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Höhlendrama: Eingeschlossene sind zu schwach für Tauchgang

Die zwölf Jugendlichen und ihr Trainer werden in den nächsten Stunden nicht evakuiert. Eine Sauerstoffleitung ist im Bau.

Verzweifelte Suche, der Fund und nun die komplizierte Rettung: Die Chronik zu den eingeschlossenen Fussballbuben im Norden Thailands.

Der Gouverneur der thailändischen Provinz Chiang Rai hat an einer mehrmals verschobenen Pressekonferenz Berichte zurückgewiesen, wonach die Rettungsaktion im Höhlendrama um die festsitzende Fussballmannschaft in der Nacht starten werde. Die Eingeschlossenen seien körperlich noch nicht bereit für den komplizierten Tauchgang, sagte Narongsak Osottanakorn über die zwölf Jugendlichen und ihren Trainer. Es gehe darum das Risiko zu minimieren und den besten Rettungsplan zu finden. Wenn es stärker zu regnen beginne, müsse man aber versuchen die Eingeschlossenen zu befreien.

Gemäss den britischen Tauchern, welche die Höhle am Abend verlassen hätten, seien die zwölf Jugendlichen in relativ guter Verfassung. «Die Buben sind von vorne in die Höhle gekommen und sie werden auch dort wieder hinaus gehen», gab sich der Gouverneur zweckoptimistisch.

Wie die «BBC» berichtet, haben Rettungstruppen mehr als 100 Stollen gebohrt, in der Hoffnung die Höhle auf einer direkten Route zu erreichen. 18 Versuche seien vielversprechend, es sei aber unklar, ob das eingeschlossene Team auf diese Weise erreicht werden könne.

Tod trübt Hoffnung

Der Tod eines Tauchers und wachsender Zeitdruck hatten zuvor die Hoffnung auf eine Rettung der Fussballmannschaft getrübt. Ein ehemaliger thailändischer Marinesoldat ertrank auf dem Rückweg aus der überschwemmten Tham-Luang-Höhle. Der ums Leben gekommene Taucher Saman Kunan hatte am Aufbau einer Sauerstoffleitung zu der eingeschlossenen Fussballmannschaft mitgearbeitet, wie die Behörden mitteilten. Auf dem Rückweg aus der Höhle habe er selbst nicht genügend Sauerstoff gehabt und sei ertrunken. Sein Begleiter habe vergeblich versucht, ihn in Sicherheit zu bringen.

Veröffentlichte vor seinem Einsatz ein Video auf Twitter: Der tödlich verunglückte Rettungstaucher Saman Kunan. Video: Tamedia

«Wir sind dafür trainiert, jederzeit mit Risiken zu rechnen. Das gehört zum Job», sagte Arpakorn Yookongkaew, Kommandant der Spezialeinheit. «Wir werden uns nie zurückziehen. Wir bleiben, bis die Mission abgeschlossen ist», fügte er hinzu. Für den Vestorbenen werde es auf Anweisung des thailändischen Königs eine ehrenvolle Trauerfeier geben, erklärten die Behörden.

Als «ein Wunder» hat einer der aus der thailändischen Höhle geretteten Knaben die Entdeckung der Fussballmannschaft unter Tage beschrieben: Die Buben vor der Pressekonferenz. (18. Juli 2018)
Als «ein Wunder» hat einer der aus der thailändischen Höhle geretteten Knaben die Entdeckung der Fussballmannschaft unter Tage beschrieben: Die Buben vor der Pressekonferenz. (18. Juli 2018)
Soe Zeya Tun, Reuters
In den neun Tagen hätten sie nur Regenwasser getrunken, aber nichts gegessen, berichteten die Jungen, die bei der Medienkonferenz – passend zum Namen ihres Teams – ein Fussballtrikot mit einem aufgedruckten Wildschwein trugen.
In den neun Tagen hätten sie nur Regenwasser getrunken, aber nichts gegessen, berichteten die Jungen, die bei der Medienkonferenz – passend zum Namen ihres Teams – ein Fussballtrikot mit einem aufgedruckten Wildschwein trugen.
Vincent Thian/AP, Keystone
Eine Woche nach dem Verschwinden der Jugendlichen und deren Trainer machen Taucher Fortschritte bei der Suche. (30. Juni 2018)
Eine Woche nach dem Verschwinden der Jugendlichen und deren Trainer machen Taucher Fortschritte bei der Suche. (30. Juni 2018)
Sakchai Lalit/AP, Keystone
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Gleichzeitig steigt die Sorge, dass auch die Atemluft für die der Höhle eingeschlossenen zwölf Jungen und ihren Trainer knapp werden könnte. Die Retter wollen daher Sauerstoff in die Kammer leiten, in der die Fussballmannschaft Zuflucht gefunden hat.

