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Gebärdensprecher ist «schizophren» und gewaltätig

Sinnlose Handbewegungen: Bei der Mandela-Trauerfeier hat es ein psychisch Kranker als Gebärdensprachen-Dolmetscher auf die Bühne geschafft. Thamsanqa Jantjie äussert sich erstmals zum Vorfall – es war nicht der erste.

Hat während der Obama-Rede einfach mit den Armen gefuchtelt: Thamsanqa Jantjie.
Hat während der Obama-Rede einfach mit den Armen gefuchtelt: Thamsanqa Jantjie.
Keystone

Der dubiose Gebärdensprecher ist gefunden: Der 34-jährige Thamsanqa Jantjie hat nach eigenen Angaben am Dienstag auf der Bühne während der Mandela-Trauerfeier einen Schizophrenie-Anfall erlitten, als er die Rede von Barack Obama in die Gebärdensprache übersetzen wollte.

Jantjie sagte der südafrikanischen Zeitung «The Star», er habe plötzlich Stimmen in seinem Kopf gehört und die Konzentration verloren: «Ich konnte nichts tun, ich war alleine in einer gefährlichen Situation.» Gleichzeitig entschuldigte sich der Mann für den Vorfall: «Ich versuchte mich zu kontrollieren – es tut mir sehr leid.»

«Ein Grosser in der Gebärdensprache»

Auf die Frage, warum er nicht einfach die Bühne verliess, sagte Jantjie, er habe sich aufgrund der historischen Bedeutung des Ereignisses nicht getraut. Zugleich bat er um Verständnis: «Wer diese Krankheit nicht kennt, wird denken, dass ich das alles nur erfinde», sagte Jantjie, der nach eigenen Angaben auch Medikamente gegen Schizophrenie einnimmt.

Dem Radiosender «Talk Radio 702» sagte Jantjie, er sei auf der Bühne «überglücklich» gewesen: Er habe schon viele Male bei grossen Veranstaltungen übersetzt, «ich glaube, ich bin ein Grosser in der Gebärdensprache».

Bereits eine Beschwerde

Tatsächlich hat Jantjie bereits für den aktuellen Präsidenten Jacob Zuma in die Gebärdensprache übersetzt. Und auch an diesem Anlass gab es Beschwerden, wie Bruno Druchen von der Deaf Federation of South Africa sagt. Darauf sei eine formelle Beschwerde an den afrikanischen Nationalkongress eingegangen. Doch der ANC habe gemäss Druchen nicht auf die Beschwerde geantwortet.

Die südafrikanische Vizeministerin für Menschen mit Behinderungen Hendrietta Bogopane-Zulu sagte nun an einer Medienkonferenz, dass im Anstellungsprozess von Jantjie Fehler passiert seien: Jantjie sei «kein professioneller Gebärdensprachedolmetscher.» Um welche Fehler es sich handelt und wer Jantjie und seine Firma angestellt hat – diese Fragen wollte sie nicht beantworten. Eine Untersuchung sei jedoch eingeleitet.

Währenddessen hat Jantjie der Agentur AP ein längeres Interview gegeben, er sagt darin, dass seine Anfälle auch schon gewalttätig geendet hätten. Auf die Frage, wie häufig dies bereits der Fall war, antwortete er: «Viele Male.» Er sagt auch, dass seine Vorgesetzten der Firma SA Interpreters über seine Krankheit Bescheid wussten. Pikant: Am Dienstag hätte Jantjie ein Gesundheits-Check-up gehabt, bei dem die aktuelle Medikamentendosis überprüft worden wäre. Der Dolmetscher liess den Termin jedoch platzen und entschied sich für die Arbeit, die ihm 850 Rand – umgerechnet 77 Franken – einbrachte.

Recherchen von AP-Journalisten zeigten zudem, dass die Firma SA Interpreters gar nicht exisitiert.

Fragezeichen um Sicherheitsvorkehrungen

Unklar ist bisher, ob im Fall Jantjie Sicherheitsvorkehrungen versagt haben: An der Gedenkfeier nahmen beinahe 100 Staatschefs teil.

Der von der südafrikanischen Regierung angeheuerte Mann hatte am Dienstag immer die gleichen vier oder fünf Gebärden wiederholt, nicht die bekannten Zeichen für Mandela verwendet und keine Körpersprache genutzt. Gehörlosenvertreter kritisierten darauf den Mann scharf.

(AFP)

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