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Am Nordpol bald so warm wie in Kalifornien

Am Nordpol herrschen zurzeit Temperaturen um den Gefrierpunkt – und sie könnten noch weiter steigen. Grund ist ein gewaltiger Sturm über dem Nordatlantik.

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Plus-Temperaturen am Nordpol mitten im Winter: Forschungsschiffe durchbrechen arktisches Eis. (August 2014)
Plus-Temperaturen am Nordpol mitten im Winter: Forschungsschiffe durchbrechen arktisches Eis. (August 2014)
Martin Jakobsson, Keystone

Mit null bis plus zwei Grad Celsius lag das Temperaturniveau am Mittwoch am Nordpol mindestens 20 Grad über den für die Jahreszeit üblichen Werten, wie der kanadische Wetterdienst mitteilte. Laut US-Wissenschaftlern vom North Pole Environmental Observatory (NPEO) zeigte eine rund 300 Kilometer vom Nordpol entfernte Boje, dass die Temperaturen in der Region binnen zwei Tagen von minus 37 auf minus acht Grad Celsius kletterten.

Grund für die Erwärmung ist ein gewaltiger Sturm über dem Nordatlantik, der über Island tobt, und warme Luft aus den Subtropen bis in die Arktis führt. Die Ausläufer des Sturms mit Spitzengeschwindigkeiten von 140 Kilometern pro Stunde und 15 Meter hohen Wellen sind derzeit auch in Grossbritannien zu spüren, wo schwere Niederschläge ganze Landstriche unter Wasser setzen.

Nichts mit dem Klimawandel zu tun

Die tropisch warme Luft gelangt vom Atlantik bis zum Nordpol und bringt dort Plusgrade, polare Luft strömt mit Frost und Schnee bis in den Süden der USA. Beides sei Teil desselben Geschehens, sagte Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst (DWD) der Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch.

Grund sei das Zusammentreffen von sehr tiefem Druck im Nordwesten und sehr hohem Druck im Nordosten. Es handle sich um ein Einzelereignis, das weder vorhersehbar noch wissenschaftlich erklärbar sei. Mit dem Klimawandel habe das nichts zu tun.

Kalte Luft im Süden der USA

Ein starkes Tiefdruckgebiet lag am Mittwochvormittag südlich von Island. Durch die Drehbewegung des Tiefs gegen den Uhrzeigersinn werde auf der Ostseite – über dem Atlantik und Nordwesteuropa – sehr rasch warme Luft weit nach Norden verfrachtet, erläuterte Friedrich.

Auf Spitzbergen etwa wurden am Vormittag plus vier Grad Celsius gemessen, das waren 30 Grad über dem üblichen Niveau. In der Nacht zum Mittwoch sei es in Irland mit 15 Grad ungewöhnlich mild gewesen. Auf der anderen Seite des Tiefs floss kalte Luft aus der Arktis bis weit in den Süden der USA nach New Mexico.

Bis zu 50 Grad über normalen Werten

Was sich derzeit östlich von Grönland zusammenbraut und weiter nördlich zieht, könnte nach Ansicht von Forschern des amerikanischen Wetterdienstes NOAA dem Nordpol Temperaturen von bis zu 50 Grad über den normalen Werten bescheren. Am derzeit 24 Stunden lang dunklen Pol wäre es dann wärmer als in Südkalifornien.

Eigentlich herrscht derzeit am Nordpol Winter mit minus 30 bis minus 40 Grad. Tatsächlich ist es aber zwei bis vier Grad warm. Sollte sich der Sturm weiter wie berechnet entwickeln, könnte in den nächsten Tagen die Abweichung von bis zu 50 Grad erreicht werden, schreiben die US-Forscher.

Ihr globales Vorhersagemodell GFS zeigt ein Wettersystem bei Island, das mehrere hundert Kilometer lang ist. In seinem Höhepunkt am Mittwoch könnte der Sturm einen in dieser Gegend nie dagewesenen Wert erreichen.

Das starke Hoch «Christine» über dem Baltikum verstärkt nach Angaben des DWD die südwestliche Strömung über Westeuropa noch, denn es dreht sich mit dem Uhrzeigersinn, schaufelt also ebenfalls warme Luft nach Norden.

Schwere Regenfälle in Grossbritannien

Die schweren Regenfälle in Grossbritannien hängen mit dem Auftreten der beiden Drucksysteme zusammen: «Tiefs rennen von Westen gegen das Hoch «Christine» an und regnen sich über England ab», erläuterte Friedrich. An der Grosswetterlage werde sich vorerst nichts ändern.

Warum sich eine solche Wetterlage ausgebildet habe, sei wissenschaftlich nicht zu erklären, sagte Friedrich. «Es ist ein Ausdruck des chaotischen Systems Atmosphäre.» Ein solches Einzelereignis sei weder vorhersehbar noch erklärbar. Mit dem Klimawandel habe es nichts zu tun, und auch das Wetterphänomen «El Nino» im Pazifik spiele dabei keine Rolle.

(SDA)

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