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Früherer IWF-Chef unter Verdacht der Geldwäscherei

Rodrigo Rato war einst der Star der konservativen Partei Spaniens. Jetzt wird gegen den Ex-Direktor des Internationalen Währungsfonds ermittelt – erneut. Die Liste der Vorwürfe ist lang.

Soll 6,2 Millionen Euro gewaschen haben: Rodrigo Rato wird von Polizisten aus seiner Wohnung im Nobelviertel Salamanca geleitet. (16. April 2015)
Soll 6,2 Millionen Euro gewaschen haben: Rodrigo Rato wird von Polizisten aus seiner Wohnung im Nobelviertel Salamanca geleitet. (16. April 2015)
Reuters

Der frühere Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), Rodrigo Rato, sieht sich in Spanien weiteren Ermittlungen wegen Geldwäscherei ausgesetzt. Nach seiner vorübergehenden Festnahme gestern in Madrid ist es nun wieder auf freiem Fuss.

«Ich habe Vertrauen in die Justiz und habe aktiv mit ihr kooperiert», sagte Rato der staatlichen Nachrichtenagentur Efe. Der zuständige Ermittlungsrichter habe die Freilassung des Ex-IWF-Chefs angeordnet, hiess es.

Seine Wohnung in Madrid wurde von Zollbeamten durchsucht. Das Fernsehen zeigte am Abend zudem, wie der einstige spanische Wirtschaftsminister in einem Polizeiwagen fortgebracht wurde.

Auf diese Leibgarde hätte Rato wohl gerne verzichtet: Polizisten bewachen die Residenz des Politikers. (Foto: AFP; 16. April 2015)
Auf diese Leibgarde hätte Rato wohl gerne verzichtet: Polizisten bewachen die Residenz des Politikers. (Foto: AFP; 16. April 2015)

Das Fernsehen zeigte, wie Rato von Beamten in einen Polizeiwagen gesetzt wurde, um sie zur Durchsuchung seines Büros zu begleiten. Laut Angaben aus Justizkreisen wird ihm Geldwäscherei, Betrug und die Verheimlichung von Vermögenswerten vorgeworfen. Demnach dauerte die Durchsuchung seiner Wohnung in einem schicken Viertel der spanischen Hauptstadt vier Stunden. Die konservative Regierung von Mariano Rajoy weigert sich seit Tagen, Berichte über Vorwürfe gegen Rato wegen Geldwäscherei zu bestätigen.

Über 6 Millionen Euro gewaschen?

Laut Presseberichten interessiert sich die Staatsanwaltschaft für die Herkunft von 6,2 Millionen Euro, die der frühere spanische Wirtschaftsminister im Zuge einer allgemeinen Steueramnestie aus dem Ausland zurückgeholt hatte. Rato erklärte, das Geld stamme von Aktienoptionen, die er 2008 erhalten hatte. Gegen den einst einflussreichen konservativen Politiker wird bereits in zwei anderen Affären ermittelt. Er wurde deshalb inzwischen aus der konservativen Regierungspartei PP ausgeschlossen.

Déjà-vu: Rodrigo Rato wird 2012 zu einem Gerichtstermin geführt betreffend der Fall um die Bank Bankia. (Foto. AFP; 20. Dezember 2012)
Déjà-vu: Rodrigo Rato wird 2012 zu einem Gerichtstermin geführt betreffend der Fall um die Bank Bankia. (Foto. AFP; 20. Dezember 2012)

In dem einen Verfahren wird ihm Betrug, Unterschlagung und Kontenfälschung beim Börsengang der Bank Bankia im Jahr 2011 vorgeworfen. Rato hatte von 2010 bis 2012 die Bank geleitet, die 2012 von der Regierung mit 20 Milliarden Euro vor der Pleite gerettet werden musste. Hunderttausende Kleinaktionäre waren damals ruiniert worden. Die Schieflage der Bank hatte die Europäische Union gezwungen, dem spanischen Bankensektor mit 41,4 Milliarden Euro zur Hilfe zu kommen.

Tiefer Fall eines Wundermanns

In dem anderen Verfahren geht es um den betrügerischen Einsatz von Bankkarten der Caja Madrid. Nach Presseangaben wurden diese Karten von der Führung des Finanzinstituts ohne Kontrolle für ihre persönlichen Ausgaben benutzt. Während Justizminister Rafael Cartala betonte, die Durchsuchung zeige, dass das Gesetz durchgesetzt werde, sprach der sozialistische Oppositionsführer Pedro Sanchez von einem «echten Skandal» und forderte einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss.

Von 2004 bis 2007 war Rato IWF-Chef. Damals wurde er noch als Vater des spanischen Wirtschaftswunders bejubelt und mit dem IWF-Posten belohnt. In den vergangenen Monaten aber ging es bergab: Der 66-Jährige gilt unterdessen als Verkörperung der grassierenden Korruption in Spanien, der viertgrössten Volkswirtschaft der EU.

AFP/spu

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