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UN-Tribunal verurteilt serbischen General zu lebenslanger Haft

Er bezeichnete das Massaker von Srebrenica als «Kampf gegen terroristische Gruppen» und leugnete, selbst vor Ort gewesen zu sein. Nun wurde der Ex-General Tolimir zu einer lebenslangen Haft verurteilt.

Bekreuzigte sich während der Urteilsverkündung: Der Ex-General Zdravko Tolimir erscheint im Gerichtssaal. (8. April 2015)
Bekreuzigte sich während der Urteilsverkündung: Der Ex-General Zdravko Tolimir erscheint im Gerichtssaal. (8. April 2015)
Reuters

Das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag hat die lebenslange Haftstrafe für den bosnisch-serbischen Ex-General Zdravko Tolimir bestätigt. Das erstinstanzliche Urteil, wonach der heute 66-Jährige im Zusammenhang mit dem Massaker von Srebrenica 1995 in «genozidärer Absicht» gehandelt habe, sei richtig gewesen, befand der Vorsitzende Richter Theodor Meron.

Tolimir trug bei der öffentlichen Sitzung ein grosses Holzkreuz um den Hals und bekreuzigte sich mehrfach, als Meron ihn bat, zur Urteilsverkündung aufzustehen. Im Dezember 2012 war Tolimir, die rechte Hand des ebenfalls in Den Haag angeklagten bosnisch-serbischen Ex-Armeechefs Ratko Mladic, vom Haager Tribunal unter anderem des Völkermords für schuldig befunden worden. Er war nach Ansicht der Mehrheit der Richter an den Planungen für das Massaker von Srebrenica 1995 beteiligt.

Mladics rechte Hand

Tolimir war im Mai 2007 in Bosnien gefasst worden. Während des Bosnienkrieges war er einer von sieben Stellvertretern Mladics. Tolimir sei «die rechte Hand und die Augen und die Ohren» von Mladic gewesen, sagten die Richter. Tolimir, zuständig für den militärischen Geheimdienst, sei Teil eines «gemeinsamen kriminellen Unternehmens» zur Ermordung Tausender muslimischer Männer und Jungen sowie der Vertreibung von Frauen und Mädchen gewesen, um einen «mono-ethischen serbischen Staat» zu schaffen.

Im Juli 1995 hatten bosnisch-serbische Milizen bei der Eroberung der UN-Schutzzone Srebrenica tausende Muslime getötet. Tolimir selbst hatte zu Beginn des Verfahrens Anfang 2010 auf unschuldig plädiert. Der Ex-General, der sich im Prozess allein verteidigt hatte, bezeichnete das Massaker von Srebrenica selbst als «Kampf gegen terroristische Gruppen». Er habe dazu keine Befehle gegeben und sei auch nicht selbst vor Ort gewesen. Das Massaker von Srebrenica gilt als das schlimmste Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg.

Wegen des Massakers von Srebrenica hat das Haager UN-Tribunal insgesamt 20 Verdächtige angeklagt, darunter Mladic und den früheren bosnischen Serbenführer Radovan Karadzic.

SDA/pst

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