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Wenn Günther Jauch kapituliert

Imam Abdul Adhim Kamouss machte dem Talkmaster einen deftigen Strich durch die Rechnung. Was war passiert in der Sendung «Gewalt im Namen Allahs»?

Bezeichnet sich als «Friedensprediger»: Imam Abdul Adhim Kamouss bei Günther Jauch. (28. September 2014)
Bezeichnet sich als «Friedensprediger»: Imam Abdul Adhim Kamouss bei Günther Jauch. (28. September 2014)

«Es gibt sicherlich Menschen, die möglicherweise heute hier zu viel gesagt haben.» Mit diesen Worten verabschiedete sich Günther Jauch am Sonntagabend von den Zuschauern seiner ARD-Talkshow. Mit der Ansicht, dass einer seiner Gäste zu oft und zu lange zu Wort gekommen war, war Moderator Jauch nicht allein.

Jauch hatte kapituliert, schreibt die FAZ. Die Kontrolle über seine Sendung über weite Strecken verloren, die «Welt». «Dieser Talk ist dem Jauch völlig entglitten – unfassbar», findet ein User auf der Facebook-Seite des «Spiegels». «Immerhin bewies Herr Jauch damit, dass er eines nicht kann: Polit-Talk», ein anderer. Was war passiert?

«Gewalt im Namen Allahs – wie denken unsere Muslime?» – so lautete das Thema der Gesprächsrunde bei Günther Jauch. Zu Gast: Özlem Gezer, eine Reporterin beim «Spiegel», Wolfgang Bosbach, Chef des Innenausschusses, Stefan Buchen, NDR-Journalist, Heinz Buschkowsky, Bürgermeister von Berlin-Neukölln – und Imam Abdul Adhim Kamouss.

Keine kritische Auseinandersetzung

Kamouss, laut «Spiegel» von den Behörden als Salafist eingestuft, bezeichnet sich selber als «Friedensprediger» und war im Laufe der Sendung darum bemüht, den Islam als «wunderbare, warmherzige Religion» darzustellen. Er sei dafür, «diese Radikalisierung» zu stoppen, aber dazu benötige es Toleranz und Kommunikationsbereitschaft. Um seinen Standpunkt deutlich zu machen, erhielt der Imam überdurchschnittlich viel Redezeit und wurde kaum mit Einwänden oder Gegenfragen konfrontiert. Einzig Bosbach gemahnte Kamouss einmal daran, er sei hier nicht in der Opferrolle.

Warum man den islamischen Prediger eingeladen hatte, ohne sich kritisch mit ihm und seinen Ansichten auseinanderzusetzen, das fragten sich nach der Sendung mehrere deutsche Medien wie der «Spiegel», die «Welt» oder die FAZ. Doch auch politische Gegenstimmen wurden laut. Als fragwürdig empfanden es einige Zuschauer, dass man zur Vorstellung des Imam Kamouss ein mehr als zehn Jahre altes Video zeigte, berichtet der «Spiegel». In diesem äussert sich Kamouss angeblich hilflos zur Rolle der Frau im Islam. Auf Youtube sind heute allerdings zahlreiche Mitschnitte von Predigten zu finden, in denen sich Kamouss mit deutlichen Worten vom IS distanziert.

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