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Anthamatten will mit Mord Geld machen

Der Mörder der Genfer Sozialtherapeutin Adeline M. will aus seinem Verbrechen Kapital schlagen: Dem «Sonntagsblick» bot er für Geld exklusive Informationen an.

Die Schlüsse von Experten im Prozess: Der Angeklagte Fabrice A. hat eine gespaltene Persönlichkeit. (3. Oktober 2016)
Die Schlüsse von Experten im Prozess: Der Angeklagte Fabrice A. hat eine gespaltene Persönlichkeit. (3. Oktober 2016)
Frédéric Bott, Keystone
Der Mörder wurde ausgeliefert: Fabrice A. wird in Stettin zur Anhörung gebracht. (22. Oktober 2013)
Der Mörder wurde ausgeliefert: Fabrice A. wird in Stettin zur Anhörung gebracht. (22. Oktober 2013)
Marcin Bielecki, Keystone
Der verurteilte Vergewaltiger und seine Therapeutin waren auf einem begleiteten Ausflug: Adeline M. und Fabrice A.
Der verurteilte Vergewaltiger und seine Therapeutin waren auf einem begleiteten Ausflug: Adeline M. und Fabrice A.
Kapo Genf
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Das Verbrechen wühlte die Schweiz auf: Im September ermordete der veurteilte Vergewaltiger Fabrice Anthamatten auf einem begleiteten Freigang seine Sozialtherapeutin Adeline M. Die junge Mutter war mit ihm auf dem Weg zur Reittherapie, als der Mann sie mit einem während des Freigangs gekauften Messers tötete. Danach floh er nach Polen, wo er vier Tage nach der Tat verhaftet wurde. Vergangene Woche wurde er von dort an die Schweiz ausgeliefert.

Am Freitag wandte er sich nun per Brief an die Redaktion des «Sonntagsblicks». Darin fordert er 1600 Franken für Details zu seiner Tat. «Sein Angebot verbindet er mit einer Drohung: Sonst erzähle ich alles, was ich zu sagen habe (die letzten Worte von Adeline, warum Polen, wie ich meine Flucht vorbereitet habe usw.) Ihrer Konkurrenz!»

Gerichtspsychiater: «Extrem kaltschnäuzig»

Anthamatten gibt ausserdem dem Psychiater, der ihn in der Genfer Strafanstalt «La Pâquerette» behandelte, eine Mitschuld an der Tat. Nur dank seiner positiven Einschätzung seien ihm die Freigänge erlaubt worden. Mit dessen Antrag, von der Schweigepflicht entbunden zu werden, wolle der Psychiater nur sich selbst schützen, um nicht wegen Inkompetenz belangt zu werden.

Gerichtspsychiater Thomas Knecht bezeichnet die Geldforderung gegenüber der Zeitung als «extrem kaltschnäuzig» und als «moralischen Defekt». Knecht verweist darauf, dass Anthamatten irgendeine Geschichte erzählen könnte, die nichts mit der Wahrheit zu tun haben müsste. Er beurteilt den Mörder als pathologischen Lügner, der mit geschickten Manipulationen zu arbeiten wisse – nur so könne es ihm gelungen sein, seinen Psychiater derart zu täuschen. Dass Anthamatten jemals therapiert werden kann, bezweifelt Knecht. «Wenn jemand nach jahrelanger Therapie eine noch schlimmere Tat begeht als zuvor, besteht wenig Hoffnung.»

«Überweisen Sie auf mein Konto 1600 Franken»

Auf seiner Online-Plattform veröffentlicht der Blick die Übersetzung des Briefes von Anthamatten. Darin schreibt der Mörder im Wortlaut unter anderem: «Ich habe ein Angebot von 1500 Franken von einem Ihrer Konkurrenten erhalten. Nehmen Sie mit mir Kontakt auf, sobald ich zurück in der Schweiz bin. Entweder mit einem Besuch im Gefängnis, oder gegebenenfalls schriftlich über meinen Pflichtverteidiger. Überweisen Sie auf mein Konto im Gefängnis 1600 Franken (verlangen Sie eine Quittung, die Sie mir übergeben). Falls nicht, erzähle ich alles, was ich zu sagen habe (die letzten Worte von Adeline, warum ich nach Polen geflüchtet bin, wie ich meine Flucht vorbereitet habe, etc.) Ihrem Konkurrenz-Journalisten.»

Im Weiteren lässt er sich höhnisch über den Gefängnispsychiater aus: Unterdessen will ich (gratis) sagen: «Der Psychiater, der mich in La Paquerette behandelt hat, hat sich beeilt, die Aufhebung des Berufsgeheimnis am 19. September zu beantragen. Hinter diesem illusorischen Willen zur falschen Transparenz versteckt sich nicht mehr und nicht weniger als sein Wille, sich selbst zu schützen, wenn er möglicherweise wegen seiner Inkompetenz zur Rechenschaft gezogen wird! Tatsächlich ist meine Ausgangserlaubnis aufgrund seiner positiven Einschätzung erfolgt. Er hat nichts Gefährliches an mir gesehen, aber jetzt versucht er, sich zu schützen.»

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