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«Er fand es normal, seine Ex-Freundin getötet zu haben»

Der Entführer von Payerne befand sich trotz Bedenken der Bewährungshilfe im Hausarrest. Auch ein ehemaliger Zellennachbar wundert sich, dass der Schwerverbrecher entlassen wurde.

Der Mörder kommt beim Waadtländer Kantonsgericht an. (27. September 2018)
Der Mörder kommt beim Waadtländer Kantonsgericht an. (27. September 2018)
Laurent Gilliéron, Keystone
Bleibt lebenslang hinter Gittern: Der Angeklagte im Fall Marie, Claude D., neben Verteidigerin Yael Hayat. (7. März 2016)
Bleibt lebenslang hinter Gittern: Der Angeklagte im Fall Marie, Claude D., neben Verteidigerin Yael Hayat. (7. März 2016)
Frederic Bott, Keystone
Ist nicht mehr am Leben: Die entführte 19-jährige Marie.
Ist nicht mehr am Leben: Die entführte 19-jährige Marie.
Polizei VD
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Nur mit mehreren Schüssen konnte die Polizei gestern den 36-Jährigen Claude D. stoppen, der am Montag in Payerne seine 19-jährige Freundin entführt hatte. Die Frau befand sich nicht im Auto des Entführers.

Dutzende Waadtländer und Freiburger Polizisten suchen immer noch nach der 19-jährigen Frau. Wie der Vater der Frau gegenüber «24 Heures» angab, wussten die Eltern über die Beziehung ihrer Tochter nicht Bescheid. «Sie hat diesen Kontakt wahrscheinlich erst vor kurzem geknüpft», sagte der Vater.

Ex-Freundin erschossen

Beim Entführer handelt es sich um einen verurteilten Mörder, der sich noch im Strafvollzug befand. Der Mann hatte im Jahr 1998 seine damalige Ex-Freundin umgebracht. Die Frau hatte im Herbst 1997 die Beziehung beendet, worauf der damals 22-Jährige sie bedrohte.

Im Januar 1998 wartete er vor dem Wohnblock der Ex-Freundin und bedrohte sie mit einer Waffe. Danach brachte er sie in ein Chalet in La Lécherette VD. Die Frau wehrte sich mit einem Pfefferspray, worauf der Mann fünf Schüsse auf sie abgab.

Das Kriminalgericht des Waadtländer Oberlands verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von 20 Jahren. Die Richter bezeichneten Claude D. als «bösartig und versessen». Der lebenslänglichen Freiheitsstrafe entging er nur wegen seines jungen Alters.

Hausarrest seit August 2012

Am 15. Mai 2011 hatte der Mann zwei Drittel seiner Strafe abgesessen. Im Fall einer günstigen Beurteilung hätte er bedingt entlassen werden können. Am 3. Juli 2012 lehnte jedoch das für den Strafvollzug zuständige Richtergremium eine bedingte Entlassung ab, wie der Sekretär der Waadtländer Justizbehörden gegenüber der Nachrichtenagentur sda sagte.

Am 16. August 2012 entschied die Strafvollzugsbehörde, dass der Mann den Rest der Strafe im Hausarrest absitzen kann. Der Strafvollzug kann zum Ende hin gelockert werden, falls der Häftling einige Bedingungen erfüllt.

Die Bewährungshilfe des Kantons Waadt beantragte, den Hausarrest abzubrechen. Der Betroffene legte dagegen im Dezember Rekurs ein und erhielt aufschiebende Wirkung. Die Entscheidung in der Sache steht bis heute aus.

Ehemaliger Zellengenosse befragt

Die Westschweizer Tageszeitung «Le Matin» hat mit einem ehemaligen Zellennachbarn des heute 36-Jährigen gesprochen. Gut acht Jahre soll die beiden nebeneinander in der Waadtländer Strafanstalt Bochuz eingesessen haben. Er habe sich im Gefängnis nie integriert und die Anweisungen nicht eingehalten, erzählt der Zellennachbar: «Er benahm sich wie ein verwöhntes Kind.»

Der Zellennachbar gibt an, er wundere sich, dass der verurteilte Mörder das Gefängnis verlassen durfte. Er habe keinerlei Reue gezeigt. «Er fand es normal, seine Ex-Freundin getötet zu haben. Er ertrug es nicht, verlassen zu werden.» Eine Therapie habe der Mann abgelehnt.

Der heute 36-Jährige sei zudem vom Gedanken besessen gewesen, eine neue Frau zu finden – auch aus dem Gefängnis heraus. Im Jahr 2003 soll er sogar geheiratet haben.

SDA/mw

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