähriger Stammgast auf dem Campingplatz, sowie zwei weitere Männer im Alter von 48 und 33 Jahren sitzen in Untersuchungshaft. Neben den Ermittlungen wegen schweren sexuellen Missbrauchs gehen Staatsanwaltschaft und Polizei in dem Fall auch dem Verdacht der Verbreitung von Kinderpornografie nach.

Angeklagter ist Pflegevater eines betroffenen Mädchens

Ausserdem prüfen die Ermittler das Verhalten der für die Jugendfürsorge zuständigen Ämter im niedersächsischen Kreis Hameln/Pyrmont und im Kreis Lippe. Hintergrund ist unter anderem, dass dem 56-Jährigen 2016 ein damals fünfjähriges Pflegekind anvertraut worden, an dem er sich ebenfalls vergangenen haben soll.

«Die im Raum stehenden Vorwürfe gegen Behörden werden im Rahmen der Ermittlungskommission, auch aus Neutralitätsgründen, gesondert bearbeitet», hiess es dazu in der Mitteilung der Ermittler. Bei den Nachforschungen dürfte es auch darum gehen, ob die Polizei Lippe angemessen auf frühere Hinweise zu sexuellen Übergriffen auf das Pflegekind reagiert hat.

Auch Polizei in der Kritik

Nach Auskunft von Oberstaatsanwalt Ralf Vetter gab es bereits 2016 Hinweise von zwei Zeugen zum möglichen sexuellen Missbrauch eines Pflegekindes durch den Hauptbeschuldigten. Die Polizei habe den Hinweis auch an das Jugendamt Lippe weitergeleitet. Polizeiliche Ermittlungen habe es aber nicht gegeben. «Wir prüfen jetzt, ob die Polizei nicht weitere Schritte hätte einleiten müssen», sagt Vetter.

Im November 2016 erfolgte eine weitere Meldung durch eine Mitarbeiterin des Jobcenters Blomberg an die Polizei und das Jugendamt Lippe. Dabei ging es laut Vetter um Äusserungen des Pflegevaters, die auf sexuellen Missbrauch des Kindes hindeuten konnten.

Auch in diesem Fall reichte die Polizei den Hinweis an das Jugendamt weiter. Weitere Ermittlungen oder ein Hinweis an die Staatsanwaltschaft erfolgten nicht. Auch dieses Verhalten will die Staatsanwaltschaft Detmold jetzt unter die Lupe nehmen.

Wechsel in der Ermittlungsleitung

Das Verfahren in dem Aufsehen erregenden Fall wird vom Polizeipräsidium Bielefeld geführt. Bislang liefen bei den Ermittlungen die Fäden bei der Polizei Lippe zusammen. Am Freitag wurde demnach die Ermittlungskommission (EK) «Eichwald» eingerichtet – sie ist nach dem Campingplatz in Lügde benannt, auf dem die Taten in den vergangenen zehn Jahren verübt worden sein sollen. Die neue Kommission besteht aus den bisherigen Mitgliedern der EK «Camping» in Lippe und Ermittlern der Kriminalpolizei Bielefeld.

Umfang und Bedeutung des Falls hätten dazu geführt, dass nunmehr die Bielefelder Polizei das Verfahren führe, berichteten die Staatsanwaltschaft Detmold sowie die Polizeibehörden Bielefeld und Lippe in einer gemeinsamen Mitteilung. Dies geschehe in enger Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft Detmold. Insbesondere die Bearbeitung der zahlreichen in dem Fall sichergestellten Dateien erfordere die Einbindung weiterer Fachleute anderer Polizeibehörden aus Nordrhein-Westfalen.

AFP/nag

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch