Keine Versicherung: Wer bezahlt den Wiederaufbau?

Die Restauration der Pariser Kathedrale wird Hunderte Millionen kosten. Der Staat wird einen grossen Teil zahlen müssen.

Frankreich muss für den Schadensfall aufkommen: Russ am Gerüst und an der Kathedrale Notre-Dame. Foto: Keystone

Frankreich muss für den Schadensfall aufkommen: Russ am Gerüst und an der Kathedrale Notre-Dame. Foto: Keystone

Philipp Felber@PhilippFelber

Noch ist nicht klar, wie hoch der Schaden an der Pariser Notre-Dame ist. Doch bereits fliessen die Spendengelder in Massen. Hunderte Millionen Euro sind bereits zusammengekommen. Und es werden ständig mehr. Das dürfte dem französischen Staat gefallen.

Alleine auf der Plattform Gofundme laufen über 50 Crowdfunding-Aktionen, wie die Nachrichtenagentur Reuters meldet. Die Plattform setze sich nach eigenen Angaben mit den Behörden in Verbindung, damit das Geld auch am richtigen Ort landet. Auch auf anderen Sammelwebsites sind Spendenaufrufe im Gang. Auf Leetchi.com haben sich an einer Sammlung bereits fast 1000 Menschen beteiligt, über 22'000 Euro sind bisher zusammen.

Das Geld, das so zusammenkommt, hilft dem französischen Staat. Denn ihm gehört die Kirche. Deshalb ist sie nicht speziell versichert. Dies schreibt das französische Immobilienportal «BFM La Vie Immo».

Video: Chronologie der Pariser Brandkatastrophe

Flammen am Abend, Angst in der Nacht, Trotz am Morgen: Der Brand der Notre-Dame im Rückblick.

Für solche Gebäude gelte der Grundsatz der Selbstversicherung des Staates. Das heisst, dass der französische Staat für den Schadensfall aufkommen muss. Da kommen die zahlreichen Spenden gerade recht.

Bereits haben auch Regionen aus Frankreich Zahlungen versprochen. So sprach Valérie Pécresse, die Präsidentin der Region Île-de-France, von 10 Millionen Euro an Soforthilfe. Das Departement Alpes-Maritimes will ebenfalls 1 Million Euro bezahlen. Dasselbe ist auch aus Toulouse zu hören.

Auch die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo will Geld sammeln, um die Kirche wiederaufzubauen. Sie möchte eine internationale Geberkonferenz initiieren, wie sie auf Twitter schreibt. Die Stadt Paris selbst will 50 Millionen Euro für den Wiederaufbau zahlen.

Gegenseitig übertroffen haben sich die Besitzer der Luxusgütermarken Gucci und Louis Vuitton. Der Gucci-Besitzer François-Henri Pinault hat 100 Millionen Euro für den Wiederaufbau in Aussicht gestellt. Kurz darauf meldete die Familie von Bernard Arnault, dem Besitzer von Luxuslabels wie Louis Vuitton oder Moët Hennessy, 200 Millionen Euro an den Wiederaufbau zu zahlen.

Die beiden sind immer wieder als Donatoren aufgetreten. 2018 spendete Pinault zum Beispiel 3 Millionen Euro für den Erhalt des Hauses, in dem der französische Autor Victor Hugo «Les Misérables» schrieb.

Bildstrecke: Der Morgen danach

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Unterstützung will auch die Unesco bieten, wie deren Generaldirektorin Audrey Azoulay auf Twitter schreibt. Die Notre-Dame ist seit 1991 im Katalog der Unesco.

Unesco prüft Massnahmen

Wie eine Hilfe aussehen könnte, zeigt sich am Beispiel des Brasilianischen Nationalmuseums. Dieses brannte im vergangenen Jahr aus. Die Unesco beteiligte sich dabei an den Bergungsarbeiten. 90 Prozent der 20 Millionen Ausstellungsstücke wurden zerstört, der Wiederaufbau dürfte ein Jahrzehnt dauern, heisst es von der Unesco.

Bezüglich des Brands in Paris stehe man bereits mit Experten vor Ort in Kontakt, sagte Azoulay gemäss einem Communiqué der Unesco. Dies, um den Schaden zu bewerten und um kurz- und mittelfristige Massnahmen zu planen.

Die Notre-Dame war auch in der Vergangenheit auf Spendengelder und Zahlungen von der öffentlichen Hand angewiesen. So zahlte der Staat zuletzt jedes Jahr rund vier Millionen Euro, um die Renovation des Gebäudes zu unterstützen, die bis zum Brandausbruch am Montagabend lief.

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