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AngetroffenPai de sorte e preocupação

Wie ein frischgebackener Familienvater mit der Corona-Krise umgeht.

Bruno Petroni
Joao Carrega aus Matten bei Interlaken.
Joao Carrega aus Matten bei Interlaken.
Foto: Bruno Petroni

Grenzenloses Glück – und gleichzeitig grosse Sorge um die Liebsten: Das Seelenleben von Joao Carrega gleicht in diesen Tagen einer Achterbahn. Am 1. März wurde der 34-jährige Portugiese zum ersten Mal Vater. Oder «pai», wie es in seiner Landessprache heisst. Mit entsprechend grossem Stolz redet Carrega von seinem gut drei Wochen alten Sohn Vincent und fühlt sich im siebten Himmel. «Aber wegen der Ansteckungsgefahr durch das Coronavirus bleibt meiner Lebenspartnerin Anna im Moment leider nichts anderes übrig, als mit unserem Baby zu Hause in Matten zu bleiben. Immerhin kann sie dort im kleinen Garten täglich ein wenig an der frischen Luft sein.» Carrega sorgt sich aber auch um seine Familie in Portugal, seinen Bruder, die Schwester und die Eltern. «In meiner kleinen Heimatregion sind bis heute bereits über 200 Menschen an der Corona-Grippe erkrankt, landesweit gab es 20 Todesopfer.» Durch häufige Telefongepräche bleibt Carrega mit seinen Liebsten in stetem Kontakt. «Wenn sich alle Leute an die verordneten Massnahmen halten, könnte diese grosse Krise bald vorbei sein», gibt sich Joao Carrega optimistisch.

Zurzeit ist Joao Carrega vor allem als Verträger des Mahlzeitendienstes für das Hotel Carlton-Europe unterwegs, für welches er und seine Anna seit vier Jahren arbeiten. Über dreissig Mahlzeiten bringt der Allrounder jeden Mittag im ganzen Bödeli unter Einhaltung strengster Hygienemassnahmen zu den Kunden nach Hause. Eine von zahlreichen Dienstleistungen, die sich sein Chef Stephan Maeder zur Überbrückung der laufenden Corona-Krise ausgedacht hatte. «Vom Gebäudeunterhalt bis hin zu den Gartenarbeiten erledige ich eigentlich jeden Job. Nächstens ist auch der Pool an der Reihe, der auf einen ausgiebigen Frühjahrsputz wartet.»

Was ist es eigentlich, was den früher für Olimpico Montijo spielenden ehemaligen Fussballprofi ins Berner Oberland zog? «Das hat viele Gründe. Vor allem aber die Schönheit dieses Landes, welche ich vor ein paar Jahren während meiner ersten Saison als Portier des Hotels Laaxerhof im Bündnerland entdeckt habe.» Sein heutiger Chef Stephan Maeder hat ihm nach seiner Anstellung auch die Sprachschule finanziert – heute spricht Carrega fast fliessend Deutsch.

Am 1. April hat Joao Carrega erneut Grund zum Feiern: Er hat Geburtstag – es wird sein 35. Diesen wird er im kleinen Kreis seiner jungen Familie in aller Bescheidenheit feiern. Bescheiden, ruhig, überlegt. Das ist Joao Carrega, der soeben Vater geworden ist. Oder eben «pai».