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Ist der angebliche Schiffbrüchige ein Lügner?

Ein Schiffbrüchiger soll über 13 Monate auf hoher See überlebt haben. Nun tauchen Zweifel an seiner Geschichte auf.

Lügendetektor-Test bestanden: José Salvador Alvarenga nach seiner Rettung mit seinen Eltern. (18. Februar 2014)
Lügendetektor-Test bestanden: José Salvador Alvarenga nach seiner Rettung mit seinen Eltern. (18. Februar 2014)
AP Photo/Salvador Melendez
Gerettet: José Salvador Alvarenga, ein mexikanischer Schiffbrüchiger, der laut seiner Aussage 13 Monate auf dem Pazifik trieb. Der Gedanke, sein Lieblingsessen Tortillas essen zu können und seine Familie wiederzusehen, hielt ihn am Leben. (3. Februar 2014)
Gerettet: José Salvador Alvarenga, ein mexikanischer Schiffbrüchiger, der laut seiner Aussage 13 Monate auf dem Pazifik trieb. Der Gedanke, sein Lieblingsessen Tortillas essen zu können und seine Familie wiederzusehen, hielt ihn am Leben. (3. Februar 2014)
Hilary Hosia, AFP
Ähnliche Story: Bis auf den Tiger gleicht die Geschichte des mexikanischen Schiffbrüchigen dem Film «Life of Pi».
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20th Century Fox, Jake Netter, Keystone
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Es ist eine unglaubliche Geschichte von Schiffbruch auf hoher See: Ein 37-jähriger Mann bricht mit einem jugendlichen Begleiter in Mexiko zum Haifischen auf. Die beiden treiben nach einem Sturm schiffbrüchig durch den Pazifischen Ozean. Sie ernähren sich von rohen Fischen, Seeschildkröten und Vögeln, deren Blut sie trinken. Der Teenager stirbt bald an den Strapazen, der 37-Jährige wird nach 13 Monaten an dem zu den Marshallinseln gehörenden Ebon-Atoll an Land gespült.

Das ist eine Strecke von 8800 Kilometern, die José Salvador Alvarenga nach eigenen Angaben seit Dezember 2012 zurücklegte. Vergangene Woche schwamm er in Ebon an Land, am Montag erzählte er dem US-Botschafter auf den Marshallinseln, Tom Armbruster, in einem halbstündigen Treffen seine Geschichte. Danach wurde er in ein Krankenhaus der Hauptstadt Majuro zur Beobachtung gebracht.

Skeptische Reaktionen

In einigen Details, auch der Skepsis der Leute, die den Schiffbrüchigen trafen, erinnert die Geschichte an den Roman und Film «Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger». Ist ein Überleben auf See, wie Alvarenga es schilderte, überhaupt möglich? Warum sieht er nicht ausgemergelt, sondern relativ fit aus? Kann man von Mexiko ohne Steuerung bis zu den Marshallinseln treiben?

«Es ist für mich schwer vorstellbar, dass jemand 13 Monate auf See überlebt», sagte Armbruster. «Aber es ist ebenso schwer vorstellbar, dass jemand aus dem Nichts in Ebon ankommt. Dieser Mann hat sicherlich eine Leidenszeit hinter sich und war einige Zeit auf See.»

Der amtierende Aussenminister der Marshallinseln, Gee Bing, äusserte Skepsis über Alvarengas Geschichte. «Es klingt wie eine wunderbare Geschichte und ich bin mir nicht sicher, ob ich sie glauben soll», sagte Bing, der ebenfalls am Montag mit Alvarenga zusammentraf. «Als wir ihn trafen, war er nicht wirklich dünn wie andere Überlebende in der Vergangenheit. Ich habe meine Zweifel. Sobald wir wissen, wo er herkommt, werden wir mehr Informationen bekommen.» Der Schiffbrüchige habe keinen Ausweis dabei gehabt und Details seiner Geschichte blieben unklar - beispielsweise, wo genau in Mexiko er gestartet sei.

Starke Strömungen

Ein Ozeanograf der Universität von Neusüdwales in Sydney, Erik van Sebille, sagte, es gebe eine gute Chance, mit einem Boot von der mexikanischen Westküste mit der Strömung bis zu den Marshallinseln getrieben zu werden. Dies würde normalerweise 18 Monate dauern, je nach Wind- und Strömungsverhältnisse seien aber auch 13 Monate möglich. «Im Pazifik gibt es etwas nördlich vom Äquator eine sehr starke Westströmung, die einen von Mexiko direkt nach Indonesien bringen würde - und dazwischen liegen die Marshallinseln», erklärte er.

Guter Gesundheitszustand

Armbruster sagte, Alvarenga klage über Gelenkschmerzen und hinke, könne aber allein gehen. Er habe langes Haar und einen langen Bart, sehe nicht ausgezehrt aus und habe Schwellungen, beispielsweise an seinen Fussgelenken. Insgesamt scheine er bei relativ guter Gesundheit zu sein.

Aussenminister Bing zufolge schien der Gesundheitszustand des Mannes bis auf einen etwas niedrigen Blutdruck gut zu sein. Nach der medizinischen Untersuchung solle er, wenn die Ärzte ihr Okay gäben, nach Mexiko oder in ein anderes Land gebracht werden, das geeignet sei.

SDA/abr

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