Diese Kamera erkennt, ob Sie am Steuer telefonieren

Ablenkung ist die häufigste Ursache für schwere Unfälle. Dank einer neuen Technologie geht es Verkehrssündern jetzt an den Kragen.

Warnung an alle Verkehrssünder: Wer beim Fahren mit dem Handy erwischt wird, zahlt eine hohe Busse. Video: Tamedia/Transport for NSW
Yannick Wiget@yannickw3

Seit diesem Sonntag gehen Autofahrer im australischen Bundesstaat New South Wales ein zusätzliches Risiko ein, wenn sie am Steuer ihr Handy zücken. Neue Kameras können erkennen, ob jemand während des Fahrens telefoniert oder Nachrichten schreibt. Laut der zuständigen Behörde Transport for NSW handelt es sich um die weltweit erste solche Technologie.

Die Kameras mit Infrarotblitz arbeiten demnach Tag und Nacht und bei jedem Wetter. Sie sind zum Teil fix installiert, kommen aber auch mobil auf Autoanhängern zum Einsatz. Ausgewertet werden die hochauflösenden Bilder mithilfe von künstlicher Intelligenz. Wenn das System einen möglichen Verstoss gegen die Regeln feststellt, werden die Bilder noch von Menschen überprüft.

Mit dem Handy am Steuer ertappt: Aufnahme einer neuen Kamera in New South Wales. Foto: Transport for NSW

Weiterhin erlaubt ist es, Telefonate per Freisprechanlage zu tätigen, wo die Hände frei bleiben. Illegal sind Videoanrufe, die Nutzung von Social Media und das Fotografieren. In den ersten drei Monaten erhalten Autofahrer, die erwischt werden, noch eine schriftliche Mahnung. Danach gibt es Bussen von umgerechnet bis zu 310 Franken sowie Strafpunkte, die ab einer bestimmten Anzahl zum Ausweisentzug führen.

Die Behörden wollen die Zahl der Todesopfer auf den Strassen dank der neuen Technologie innert zwei Jahren um ein Drittel senken. Paul Toole, Verkehrsminister für News South Wales, erwartet, dass damit bis 2023 rund 135 Millionen Fahrzeuge pro Jahr kontrolliert werden können. Während des Pilotprojekts von Januar bis April wurden 100'000 Autofahrer mit dem Handy am Steuer erwischt.

Bedenken wegen des Datenschutzes wischen die Behörden beiseite. «Wie bei anderen Programmen für Verkehrsüberwachungskameras gibt es strenge Kontrollen, um sicherzustellen, dass die vom System erfassten Bilder sicher gespeichert und verwaltet werden», schreibt Transport for NSW.

Ablenkung und Unaufmerksamkeit sind die zweithäufigste Ursache für Verkehrsunfälle in der Schweiz, bei schweren Unfällen sogar die häufigste. Kollisionen mit jährlich rund 1030 Schwerverletzten und 60 Getöteten sind darauf zurückzuführen. Eine Umfrage, welche die Allianz-Versicherung durchführte, zeigt, dass fast die Hälfte der Lenkerinnen und Lenker auf Schweizer Strassen das Handy am Steuer braucht.

Gemäss dem TCS nimmt die Reaktionszeit beim Telefonieren oder beim Schreiben eines SMS um 30 bis 50 Prozent zu. Und die Beratungsstelle für Unfallverhütung warnt, dass die Handynutzung das Unfallrisiko um den Faktor 3,6 erhöht. Noch grösser ist die Gefahr nur, wenn der Autofahrer nach Gegenständen greift.

Auch in der Schweiz ist die Nutzung des Handys am Steuer strafbar: Wer während der Fahrt ohne Freisprecheinrichtung telefoniert, wird mit einer Busse von 100 Franken gebüsst. Je nach Fall kann das Telefonieren oder das Bedienen von elektronischen Geräten wie dem Navi sogar zum Entzug des Führerausweises oder einer Freiheitsstrafe führen.

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