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Schneekönig soll für weitere 13 Jahre hinter Gitter

Der unter dem Namen Schneekönig bekannte Drogendealer beteuerte vor Gericht, er habe mit einem «legalen Muntermacher» gehandelt. Die Staatsanwaltschaft fordert weitere 13 Jahre Haft für den 56-Jährigen.

Mehr als 20 Jahre verbrachte ein 56-jähriger Schweizer wegen Drogendelikten im Gefängnis. Wenn es nach dem Willen der Staatsanwaltschaft geht, soll der Schneekönig für weitere 13 Jahre hinter Gitter. Am Montag stand der Drogendealer in St. Gallen vor Gericht.

Ende 2004 war der Mann bedingt aus dem Vollzug einer 17-jährigen Zuchthausstrafe entlassen worden. Bei einer Reststrafe von 2474 Tagen und einer Probezeit von vier Jahren. Dann wurde es für einige Jahre ruhig um den Drogendealer, der im Zürcher Milieu als Schneekönig berüchtigt ist.

Razzia im Jahr 2009

Im März 2009 fand die Polizei bei einer Razzia in seinem Haus in Stäfa ZH knapp ein Kilo Kokain und über ein halbes Dutzend Waffen. Zehn Monate später stand der Schneekönig mit zwei Mitangeklagten vor dem Kreisgericht Werdenberg-Sargans.

Das Gericht verurteilte ihn wegen schwerer Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie Widerhandlung gegen das Waffengesetz zu einer Gesamtstrafe von 12 Jahren sowie zu einer Ersatzforderung von 300'000 Franken. Die beiden Mitangeklagten erhielten Gefängnisstrafen von drei und dreieinhalb Jahren.

Strafzumessung überrissen

Der Schneekönig legte Berufung ein. Vor dem Kantonsgericht St. Gallen bestritt er heute den Handel mit Kokain vor Ablauf der Probezeit. Bei der Ware habe es sich um Koffein gehandelt. Die Kunden hätten lange Zeit nichts gemerkt: Der Effekt von Koffein und Kokain sei beim Schnupfen gleich. Erst als Abnehmer reklamiert hätten, sei er Ende 2008 auf Kokain umgestiegen.

Sein Verteidiger plädiert auf höchstens vier Jahre Gefängnis. Die Staatsanwaltschaft stütze sich auf widersprüchliche Aussagen von Abnehmern und Indizien. Bewiesen sei lediglich der Handel von rund 300 Gramm Kokain und auch dieses sei zu 80 Prozent mit Koffein gestreckt gewesen. Der Handel mit Koffein sei nicht strafbar.

Er kritisierte in seinem Plädoyer auch den verdeckten Ermittler, der als fiktiver Kunde versucht habe, die Mengen übermässig hochzuschrauben. Die Strafzumessung sei in jedem Fall überrissen. «Hier soll ein Phänomen bestraft werden», sagte er.

Unverbesserlicher Wiederholungstäter

Die Anträge von Verteidigung und Anklage reichten weit auseinander. Der Staatsanwalt sieht es als erwiesen an, dass der Angeschuldigte ein Drahtzieher von Kokaingeschäften ist. Er habe von 2007 bis November 2008 mindestens sechs Kilo Kokain verkauft. Er beantragt eine Erhöhung der Strafe auf 13 Jahre.

Der Angeschuldigte sei weder ein Ersttäter noch geständig, sondern ein unverbesserlicher Wiederholungstäter, der in grossem Stil mit Drogen gehandelt habe. «Ein guter Führungsbericht wird ihm auch in Zukunft nur im Gefängnis ausgestellt», sagte der Ankläger.

Das Vorstrafenregister des Schneekönigs ist lang. Seit 1977 wurde er in rund einem halben Dutzend Gerichtsverfahren zu gesamthaft 28 Jahren und acht Monaten verurteilt. Bereits als 16-Jähriger kam er erstmals mit dem Drogenhandel in Kontakt.

Er könne sich selbst nicht erklären, wie er auf die schiefe Bahn geraten konnte. «Ich bin einfach reingerutscht», sagte der 56- Jährige vor Gericht. Als er noch jünger war, sei es einfacher gewesen im Gefängnis. Aber er werde dieses Urteil schlucken müssen. Wie hoch es ausfallen wird, steht noch aus.

SDA/mrs

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