Kilometerlange Sauerstoffleitung

Die geplante Sauerstoffleitung vom Höhleneingang bis zu der Kammer mit den Eingeschlossenen müsse rund 4,7 Kilometer lang sein, sagte der an der Rettungsaktion mitwirkende Armeegeneral Chalongchai Chaiyakam. «Unsere Hauptaufgabe heute ist es, ein Rohr in die Kammer zu legen, damit die Gruppe mehr Luft zum Atmen bekommt.»

Der Sauerstoffgehalt in der Kammer liege aktuell bei rund 15 Prozent, sagte der Armeegeneral. Normalerweise beträgt der Sauerstoffgehalt in der Luft rund 20 Prozent. Wie lange die Fussballer und ihr Trainer noch ohne zusätzlichen Sauerstoff in der Höhle ausharren können, liess der General offen. Auch sagte er nicht, wie lang der Bau der Leitung dauern soll.

Die Jugendlichen im Alter zwischen 11 und 16 Jahren und ihr Trainer sitzen seit dem 23. Juni in der Höhle fest, nachdem ihnen Wassermassen den Rückweg abgeschnitten hatten. Das Team hatte die Höhle nach einem Training aufgesucht, war dabei wohl von einer Sturzflut überrascht worden - und hatte sich vor den Wassermassen immer tiefer ins Innere gerettet.

Kurz bevor britische Rettungstaucher die Gruppe am späten Montagabend (Ortszeit) mehr als drei Kilometer vom Höhleneingang entfernt entdeckt hatten, war das Wasser in der Höhle nahe der Grenze zu Myanmar wieder angestiegen. Regenfälle erschweren die Bergungsarbeiten. In der Region am 20. nördlichen Breitengrad ist zwischen Juni und Oktober Regenzeit.

Verschiedene Szenarien für die Rettung

Für die Rettung der Eingeschlossenen gibt es mehrere Szenarien. Entweder sollen die Kinder in Begleitung von Rettungstauchern aus dem überfluteten Teil der Höhle herausschwimmen. Oder es könnte von oben eine Öffnung in die Höhlendecke gebohrt werden, um die Eingeschlossenen herauszuheben. Behörden und Rettungskräfte favorisieren die erste Variante.

Auf die erste Variante werden die Nachwuchsfussballer mit Tauchunterricht - so gut es geht - vorbereitet. Trainiert wird vor allem das Aufsetzen der Tauchmasken und das Atmen unter Wasser.

Medien diskutierten auch die Möglichkeit, die Höhle mit Hilfe von Pumpen so weit auszutrocknen, dass die Jungen sie zu Fuss verlassen könnten. Angesichts der Wassermassen erscheint diese Lösung derzeit aber unwahrscheinlich.

Musk will helfen

Der High-Tech-Pionier Elon Musk hat derweil seine Hilfe bei den Rettungsbemühungen für die in einer thailändischen Höhle festsitzende Fussballmannschaft angeboten. Der US-Unternehmer teilte am Freitag über den Kurzbotschaftendienst Twitter mit, er habe Teams seines Raumfahrtunternehmens SpaceX und seiner Ingenieurfirma Boring in das südostasiatische Land entsandt. Boring ist auf Tunnelbau spezialisiert.

Die entsandten Ingenieure beider Firmen sollten vor Ort schauen, ob sie «hilfreich» sein könnten, schrieb Musk. Es gebe bei den Rettungseinsätzen wahrscheinlich viele Komplikationen, «die sich schwer einschätzen lassen, wenn man nicht vor Ort ist». Der Unternehmer erläuterte, seine Spezialisten sollten erkunden, wie sich Wasser aus dem Tunnel heraus- oder Luft hineinpumpen lasse.

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