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«Ich war nie ein richtiges Mädchen» – Loki Schmidt ist tot

Die Ehefrau des früheren deutschen Kanzlers Helmut Schmidt ist in der Nacht auf heute verstorben. Er verdankt ihr nicht nur privates Glück.

Eine einzigartige Liebe: Helmut und Loki Schmidt 2007 im botanischen Garten in Hamburg.
Eine einzigartige Liebe: Helmut und Loki Schmidt 2007 im botanischen Garten in Hamburg.
Keystone
Noch im Juli dieses Jahres turtelten die beiden in Hamburg.
Noch im Juli dieses Jahres turtelten die beiden in Hamburg.
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2003 besuchte das Ehepaar die Schweiz: Helmut Schmidt hielt am 1. August die Festrede im bündnerischen Samnaun.
2003 besuchte das Ehepaar die Schweiz: Helmut Schmidt hielt am 1. August die Festrede im bündnerischen Samnaun.
Keystone
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Hannelore Schmidt, bekannt als Loki, ist tot. Die Ehefrau des früheren deutschen Bundeskanzlers ist in der Nacht auf heute in ihrem Zuhause im Hamburger Stadtteil Langenhorn verstorben. Loki Schmidt wurde 91 Jahre alt. Das Ehepaar war 68 Jahre lang verheiratet.

Dunkelblauer Hosenanzug, ein wenig Lippenstift, kurzes dunkles Haar, dezenter Schmuck und stets ein freundliches Lächeln: Dieses Bild ist in der Öffentlichkeit von Loki Schmidt seit Jahrzehnten bekannt. «Ich war nie ein richtiges Mädchen, ich war ein wüster Schläger», erinnerte sie sich im Alter von 84 Jahren in ihrer Autobiografie an die Rangeleien mit den Jungs aus der Nachbarschaft.

Den späteren Ehemann mit zehn Jahren getroffen

Loki Schmidt wurde als Hannelore Glaser 1919 in Hamburg geboren. Gemeinsam mit zwei Geschwistern wuchs sie als Tochter eines Betriebselektrikers in bescheidenen Verhältnissen im Stadtteil Barmbek auf. 1931 wurde der Vater arbeitslos, worauf die Mutter als Näherin arbeitete. Schon mit zehn Jahren lernte sie Helmut Schmidt kennen, denn beide besuchten dieselbe Schulklasse.

«Wir waren von Anfang an befreundet», erinnerte sich Loki in ihren Memoiren an den Anfang ihren langen und glücklichen Beziehung. Nach dem Abitur absolvierte sie ein pädagogisches Studium und wurde Lehrerin. «Eigentlich wollte ich Biologin werden, aber das scheiterte an den Studiengebühren», sagte sie einmal.

Sie finanzierte ihm das Studium

1942 heiratete sie den ein Jahr jüngeren Offizier Helmut Schmidt - und finanzierte ihm nach dem Zweiten Weltkrieg sein Studium in Hamburg. In der Zeit arbeitete sie selbst als Volks- und Realschullehrerin. Zwei Jahre nach der Geburt von Tochter Susanne kam 1944 Sohn Moritz zur Welt, der nach nur sieben Monaten auf tragische Weise starb. In ihren Memoiren berichtete die passionierte Raucherin auch von den vielen Fehlgeburten, die sie erlitten hat.

Acht Jahre lang, von 1974 bis 1982, war die Hanseatin an der Seite von Helmut Schmidt Hausherrin im Bonner Kanzleramt. Als «Angeheiratete der Politik», wie sie es einmal selber nannte, führte sie an der Seite ihres Politiker-Ehemanns Helmut «ein etwas seltsames anderes Leben».

Zu den schwärzesten Tagen an der Seite des Bundeskanzlers zählte sie rückblickend jene im Jahr 1977 während der Entführung von Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer durch die Rote Armee Fraktion (RAF). «Helmut und ich haben damals ausgemacht, wenn einer von uns beiden gekidnappt wird, darf der andere keine Forderungen der Kidnapper erfüllen», erinnerte sie sich. Vom Sturz des Bundeskanzlers Helmut Schmidt 1982 erfuhr sie während eines Aufenthalts in Brasilien.

Für Naturschutz eingesetzt

Seit 1976 machte sich Loki Schmidt den Namen ihres Mannes zunutze, um für den Naturschutz «hausieren zu gehen». Sie mochte sich nicht mehr nur auf Schirmherrschaften als Kanzlergattin zurückziehen und rief die «Stiftung zum Schutze gefährdeter Pflanzen» ins Leben. Die Ex-Kanzlergattin intensivierte ihre Arbeit im Dienst gefährdeter Pflanzen und begleitete jedes Jahr junge Wissenschaftler auf Forschungsreisen um die Welt. «Ich bin penetrant neugierig geblieben», bekannte die auch im hohen Alter noch äusserst populäre Loki.

Seit 1980 benannte sie im Namen der Stiftung die «Blume des Jahres». Viele Buchveröffentlichungen über botanische Themen folgten, so auch 1997 das erfolgreiche Grundlagenwerk «Die Botanischen Gärten in Deutschland». Für ihre öffentlichkeitswirksamen Verdienste um die Botanik wurde sie vielfach ausgezeichnet, etwa mit einem Ehrensenatorinnen-Titel der Hamburger Universität. 2005 äusserte sie sich in «Mein Leben für die Schule» zur Bildungspolitik. Drei Jahre später erschien das Buch «Erzähl doch mal von früher».

«Wir konnten auch zanken»

Das Erfolgsrezept ihrer knapp sieben Jahrzehnte währenden Ehe mit Helmut Schmidt war für die Hamburger Ehrenbürgerin ganz einfach: «Wir konnten immer gut miteinander reden und auch zanken.» Richtig gezankt, «dass die Fetzen flogen», hätten sie sich in ihren vielen Ehejahren aber nie. Auch hat sie ihr grenzenloser Optimismus trotz zahlreicher Krankenhausaufenthalte in den vergangenen Jahren nie verlassen.

Noch zuletzt, im Zusammenhang mit dem Erscheinen ihres Erinnerungsbuches «Auf dem roten Teppich und fest auf der Erde», hatte Loki Schmidt den grossen Wunsch geäussert, den 70. Hochzeitstag mit ihrem Helmut im Juni 2012 noch erleben zu wollen. Dies blieb ihr nun verwehrt.

dapd/oku

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