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«Die Familie wurde regelrecht hingerichtet»

Ein 36-jähriger Schweizer hat in Würenlingen AG seine Schwiegereltern, deren Sohn und einen vermutlich unbeteiligten Nachbarn erschossen. Es wird über einen Erbstreit als Motiv spekuliert.

Polizeikommandant Michael Leupold informierte am Sonntagnachmittag über das Tötungsdelikt. (10. Mai 2015)
Polizeikommandant Michael Leupold informierte am Sonntagnachmittag über das Tötungsdelikt. (10. Mai 2015)
Georgios Kefalas, Keystone
Die Wohnung des Täters: Der 36-Jährige lebte noch bis April dieses Jahres in einem Mehrfamilienhaus in einer Gemeinde des Kantons Schwyz. Die Wohnung wurde von den Behörden nach Waffen durchsucht.
Die Wohnung des Täters: Der 36-Jährige lebte noch bis April dieses Jahres in einem Mehrfamilienhaus in einer Gemeinde des Kantons Schwyz. Die Wohnung wurde von den Behörden nach Waffen durchsucht.
Stefan Hohler
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Die brutale Bluttat ereignete sich am späten Samstagabend. Kurz nach 23 Uhr hörten Anwohner am Langackerweg in einem ruhigen Einfamilienhausquartier in Würenlingen AG Schüsse. «Zuerst fielen mehrere Schüsse hintereinander, dann, nach einer kurzen Pause, wurde nochmals gefeuert», sagt ein Nachbar. Er habe zuerst gemeint, es handle sich um Knallkörper. Als dann die zuvor alarmierte Polizei kurze Zeit darauf mit einem Grossaufgebot auftauchte, sei ihm klar gewesen, dass geschossen worden sei. Die Polizei wies die Anwohner an, in den Häusern zu bleiben, da der Schütze zunächst nicht bekannt war.

Unter Hochdruck ermittelt

Die Polizisten entdeckten in einem Einfamilienhaus in mehreren Räumen drei leblose Körper: zwei Männer und eine Frau. Rund zwanzig Meter vom Haus entfernt, auf einem kleinen Fussweg, lagen nochmals zwei männliche Leichen. Die Kantonspolizei Aargau war die ganze Nacht im Einsatz und ermittelte. Gestern Nachmittag gab sie an einer Pressekonferenz in Aarau die ersten Resultate bekannt.

Bluttat von Würenlingen: Markus Gisin, Chef der Aargauer Kriminalpolizei, beschreibt an der Medienkonferenz den Tathergang. (Video: TA)

Bei den drei Toten im Einfamilienhaus handelte es sich um die Bewohner: einen 57-jährigen Mann, dessen 59-jährige Ehefrau und deren 31-jährigen Sohn. Die beiden Toten vor dem Haus waren ein 45-jähriger Nachbar und der mutmassliche Täter – ein 36-jähriger Mann. Alle fünf waren Schweizer. Wie sich herausstellte, war der mutmassliche Täter mit den Opfern im Einfamilienhaus verwandt. Die tote 59-Jährige war die Mutter seiner Ehefrau; sie stammte aus der ersten Ehe. Es handelte sich somit um die Schwiegereltern und den Schwager des Täters. Das vierte Opfer war ein direkter Nachbar der getöteten Familie.

Die Polizei geht davon aus, dass sich die Tat folgendermassen abgespielt habe: Der 36-Jährige war am Samstagabend mit dem Auto von seinem Wohnort im Kanton Schwyz nach Würenlingen gefahren. Zuerst suchte er das Haus seiner Schwiegereltern und des Schwagers auf und erschoss sie. «Die Familie wurde regelrecht hingerichtet», sagt Bernhard Graser, Sprecher der Kantonspolizei Aargau. Auf dem Rückweg lief ihm der Nachbar über den Weg, welchen der Täter ebenfalls erschoss, danach richtete er sich selber. Es ist nicht bekannt, ob er nach der Bluttat hatte fliehen wollen oder ob er schon damals die Absicht hatte, sich das Leben zu nehmen. Der Nachbar war vermutlich ein Zufallsopfer. Die Polizei konnte noch nicht sagen, ob sich die beiden gekannt hatten. In der Nachbarschaft wird vermutet, dass er durch die Schüsse aufgeschreckt nach draussen geeilt war und vor seinem Haus erschossen wurde.

Das Motiv der Bluttat ist noch nicht bekannt. Laut TeleZüri könnte es sich um einen Erbschaftsstreit gehandelt haben. Die Polizei schliesst auch ein Beziehungsdelikt nicht aus. Sie ermittelt nun im Umfeld des Täters im Kanton Schwyz. Der Mann hatte mit seiner Ehefrau drei Kinder. Sowohl er als auch seine Familie waren in Schwyz fürsorgerisch getrennt untergebracht. Die Kinder sind fremdplatziert. In welcher Einrichtung der Mann lebte und warum, darüber äusserte sich die Aargauer Kantonspolizei am Sonntag nicht.

Mehrmals vorbestraft

Der Mann war der Polizei bekannt. Er war wegen Drohung und Körperverletzung vorbestraft. Die Tat verübte er mit einer Pistole, verfügte jedoch über keinen Waffenschein. Am 2. April hatte die Schwyzer Kantonspolizei beim Täter eine Hausdurchsuchung durchgeführt. Dabei wurden keine Waffen gefunden.

Hinweise, dass er die Familie in Würenlingen schon vorher bedroht habe, gebe es bis jetzt nicht, sagte Polizeisprecher Bernhard Graser gestern. Auch Gemeindeammann André Zoppi hatte nichts von allfälligen familiären Spannungen gehört. Wenn dies der Fall gewesen wäre, hätte man das in der 4500-Seelen-Gemeinde sicher mitbekommen, sagte er.

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