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Trumps Helfer an der BasisOhne Pence geht gar nichts

An Mittwoch redet Mike Pence auf dem republikanischen Parteitag. Für einen Sieg Donald Trumps ist der Vizepräsident unverzichtbar. Vor allem wegen einer Wählergruppe.

Ideale Ergänzung: US-Präsident Trump und Vize Pence grüssen ihre Anhänger am Parteitag in Charlotte, North Carolina.
Ideale Ergänzung: US-Präsident Trump und Vize Pence grüssen ihre Anhänger am Parteitag in Charlotte, North Carolina.
Foto: David T. Foster (Keystone)

Zentraler Teil des Parteitagsprogramms sind Ansprachen zur Hauptsendezeit am Abend, die online und von vielen Fernsehsendern live übertragen werden. Zum Auftakt des republikanischen Parteitags fehlte es nicht an drastischen Worten. Bisher dreht sich dieser Parteitag in erster Linie darum, dass die USA im Chaos versinken würden, in Gewalt und Niedergang, in wahlweise Sozialismus oder Kommunismus, wenn nicht Präsident Donald Trump am 3. November für vier weitere Jahre im Amt bestätigt werde. (Lesen Sie hier den Kommentar zum Auftakt des Parteitags.)

Höflich und nicht verbissen

Am Mittwoch nun steht ein Auftritt von Vizepräsident Mike Pence auf dem Programm. Pence ist vieles nicht, was Trump ist: Pence neigt weder zu ausfallender Sprache noch dazu, andere persönlich zu beleidigen. Pence ist ein höflicher Mensch, der im rechten Moment zu lächeln weiss. Ein Konservativer, ohne verbissen zu sein. Er kann sogar hin und wieder Fehler eingestehen. Ende April hat Pence eine Klinik besucht und während des Besuchs keine Maske aufgesetzt. Später sagte er, dass er besser eine getragen hätte.

Radikaler Evangelikaler

Auf der anderen Seite ist Pence ein radikaler Evangelikaler. 2002 forderte er, dass die Evolution in den Schulen nicht als Fakt, sondern nur als eine Theorie unter mehreren gelehrt werden solle. Er bezweifelt ebenso den von Menschen gemachten Klimawandel. Pence findet, dass Abtreibung selbst im Fall einer Vergewaltigung bei Strafe verboten werden müsse. Als Gouverneur von Indiana machte Pence 2015 Schlagzeilen, weil er ein Gesetz unterstützte, das es jedem Arbeitgeber in dem Bundesstaat erlaubt hätte, homosexuelle Angestellte wegen ihrer sexuellen Orientierung zu feuern. Die Proteste gegen das Gesetz selbst aus konservativen Kreisen haben damals seine lang gehegten Ambitionen zunichtegemacht, selbst für die Präsidentschaft zu kandidieren.

«Ich bin ein Christ, ein Konservativer, ein Republikaner. In der Reihenfolge.»

Mike Pence, US-Vizepräsident

«Ich bin ein Christ, ein Konservativer, ein Republikaner. In der Reihenfolge», sagt Pence über sich. Als Vizepräsident hat Pence vor allem eines gezeigt: totale Loyalität, manche sagen Unterwürfigkeit gegenüber Trump. Der Preis ist relative Unsichtbarkeit im Schatten des Präsidenten. Bis auf die Koordinierung der Pandemie-Politik hat Trump seinem Vize bisher keine nennenswerten Aufgaben übertragen. Besonders erfolgreich war Pence nicht. Davon zeugen bald 175’000 Corona-Tote und 5,7 Millionen registrierte Infektionen. Und das, obwohl Pence nachgesagt wird, mehr Einfluss auf Trump zu haben als jeder andere in der Regierung. Dafür aber kann er jetzt zum zweiten Mal die Nominierung für das Amt des Vizepräsidenten annehmen. Was ihm hilft, seinen Traum weiterzuverfolgen, eines Tages selbst im Oval Office zu sitzen.

«Trump gewinnt die populistischen Nationalisten. Aber Pence gewinnt
die Basis. Ohne Pence gewinnst du nicht.»

Steve Bannon, ehemaliger Wahlkampfchef von Donald Trump

Trump braucht Pence im Wahlkampf. Er ist das Verbindungsglied zwischen Trump und der wichtigen evangelikalen Wählerschaft, die ein gutes Viertel aller Stimmen in den USA stellt. Steve Bannon, einst Wahlkampfchef von Trump, dann sein Chefstratege im Weissen Haus und jetzt wegen Betrug unter Anklage, sagte über das Verhältnis von Trump und Pence: «Trump gewinnt die populistischen Nationalisten. Aber Pence gewinnt die Basis. Ohne Pence gewinnst du nicht.»

37 Kommentare
    Martin Brun

    Martin Brun

    Mike Pence, in erster Linie ein Christ? Wie kann er dann einem Herrn dienen, der lügt, die Ehe bricht, der keinen Skrupel kennt wenn es um seine Macht geht und der dadurch eine ganze Nation spaltet? In den Dreissigerjahren des letzten Jahrhunderts fand die grösste Katastrophe der Menschheitsgeschichte so ihren Anfang. Global nehmen genau diese Tendenzen wieder zu! Nationalismus statt Gemeinschaft, Konfrontation statt Dialog. Populismus und rechtsextreme Strömungen machen sich wieder breit. "Führer" bedienen sich der Unsicherheiten in dieser Zeit, schüren die Angst der Menschen, suchen Sündenböcke und pflegen Feindbilder. Repression und Unterdrückung sind an der Tagesordnung.

    Lernt der Mensch denn wirklich nichts?