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Bedingte Strafe im Bügeleisen-Prozess gefordert

Eine 43-jährige Frau tötete ihren Ehemann mit dem Bügeleisen. Die Staatsanwaltschaft beantragt für Totschlag 22 Monate bedingt.

Über sieben Jahre ist es her, dass eine Italienerin in Schönenwerd SO ihren Ehemann mit dem Bügeleisen erschlug. Seit Dienstag steht die 43-jährige wegen Totschlags vor dem Amtsgericht Olten-Gösgen. Gemäss Anlageschrift schlug sie den 38-jährigen Schweizer mindestens zehnmal mit dem Bügeleisen und anschliessend mit dem Steppgerät auf den Kopf.

An die Details des tödlichen Dramas in der Nacht auf den 23. März 2003 konnte sich die Angeklagte nicht mehr so genau erinnern. Als sie zuschlug, hatte sie Todesangst und war ausser sich, sagte sie vor Gericht. «Er hat mir Angst gemacht. Er war so wütend auf mich, weil ich nicht wollte, was er wollte. Ich wusste, er will mich umbringen, jetzt meint er es ernst», erzählte sie laut «Aargauer Zeitung».

Sie habe sich sonst immer gefügt, aus Angst um die vier gemeinsamen Kinder. «Er sagte: ‹Solange du tust was ich will, passiert dir und den Kindern nichts›». Als sie den Sexualakt erneut verweigerte, habe er zuerst auf sie eingeschlagen. Dann habe er mit der Pistole auf sie gezielt. Diese habe sie zuvor «unbrauchbar» machen lassen. Da habe ihr Mann zum Bügeleisen gegriffen und ihr einen Schneidezahn ausgeschlagen.

Freund der Schwester hielt Mann fest

Die im gleichen Haus wohnende Schwester war auf den lauten Streit aufmerksam geworden. Sie schickte ihren Freund, um nach zu schauen. Im Schlafzimmer stiess dieser auf das Ehepaar: Die Frau kniete mit blutigem Gesicht auf dem Bett und ihr Mann stand davor. «Es war für mich klar, er greift sie an», erzählte der 39-jährige Schweizer vor Gericht: «Ich packte ihn von hinten und versuchte ihn weg zu reissen. Er wehrte sich massiv. Ich hatte Todesangst.»

Er sei plötzlich von der Helfer- in die Opferrolle gefallen, sagte er vor Gericht. «Ich hatte plötzlich selber Todesangst und konzentrierte mich nur auf ihn und mich.» Dass die 43-jährige in dieser Zeit das Bügeleisen gegriffen und auf ihren Mann eingeschlagen hatte, habe er erst später realisiert. «Plötzlich wehrte er sich nicht mehr. Erst dachte ich, er sei bewusstlos. Da begann sie zu weinen und schreien und fragte, was sie getan habe».

Notwehr und Affekt

Die Staatsanwaltschaft schenkte der Schilderung der Frau und des Partners ihrer Schwester offenbar Glauben. Sie forderte für die Frau 22 Monate bedingt wegen Totschlags. Die Angeklagte habe in Notwehr und Affekt gehandelt und habe sehr viel Reue gezeigt. Für den Mann, der sich wegen Gehilfeschaft zu vorsätzlicher Tötung verantworten musste, fordert die Staatsanwältin einen Freispruch.

22 Monate bedingt für Totschlag, die beantragte Strafe scheint auf den ersten Blick sehr milde. Bei einem Totschlag ist der Strafrahmen zwischen 1 bis 10 Jahren Freiheitsstrafe, sagt Christian Schwarzenegger, Strafrechtsprofessor an der Universität Zürich. «Kommen noch strafmildernde Aspekte hinzu, ist die beantragte Strafe durchaus in einem verständlichen Rahmen. Um mehr sagen zu können, müsste man die Akten kennen.»

Bestürzt über den Antrag der Staatsanwältin zeigte sich die Schwester des getöteten Mannes. «Mein Bruder war nicht so!» sagt sie zum «Blick» und lässt dem Blatt durch ihren Anwalt die Polizeifotos der blutverschmierten Frau in der Tatnacht zukommen. Am Urteil dürfte dies nichts ändern. Das Urteil wird für morgen Freitag erwartet.

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