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«Das Fleisch war sehr zart»

Ein österreichischer Verlag veröffentlichte ein Sachbuch über Serienmord und Kannibalismus. Brisant: Das Buch enthält Texte von Armin Meiwes, dem Kannibalen von Rotenburg.

Lernte sein Opfer im Internet kennen: Armin Meiwes wartet im Landgericht Frankfurt am Main auf die Urteilsverkündung. (9. Mai 2006)
Lernte sein Opfer im Internet kennen: Armin Meiwes wartet im Landgericht Frankfurt am Main auf die Urteilsverkündung. (9. Mai 2006)
Keystone

Vor rund zehn Jahren ging Armin Meiwes als Kannibale von Rotenburg in die Geschichte ein. Der Fall des Deutschen schockierte die Öffentlichkeit: Meiwes hatte einen Mann getötet, entmannt und teilweise gegessen.

Wie «Bild online» berichtet, erschienen nun gleich mehrere, von Armin Meiwes verfasste Beiträge, in einem Sachbuch über Serienmord und Kannibalismus.

Emotionen des kannibalischen Akts

Der österreichische Leopold Stocker Verlag, welcher das Buch «Serienmord und Kannibalismus in Deutschland» herausgibt, bezeichnet die Texte des heute 49-Jährigen als «sensationell». Sie würden deutlich machen, «welche Emotionen kannibalische Akte bei ihm auslösten».

Im Buchbeschrieb betont der Verlag, der Herausgeberin Petra Klages und ihren Autoren gehe es nicht um blutrünstige Fantasien. Doch besonders Meiwes Beitrag «Die Erfindung», eine Endzeit-Geschichte, wirkt eher anstossend und effekthaschend als «sensationell», wie «Bild online» hervorhebt.

Kopien von Menschen

Das Szenario von Meiwes Geschichte dreht sich demnach um eine Gesellschaft, welche aus Nahrungsmangel Kopien von Menschen herstellt, um diese anschliessend zu verspeisen.

Die bei «Bild» publizierten Ausschnitte muten dann auch eher bizarr als wissenschaftlich wertvoll an. So heisst es beispielsweise an einer Stelle:

«Ein selten gewordener, aber angenehmer Duft breitete sich in der Küche aus. Ein Duft von gebratenem Fleisch. An einem festlich gedeckten Tisch wurde das Essen serviert. Alle nahmen sich an den Händen und gedachten der beiden, die ihre Körper zur Verfügung gestellt hatten. Das Fleisch war sehr zart und kräftig im Geschmack.»

Dominante Fantasieinhalte

Die Fiktion des Kannibalen von Rotenburg erinnert dabei stark an Schilderungen, in welchen Meiwes vor einigen Jahren bei Interviews seine Tat beschrieb. Wie «20Minuten online» damals berichtete, erzählte der Mann im deutschen Fernsehen detailliert, wie er das Steak seines Opfers zubereitete und anrichtete.

Immerhin lässt Herausgeberin Klages – eine Diplom-Pädagogin und Kriminologin – die Fantasien von Meiwes nicht unkommentiert. Laut «Bild online» bezeichnet sie den Text in einer erklärenden Anmerkung als Auszug «dominanter Fantasieinhalte von Armin Meiwes». Er be- und umschreibe mit dieser Geschichte auch seine abscheuliche Tat.

Im Internet kennengelernt

Meiwes hatte im Frühjahr 2001 in seinem Haus im hessischen Rotenburg den 42-jährigen Bernd Brandes aus Berlin mit dessen Einwilligung entmannt und getötet. Täter und Opfer hatten sich in einem Internet-Forum über Kannibalismus kennengelernt.

Meiwes zerlegte die Leiche von Brandes und verspeiste später Teile davon. Er wurde wegen Mord und Störung der Totenruhe zu einer lebenslangen Haft verurteilt. Seither sitzt er im Hochsicherheitsgefängnis Kassel.

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