Zum Hauptinhalt springen

«Freispruch, aber ARD nimmt ihn nicht zurück!»

Die deutschen Medien halten sich in ihren Kommentaren nicht mit Kritik am Kachelmann-Prozess zurück. Die Justiz habe an Glaubwürdigkeit verloren. Zudem werde der Prozess den Steuerzahler noch einiges kosten.

«Am Ende eines neun Monate währenden Prozesses, dem vier ausgesprochen umstrittene Monate Untersuchungshaft von Kachelmann vorausgingen, stehen die Mannheimer Richter und die Staatsanwaltschaft nun vor den Scherben ihres Ehrgeizes», schreibt die «Welt» in ihrer Online-Ausgabe.

Die Staatsanwaltschaft wird im Kommentar scharf kritisiert. «Die Wirkung ihres Tuns war so ganz anders, als sie sich das erhofft hatte: mal übereifrig bis töricht, mal rein rechthaberisch oder von karrieristischem Jagdeifer getrieben», schreibt die «Welt».

Der Öffentlichkeit sei zwar über 14 Monate eine Show geliefert worden, die ohne weiteres als Seifenoper hätte verfilmt werden können. «Dem Vertrauen in Justiz und Gerechtigkeit hat das schwer geschadet. Dabei war genau das Gegenteil beabsichtigt», kommentiert die «Welt».

«Die Causa Kachelmann ist noch nicht ausgestanden»

Auch der «Focus» braucht deutliche Worte und denkt bei den horrenden Prozess- und Gerichtskosten vor allem an den Steuerzahler: «Es ist vollbracht. Nach 438 Tagen am Pranger, 132 Tagen im Gefängnis und 44 Verhandlungstagen, in deren Verlauf mehr als 30 Zeugen befragt und 11 Bände Akten beackert werden mussten, hat das Landgericht Mannheim Kachelmann freigesprochen.»

Juristisch ist die Causa Kachelmann laut «Focus» nach dem heutigen Richterspruch noch nicht ausgestanden. «Im Gegenteil. Die Entscheidung könnte der Startschuss für eine ganze Reihe anderer Verfahren sein, die den Steuerzahler über den heutigen Tag hinaus belasten werden.»

Trauriger Kachelmann

Die «Bild»-Zeitung, mit einem Grossaufgebot an Reportern vor Ort und einziges Medium, das live aus dem Gerichtsgebäude getickert hat, will einen traurigen Kachelmann erlebt haben – trotz Freispruchs.

Die «Bunte» denkt auf ihrer Homepage vor allem an die berufliche Zukunft des ehemaligen Wettermoderators. «Freispruch, aber ARD nimmt ihn nicht zurück!», titelt das Boulevardmedium in grossen Lettern.

Das Ende eines der spektakulärsten Prozesse

Die renommierte «Süddeutsche Zeitung» konzentriert sich unter dem Titel «Jubel, Sekt und harsche Kritik» in ihrer Berichterstattung vor allem auf das grosse mediale Interesse und den deftigen Auftritt von Kachelmanns Verteidiger Schwenn. Und schliesst mit einem Satz, der so oder ähnlich in allen deutschen Medien zu finden ist: «Einer der spektakulärsten Prozesse in der Geschichte der Bundesrepublik geht damit nach neun Monaten zu Ende.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch