Zum Hauptinhalt springen

Aus Fritz wird kein Knut

Das Berliner Eisbärbaby Fritz ist nach vier Monaten bereits wieder tot. Die Tierärzte konnten ihm nicht über seinen schweren Leberschaden hinweghelfen.

Das erst gut vier Monate alte Eisbärenbaby Fritz im Berliner Tierpark ist gestorben.
Das erst gut vier Monate alte Eisbärenbaby Fritz im Berliner Tierpark ist gestorben.
Keystone
Das Junge von Eisbärenmutter Tonja litt an einem schweren Leberschaden.
Das Junge von Eisbärenmutter Tonja litt an einem schweren Leberschaden.
Keystone
Am 6. März fanden Tierpfleger den kleinen Fritz auf der Seite liegend. Umgehend wurde er in eine Tierklinik überführt, doch leider vergebens.
Am 6. März fanden Tierpfleger den kleinen Fritz auf der Seite liegend. Umgehend wurde er in eine Tierklinik überführt, doch leider vergebens.
Keystone
1 / 6

Dem kleinen Fritz stand Grosses bevor. Ende der Woche sollte der Eisbär erste Schritte auf der kindgerecht umgebauten Aussenanlage im Tierpark Berlin wagen. Doch die Besucher werden ihn nie zu sehen bekommen. Fritz starb am Montag. Die Stadt trauert schon wieder um einen kleinen Eisbären.

Erinnerung an Knut

Vor zehn Jahren gingen die Bilder von Knut um die Welt. Es war seit mehr als 30 Jahren der erste Eisbärennachwuchs im Zoo. Mutter Tosca hatte zwei Junge geboren. Eines starb kurz darauf, das zweite verstiess sie. Pfleger Thomas Dörflein zog Knut per Hand auf. Zum ersten Aussen-Spaziergang kamen 500 Journalisten aus aller Welt, innerhalb von drei Monaten eine Million Besucher.

Knut ist tot.
Knut ist tot.
Keystone
Der Eisbär erlangte vor allem in jungen Jahren eine hohe Medienaufmerksamkeit...
Der Eisbär erlangte vor allem in jungen Jahren eine hohe Medienaufmerksamkeit...
Keystone
Knut soll nun ausgestopft werden.
Knut soll nun ausgestopft werden.
Keystone
1 / 7

Der Zoo liess Knut als Marke schützen und nahm Millionen durch seine Vermarktung ein. Knut bekam gar eine eigene Briefmarke. Am 19. März 2011 stürzte er vor den Augen der Besucher ins Wasser. Knut litt an einer Hirnerkrankung, starb aber letztlich durch Ertrinken. Heute steht der Bär ausgestopft im Berliner Naturkundemuseum.

Botschafter für bedrohte Art

Umso grösser war die Freude, als sich im Tierpark, einer weitläufigen Anlage im Osten der Stadt, erstmals seit 22 Jahren Nachwuchs ankündigte. Die sieben Jahre alte Tonja warf am 3. November 2016 zwei Jungtiere, von denen wiederum eines wenige Tage später verstarb. Das zweite aber umsorgte sie liebevoll. Es überstand die ersten kritischen Wochen und wurde zum neuen Liebling der Stadt.

Der Tierpark veröffentlichte regelmässig Videos aus der Wurfhöhle. Am Namenswettbewerb beteiligten sich über 10'000 Menschen aus aller Welt. Der kleine Eisbär wurde Fritz getauft in Anlehnung an den Preussenkönig Friedrich der Grosse, der im Volksmund der «alte Fritz» genannt wurde. Der Name sei kurz, knackig, eindeutig und charaktervoll, fand Tierpark- und Zoodirektor Andreas Knieriem.

Gross und kräftig

Fritz hatte mittlerweile ein Gewicht von 14,5 Kilogramm erreicht, für sein Alter war er laut Knieriem gross und kräftig. Am 27. Februar, dem Welteisbärentag, musste Fritz als Botschafter für bedrohte Artgenossen herhalten. Am Sonntag noch hat der Direktor den kleinen Star besucht. Etwas müde, aber noch sehr lebendig habe Fritz gewirkt.

Am Montagmorgen fanden Pfleger den Bären auf der Seite liegend und von Bauchkrämpfen geplagt. Das Tier wurde in das nahe gelegene Leibniz-Institut gebracht und eingehend untersucht. Eine schwere Leberentzündung wurde diagnostiziert. Am Montagabend starb Fritz an Multiorganversagen. Was genau die Ursache war, wird nun untersucht. Eines steht für Knieriem allerdings fest: «Fritz wird nicht ausgestopft.»

Tierschützer fordern Zuchtstopp

Der Tod des Eisbären rief umgehend Tierschützer auf den Plan. Der Deutsche Tierschutzbund forderte, das Züchten von Eisbären in Zoos zu überdenken. Von mindestens 31 in Deutschland seit 2005 geborenen Jungtieren hätten nur 14 überlebt. Die Quote ist in der Natur allerdings auch nicht höher, entgegen Forscher.

Die Tierschutzorganisation Peta verlangte einen Zuchtstopp und warf der Zooleitung vor, nur aus Marketinggründen Eisbären zu züchten. Deren Haltung sei unnatürlich, in freier Wildbahn legten sie lange Strecken zurück. Polar Bears International hingegen akzeptiert die Haltung in Zoos, wenn die Gehege gross genug sind und den Tieren Abwechslung geboten werde. Knieriem nannte die Argumente für ein Zuchtverbot «puren Quatsch» und bezeichnete Peta und Co. als «Tierrechtspopulisten».

Trösten können sich die Berliner mit zwei anderen Bären, die im Sommer im Zoo erwartet werden. Aus China kommen zwei junge Pandas. Die Entsendung hatte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in China persönlich mit Präsident Xi Jinping verabredet als Symbol guter Beziehungen zwischen beiden Ländern.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch