Zum Hauptinhalt springen

«Eine Katastrophe biblischen Ausmasses»

Eine Explosionsserie auf einer zyprischen Marinebasis riss mindestens zwölf Menschen in den Tod, über 60 wurden verletzt. Unter den Opfern befindet sich auch der Chef der Marine.

Die Explosion soll durch ein Buschfeuer ausgelöst werden sein: Beschädigter Marine-Stützpunkt.
Die Explosion soll durch ein Buschfeuer ausgelöst werden sein: Beschädigter Marine-Stützpunkt.
Keystone
Unter den Toten soll sich auch der Chef der zyprischen Marine befinden.
Unter den Toten soll sich auch der Chef der zyprischen Marine befinden.
Keystone
Viele Menschen wurden verletzt: Das Staatsfernsehen berichtet von der Unfallstelle im Süden Zyperns.
Viele Menschen wurden verletzt: Das Staatsfernsehen berichtet von der Unfallstelle im Süden Zyperns.
Reuters
1 / 7

Eine gewaltige Explosion auf einem zyprischen Marine-Stützpunkt hat mindestens zwölf Menschen getötet und 62 weitere verletzt. Unglücksursache war offenbar ein Buschfeuer, das mehrere Container mit beschlagnahmter Munition in Brand setzte.

Unter den Toten sind nach Angaben der Polizei auch der Chef der zyprischen Marine und der Kommandant des Stützpunktes «Evangelos Florakis». Die Detonation ereignete sich am frühen Montagmorgen. Die Flammen eines Buschfeuers hätten sich immer näher an die Basis im Süden der Insel herangefressen, hiess es aus Militärkreisen. Schliesslich seien alle dort gelagerten 98 Container mit etwa 2000 Tonnen Schiesspulver explodiert.

Nach Angaben der Nationalgarde stammte die Munition vom russischen Frachter «Monchegorsk», den Zypern auf Druck der USA 2009 auf dem Weg vom Iran nach Syrien gestoppt hatte. Noch Stunden nach der Detonation stieg weisser Rauch von der Unglücksstelle auf. Dutzende Rettungskräfte, Polizisten, Feuerwehrleute und die Nationalgarde waren im Einsatz.

«Katastrophe biblischen Ausmasses»

Staatspräsident Dimitris Christofias, der an den Unglücksort eilte, sprach von «einer Katastrophe biblischen Ausmasses». Die Regierung ging von einem Unfall aus, einen Sabotageakt schloss sie aus.

Der zyprische Verteidigungsminister Kostas Papakostas und der Armeechef traten kurz nach dem Unglück zurück. Medien kritisierten, die Munition sei nicht korrekt gelagert worden.

Die Detonation war noch kilometerweit in den kleinen Dörfern und Olivenhainen um den Marine-Stützpunkt zu spüren. Augenzeugen berichteten von Metallteilen, die auf eine nahe gelegene Autobahn regneten.

Ein Augenzeuge, der zum Zeitpunkt der Explosion mit seinem Auto an dem Stützpunkt vorbeifuhr, sagte zum staatlichen Fernsehsender CyBC, es habe sich angefühlt, als sei eine Bombe auf das Auto abgeworfen worden.

Benachbartes Dorf zerstört

«Es war gewaltig. Ich bin aus dem Bett gefallen und dann losgerannt, um nach den Kindern zu sehen», sagte Eleni Toubi, die in Mari wohnt. Das Dorf ist nur durch einen Hügel von dem Marine- Stützpunkt getrennt.

Die Wucht der Detonation sprengte Fenster und Türen in ihrem kleinen Haus aus den Rahmen, auch das Dach wurde beschädigt. «Wo soll ich jetzt hingehen? Ich habe keine andere Unterkunft», sagte Toubi.

Der Bauer Nicos Aspros pflügte zur Zeit der Explosion seinen Acker. «Mein Traktor sprang ungefähr einen halben Meter in die Höhe», sagte er. «Kein einziges Haus im Ort hat die Detonation unbeschadet überstanden».

Stromversorgung zusammengebrochen

In der Hauptstadt Nikosia, 65 Kilometer von «Evangelos Florakis» entfernt, fiel der Strom aus. Auch das Mobilfunknetz auf der Ferieninsel brach immer wieder zusammen.

Das Elektrizitätswerk Vassilikos, das neueste der drei Kraftwerke auf der Insel, wurde schwer beschädigt. Fotos zeigten zwei grosse, mehrstöckige Gebäude, deren Aussenwände durch die Wucht der Explosion regelrecht zerfleddert wurden.

In weiten Teilen der Insel fiel nach den Explosionen der Strom aus. Auch der Betrieb auf den Flughäfen von Larnaka und Paphos wurde behindert. Probleme gab es auch bei der Wasserversorgung, da zahlreiche Entsalzungsanlagen ausfielen.

Das Wasser wurde in Nikosia und der Hafenstadt Larnaka rationiert. Dort soll es ab sofort nur noch jeden zweiten Tag Wasser geben - für jeweils 12 Stunden, teilten die Behörden mit. Grossbritannien versetzte seine Soldaten auf der Insel in erhöhte Alarmbereitschaft, um den Behörden vor Ort zu helfen.

sda/dapd/wid/bru/mrs

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch