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Der entführte «Bunga-Bunga-Buchhalter» und die 35 Millionen Euro

Eine Erpresserbande hat Giuseppe Spinelli, einen Vertrauensmann von Silvio Berlusconi, festgehalten. Sie bot dem Ex-Premier angeblich brisante Dokumente zu einem Prozess an – gegen sehr viel Geld.

Im Visier von Delinquenten: Silvio Berlusconi, hier bei einem Heimspiel seiner AC Milan im San Siro.
Im Visier von Delinquenten: Silvio Berlusconi, hier bei einem Heimspiel seiner AC Milan im San Siro.
Keystone

Der mysteriöse Überfall passierte am Abend des 15. Oktober 2012 in einem Wohnblock in Bresso bei Mailand. Als Giuseppe Spinelli aus dem Lift trat und zu seiner Wohnung gehen wollte, warteten zwei maskierte und bewaffnete Männer – und packten ihn. Der 71-jährige Buchhalter von Silvio Berlusconi und seine Frau sollen bis am nächsten Morgen in ihrer Wohnung festgehalten worden sein. Nach etwa zwölf Stunden war der Albtraum vorbei. «Ich dachte, dass sie uns umbringen werden», erzählte die Frau des Buchhalters am Tag danach der Polizei.

Die Entführung von Berlusconis Buchhalter, die heute Morgen von «Repubblica online» publik gemacht worden ist, wirft viele Fragen auf. Gemäss ersten Informationen wollte die Bande einen Deal mit dem früheren Ministerpräsidenten Italiens machen. Inzwischen hat die italienische Polizei sechs Verdächtige festgenommen, drei Italiener und drei Albaner.

Dokumente zum Bestechungsfall um Mondadori

Angeblich besitzt die Bande brisante Dokumente, die ein Gerichtsverfahren gegen die Familienholding von Berlusconi betreffen. Im Juli 2011 war die Holding Fininvest zur Zahlung einer halben Milliarde Euro Schadenersatz verurteilt worden. Fininvest soll einen Richter bestochen und sich widerrechtlich den Mondadori-Verlag einverleibt haben. Gemäss den Erpressern belasten die Dokumente die Staatsanwaltschaft in diesem Verfahren, was zu einer Umkehrung des Urteils führen müsste.

Für die Informationen, die angeblich auf einem USB-Stick waren, soll die Bande 35 Millionen Euro von Berlusconi verlangt haben. Wie italienische Medien berichten, führte Buchhalter Spinelli in der Nacht der Entführung ein Telefongespräch mit Berlusconi. Was sie besprochen haben, ist bisher nicht publik geworden. Wenige Stunden nach dem Telefonat verschwanden die Erpresser. Ob es in der Zwischenzeit zu einer Übergabe von Geld gekommen ist, ist nicht bekannt. Nach dem Vorfall wurden der Buchhalter und seine Frau an einem unbekannten Ort unter Polizeischutz gestellt.

Buchhalter Spinelli – ein mächtiger Vertrauter von Berlusconi

Die Polizei kam den Erpressern auf die Spur, weil einer von ihnen rote Turnschuhe trug. Nach der Entführung erzählte Spinelli der Polizei, dass er in den Tagen zuvor vor dem Wohnhaus verdächtige Männer beobachtet hatte – und einer dieser Männer soll rote Turnschuhe getragen haben. Die Auswertung der Videoaufnahmen der Sicherheitskameras lieferte wichtige Hinweise für die Ergreifung der Männer. Medienberichten zufolge ist der Chef der Erpresserbande ein wegen schwerer Delikte vorbestrafter Mann, der der apulischen Mafiafamilie Parisi nahestehen soll.

Buchhalter Spinelli gilt als mächtiger und enger Vertrauensmann von Berlusconi, nicht zuletzt ist er als Kassier des Cavaliere tätig. Zudem hatte er sich längere Zeit um die Finanzen der langjährigen Berlusconi-Ehefrau Veronica Lario gekümmert. Medien gaben Spinelli den Übernamen «Bunga-Bunga-Buchhalter». Denn es war Spinelli, der den jungen Frauen, die an Berlusconi-Partys teilnahmen, Geld überwies. Im Gerichtsverfahren zum Fall Ruby musste Spinelli als Zeuge erscheinen.

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