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Alarm unterschlagen, Brille in der Kabine vergessen und ein Lügenbefehl

Unter grossem öffentlichen Interesse begann heute die Anhörung im Fall Costa Concordia. Schwerwiegende neue Vorwürfe bringen den Kapitän Francesco Schettino abermals in Bedrängnis.

Nicht an der Anhörung anwesend: Francesco Schettino fürchtet um seine Sicherheit. (Archivbild)
Nicht an der Anhörung anwesend: Francesco Schettino fürchtet um seine Sicherheit. (Archivbild)
Keystone

Zum Auftakt einer gerichtlichen Anhörung zur Havarie der «Costa Concordia» vor Italien sind in Medienberichten neue Vorwürfe gegen Kapitän Francesco Schettino laut geworden. Laut italienischen Medien von heute sagte der erste Offizier, Ciro Ambrosio, aus, Schettino habe seine Mannschaft angewiesen, die Küstenwache über das Ausmaß des Unglücks zu belügen.

Zur Anhörung kamen hunderte Anwälte, Experten und Überlebende der Katastrophe. «Kapitän Schettino hat uns befohlen, der Küstenwache zu sagen, dass alles unter Kontrolle sei», sagte Ambrosio laut der Tageszeitung «Corriere della Sera». Unter Berufung auf Verhörprotokolle zitierte die Zeitung «Il Fatto Quotidiano», der Kapitän habe offenbar nicht zugeben wollen, wie ernst die Lage war.

Brille in der Kabine vergessen

Überdies habe Schettino an dem Abend nicht wie üblich seine Brille getragen, als er das Kommando auf der Brücke übernahm. Angeblich habe er sie in seiner Kabine vergessen, gab Ambrosio demnach an. Ambrosios Anwalt erklärte, sein Mandant sei der einzige Offizier auf der Brücke gewesen, der andere Anweisungen gegeben habe als der Kapitän.

Schettino muss sich unter anderem wegen fahrlässiger Tötung, Schiffbruchs und dem vorzeitigen Verlassen des Schiffs verantworten. Er steht derzeit in seinem Haus an der Amalfi-Küste unter Hausarrest und erschien nicht zu der Anhörung. Einer seiner Anwälte sagte, Schettino fürchte um seine Sicherheit.

Anhörung findet im Theater statt

Die gerichtliche Anhörung fand im italienischen Grosseto in der Nähe der Toskana-Insel Giglio statt, wo die «Costa Concordia» am 13. Januar auf Grund gelaufen und gekentert war. Um die vielen Menschen unter einem Dach zu versammeln, wurde die Anhörung im Theater von Grosseto unter Ausschluss der Öffentlichkeit abgehalten.

Zahlreiche Überlebende machten bei der Anhörung ihrer Wut auf Schettino Luft. «Ich habe ihn zum Bug verschwinden sehen», sagte Giuseppe Grammatico. Schettino sei mit vier Mannschaftsmitgliedern im ersten Rettungsboot gewesen. Francesca Bertaglia, eine weitere Überlebende des Unglücks, nannte den Kapitän einen «Idioten». Dass er nicht den Alarm ausgelöst habe, sei «kriminell».

Gegen weitere Mitarbeiter wird ermittelt

Staatsanwaltschaft, Anwälte und Experten wollten in Grosseto über das weitere Vorgehen beraten. Aufschluss erhoffen sich die Ermittler von der Black Box des Schiffes, die im Zuge der Anhörung geöffnet werden sollte. Die Staatsanwaltschaft möchte zudem eine detaillierte Untersuchung der entscheidenden Minuten, als Schettino die Probleme auf dem Schiff bemerkte. Experten wollen ihrerseits feststellen, ob die Instrumente des Luxusliners einwandfrei funktionierten. Schettino behauptete zu seiner Verteidigung, dass er Probleme mit einigen Instrumenten gehabt habe.

Neben dem Kapitän und seinem ersten Offizier wird gegen sieben weitere Mitarbeiter des Kreuzfahrtanbieters Costa ermittelt, darunter drei führende Manager. Zahlreiche Überlebende in Italien, Frankreich und den USA haben gegen die Reederei und ihren US-Mutterkonzern Carnival geklagt und Schadensersatzforderungen in dreistelliger Millionenhöhe erhoben. Bei der Havarie waren 32 Menschen ums Leben gekommen, 25 Leichen wurden seither geborgen, sieben gelten als vermisst. Der Prozess beginnt möglicherweise erst in zwei Jahren.

SDA/wid/mrs

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