Zum Hauptinhalt springen

Mit Rettungshelikopter einen Fussballplatz trocken geföhnt

Die Affäre um den deutschen Automobilclub ADAC nimmt groteske Züge an: Beinahe täglich kommen Verfehlungen der Vergangenheit ans Tageslicht.

Neben dem Pannendienst bietet der ADAC auch Luftrettungen an: Diese wurden in der Vergangenheit missbraucht.
Neben dem Pannendienst bietet der ADAC auch Luftrettungen an: Diese wurden in der Vergangenheit missbraucht.
Reuters

Über dem deutschen Automobilclub ADAC hat sich in den vergangenen Tagen ein wahrer medialer Wirbelsturm zusammengebraut. Auslöser war ein Artikel der «Süddeutschen Zeitung» über den Publikumspreis «Gelber Engel», der jährlich das Lieblingsauto der Deutschen kürt. Dieses Jahr kam dem VW Golf die Ehre des Siegers zu, obschon lediglich 3409 der 19 Millionen Mitglieder dem Auto ihre Stimme gegeben hatten. Nur: Der Kommunikationschef des ADAC, der zugleich auch Chefredaktor der «Motorwelt» ist, dieser Mann erhöhte die 3409 Stimmen auf deren 34'299 – angeblich in Eigenregie. Damit nicht genug: Schliesslich stellte sich heraus, dass die Publikumsstimmen seit Jahren manipuliert wurden.

Seither drohen Mitglieder ihrem Verein mit Austritten, und beinahe täglich kommen neue Skandalgeschichten ans Licht, die den Ruf der Organisation weiter schädigen.

Den Sohn mit dem Rettungsjet in die Ferien geschickt

Da wäre einmal die Anekdote um den damaligen Bundesliga-Zweitligisten Eintracht Braunschweig, der 2006 vor einem Montagabendspiel das Problem hatte, dass das Wasser auf dem durchgefrorenen Platz nicht abfloss. Also rief man den ADAC an, der ebenfalls eine Luftrettungsabteilung führt, und bat um Hilfe, berichtete die «Bild»-Zeitung. Der Helikopter kam und sollte den Platz mit seinen drehenden Rotoren trocken blasen. Das Unterfangen gelang, und die Eintracht gewann mit 1:0. Mittlerweile weiss man, der Helikopter war keine Reservemaschine, sondern ein regulärer Rettungshubschrauber samt Notärzten an Bord. Für den ADAC kein Problem: Da der Hubschrauber in Vollbesetzung geflogen sei, hätte er jederzeit zu einem richtigen Notfall abheben können, lautet die Begründung.

Ein weiteres Beispiel ist die Managerin, die 2012 ihrem Sohn aus der Patsche helfen wollte und ihm einen Ersatz für den verpassten Flug nach Sharm al-Sheikh besorgte: Der Sohn durfte mit seinem Freund in einem mit Intensivmedizingeräten ausgerüsteten Ambulanzjet ans Rote Meer fliegen. Der ADAC lässt verlauten, der Rettungsflieger sei nach Ägypten unterwegs gewesen, um einen kranken Deutschen heimzubringen. Die Managerin ist inzwischen zurückgetreten.

Privaten Helikoptergebrauch als PR-Flüge deklariert

Auch die ADAC-Manager selbst haben profitiert: Der ADAC-Regionalclub Hessen-Thüringen hat eine Villa für Geschäftsführer Andreas Hartel bauen lassen – getreu dessen Vorstellungen. 190 Quadratmeter Wohnfläche verteilt auf einem 800 Quadratmeter grossen Grundstück. Geschätzter Wert der Immobilie: 1,5 Millionen Euro. Der ADAC verteidigt sich: Der Verein habe die Immobilie als Geldanlage erworben. «Der Vorstand hat es Herrn Hartel ermöglicht, als Mieter in das Objekt einzuziehen», es sei aber darauf geachtet worden, «dass es jederzeit anderweitig vermietet werden könnte.» Zudem habe eine Lohnsteuerprüfung im Jahr 2012 ergeben, dass Hartel aus dem Mietverhältnis keinen Vorteil ziehe.

Weiter wurde bekannt, dass nicht nur ADAC-Leute aus dem Präsidium, sondern auch ADAC-Leute aus den Regionalverbänden die Helikopter für private Zwecke nutzten. Begründung des ADAC gegenüber dem «Stern» war: Solche Flüge seien «im Zusammenhang mit der Aussendarstellung der Luftrettung» möglich gewesen.

Es geht um viel Geld

Mittlerweile regt sich Widerstand aus der Politik: Es könne nicht sein, «dass millionenteure, mit öffentlichen Kassenmitteln finanzierte Fluggeräte privat zweckentfremdet werden», sagt Edgar Franke (SPD), Vorsitzender des Bundestagsgesundheitsausschusses. Die Münchner Staatsanwaltschaft hat wegen dieser Hubschrauberflüge eine Vorprüfung eingeleitet. Das Münchner Amtsgericht untersucht derweil, ob der ADAC auch in Zukunft den Status eines Vereins tragen darf.

In dieser Statusfrage geht es um viel Geld: Der ADAC muss als Verein derzeit die Mitgliedschaftsbeiträge lediglich zu 10 Prozent versteuern, der Rest bleibt steuerfrei. Wird der Steuersatz geändert, dürfte dem ADAC ein gewichtiger Wettbewerbsvorteil gegenüber Konkurrenten wegfallen.

Umfragen zufolge droht wegen der jüngsten Vorfälle ein Aderlass von 1,3 Millionen Mitgliedern, zudem fordern Mitglieder den Rücktritt von ADAC-Präsident Peter Meyer. Dieser lehnt einen solchen ab. «Als Präsident wurde ich im letzten Jahr mit grosser Mehrheit bis 2017 wiedergewählt», sagte er. «Ich werde die Vorkommnisse umfassend aufklären, damit das Vertrauen in den ADAC schnellstmöglich wiederhergestellt werden kann.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch