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Die DNA ist bekannt, doch der Täter ist frei

Die Familie des Emmener Vergewaltigungsopfers hat sich erstmals in der Öffentlichkeit geäussert und fordert eine vertiefte Auswertung der Täter-DNA.

Grosses Leid: Die Mutter und die Schwester des 26-jährigen Vergewaltigungsopfers äussern sich in der «Rundschau» erstmals zur Tat in Emmen. (25. Mai 2016)
Grosses Leid: Die Mutter und die Schwester des 26-jährigen Vergewaltigungsopfers äussern sich in der «Rundschau» erstmals zur Tat in Emmen. (25. Mai 2016)
SRF, «Rundschau»
Die Schwester wacht tagelang am Bett des Opfers.
Die Schwester wacht tagelang am Bett des Opfers.
SRF, «Rundschau»
Polizeiaufruf: Die Behörden suchen fieberhaft nach dem Täter – bisher noch ohne Erfolg. (4. August 2015)
Polizeiaufruf: Die Behörden suchen fieberhaft nach dem Täter – bisher noch ohne Erfolg. (4. August 2015)
Alexandra Wey, Keystone
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«Nicht im schlimmsten Traum kann man sich so etwas ausmalen». Worte der Mutter des Vergewaltigungs-Opfers vom Emmen. Heute sprach die Familie der 26-jährigen S. gegenüber der SRF-Sendung «Rundschau» zum ersten Mal in der Öffentlichkeit über die Tat im vergangenen Juli.

Mit einem Schlag ändert sich damals das Leben der ganzen Familie. Infolge der brutalen Tat bleibt S. vom fünften Halswirbel abwärts gelähmt – und das sind nur die äusserlichen Spuren, die das Verbrechen hinterlassen hat. Tagelang harrt die Schwester am Bett der schwer verletzten jungen Frau aus.

Der Täter ist trotz intensiver Ermittlungen bisher unbekannt. Doch die Polizei konnte am Tatort seine DNA sichern. Eine Spur, die Rückschlüsse geben könnte auf äusserliche Merkmale wie Haar- oder Augenfarbe des Peinigers oder die geographische Herkunft. Doch ihre Auswertung verbietet in der Schweiz ein Gesetz.

In der SRF-Sendung hat die Familie des Opfers jetzt eine Änderung des entsprechenden Paragraphen gefordert. «Es löst grosses Unverständnis aus, wenn man als Betroffene weiss, dass man die DNA des Täters hat, diese aber nicht verwenden darf, um den Täter zu finden», sagte die Mutter des Opfers gegenüber dem TV-Magazin. «Wenn man nicht betroffen ist, denkt man vielleicht zu wenig daran», so die Mutter weiter. Doch aus der Perspektive Betroffener sei die Nicht-Auswertung vorhandener Spuren schwer zu ertragen. Man müsse dabei auch immer auch an den Schutz potenzieller weiterer Opfer denken.

Prominente Fürstreiter

Auch Nationalrat Albert Vitali und der Zürcher Strafrechtsprofessor und Ständerat Daniel Jositsch unterstützen die Forderung der Familie. «Die Gesellschaft erwartet, dass wenn solche Taten gemacht werden, dass diese möglichst schnell und effizient aufgeklärt werden können», sagte Nationalrat Albert Vitali dem SRF.

Die Strafverfolgungsbehörden sollten «alle technischen Möglichkeiten zur Verfügung haben, die denkbar sind», verlangt der Strafrechtsprofessor Jositsch in der Sendung. Früher habe es einen Steckbrief gegeben, heute entsprächen dem eben modernere Methoden. Eine davon sei auch die erweiterte DNA-Auswertung, die einen sinnvollen Beitrag zur Aufklärung von Verbrechen leisten könne.

Pro und Contra Datenschutz

Nationalrat Balthasar Glättli hält das für «falsche Illusionen» – zumindest noch. Mithilfe der erweiterten DNA-Auswertung erhalte man bisher nur Informationen über relativ allgemeine Täter-Merkmale. Diese reichten meist nicht aus, einen Täter zu ermitteln. Er habe höchstes Verständnis für die Situation der Betroffenen, insgesamt ginge es aber darum, eine unbegründete Hetze gegen mögliche Verdächtige zu verhindern.

Datenschützer sehen Forderungen wie die der Opfer-Familie kritisch; sie befürchten, dass mit Hilfe von DNA-Analysen ganze Gen-Datenbanken angelegt werden könnten und plädieren für eine klare Definition der staatlichen Befugnisse.

S. wird nie wieder gesund werden

«Wir reden hier nicht von Ladendiebstahl», gibt die Schwester des Opfers zu bedenken. Die erweiterte DNA-Analyse könne helfen, schwere Gewaltverbrechen aufzuklären und deshalb müsse es im Hinblick auf das Gesetz «ein Umdenken geben, in der Bevölkerung und in der Politik».

Ihre Tochter sei allein schon körperlich für ihr ganzes Leben von den Folgen des Verbrechens gezeichnet, sagt die Mutter, sie könne «nie wieder geheilt werden», da die betroffenen Nervenbahnen für immer geschädigt seien.

Der Fall legt ein viel diskutiertes Dilemma in der Schweizer Gesetzgebung offen: Während Massen-DNA-Untersuchungen zur Aufklärung eines Verbrechens zulässig sind, ist die vertiefte Analyse sichergestellter DNA gesetzlich verboten.

Die ganze Sendung können Sie hier nachschauen.

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