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Es geht nicht nur um die Wurst

Immer wieder werden Lebensmittelhersteller überführt, die nicht korrekt deklariert haben, was in ihrem Produkt steckt. Skandal oder Lappalie?

In der Kalbsbratwurst ist nicht zwingend nur Kalbfleisch drin. Das bewies ein Test mehrerer Kantonallabors, bei 51 Proben stellte man 19 Verstösse fest. Ausser Kalbfleisch fanden sich Anteile von Kaninchenfleisch, Schaffleisch und Poulet – dies alles wurde auf dem Etikett nicht ausreichend ausgewiesen. Können wir unseren Metzgern und Grossverteilern nicht mehr trauen?

«Elaborierte Verfahren»

«Es ist sehr häufig der Fall, dass man nicht genau weiss, was in einem Produkt drin ist», sagt Martin Loessner, Professor am Institut für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaft an der ETH Zürich. So muss etwa Schafmilchkäse nicht zwingend nur aus Schafmilch hergestellt sein – ausser es ist ausdrücklich so deklariert. Gemäss Loessner gibt es denn auch «elaborierte Verfahren», um die vorgeschriebenen Werte gekonnt zu umgehen. Mehr noch: «Die Hersteller reizen ihren Spielraum aus – vor allem aus ökonomischen Gründen.» Denn die Herstellung von Lebensmitteln wirft nur bei einer sehr günstigen Produktion Gewinn ab. Und durch die Streckung mit anderem Fleisch sparen die Produzenten Kosten ein.

In der Regel ergeben sich dadurch aber keine Gesundheitsrisiken für den Konsumenten. Sofern die Qualität nicht darunter leide und alles klar deklariert sei, ist es für Loessner kein Problem. «Wenn nur 45 statt wie angegeben 50 Prozent Kalbfleisch besteht, ist mir das wurst. Ein Missstand ist jedoch vorhanden, wenn aus ökonomischen Gründen minderwertige Ware verarbeitet und damit der Konsument getäuscht wird.»

Ein klarer Verstoss

Und das kommt gemäss Josianne Walpen vom Schweizer Konsumentenschutz immer wieder vor. «Wir stellen fest, dass sich das seit Jahren nicht bessert», so Walpen, «das ist nicht tolerierbar. Hier müssen endlich Sanktionen ergriffen werden.» Es dürfe nicht sein, dass Hersteller aus der Täuschung des Konsumenten ein Geschäft machen. «Das ist nicht bloss ein Ausreizen des Spielraums, sondern ein klarer Verstoss gegen das Lebensmittelgesetz.»

Albert Eugster vom Aargauischen Amt für Verbraucherschutz, das in der Kalbsbratwurst-Kontrolle federführend war, relativiert: «Es handelt sich hierbei um einen schwereren Fall – bei einer Beanstandungsquote von über 30 Prozent.» Meist stelle man aber bei Nachkontrollen fest, dass der Mangel entweder behoben oder das Produkt bereits nicht mehr im Angebot ist. Ausserdem trage der betroffene Betrieb die Untersuchungskosten. Eugster: «Einem kleinen Metzger tut das schon weh.»

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