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Wildwasserpark BannwilNicht alle wollen das Leuchtturmprojekt

In der Schweiz fehlt eine wintertaugliche Kanu-Strecke. Nun gibt es Pläne für einen Wildwasserpark in Bannwil. Doch das Vorhaben stösst auf gemischte Gefühle.

So soll der Wildwasserpark in Bannwil nach den Vorstellungen des Schweizerischen Kanu-Verbands aussehen.
So soll der Wildwasserpark in Bannwil nach den Vorstellungen des Schweizerischen Kanu-Verbands aussehen.
Visualisierung: PD

Am Montagabend versammelten sich zahlreiche Einwohnerinnen und Einwohner von Bannwil in der Mehrzweckhalle. Das Thema des Abends: ein Wildwasserpark an der Aare. Er würde Kanusportlern die erste wintertaugliche Trainingsstrecke in der Schweiz bieten. Der Andrang war gross, sodass die Sicherheitsabstände nicht eingehalten werden konnten. Also hiess es: Maske auf und Hände desinfizieren.

Die Idee zum Projekt Wildwasserpark Bannwil durchleuchtet der Gemeinderat bereits seit drei Jahren. Initiiert wurde das Projekt vom Schweizerischen Kanu-Verband. Dessen Mitglieder wollen eine Trainingsstrecke in der Schweiz, auf der das ganze Jahr trainiert werden kann.

Gemeinsam mit zahlreichen Referenten, darunter der dreifache Olympiateilnehmer Mike Kurt aus Wiedlisbach und der Präsident von Swiss Olympic und Alt-Nationalratspräsident Jürg Stahl, lieferte der Präsident des Schweizerischen Kanu-Verbands, Ralph Rüdisüli Laurent, den Bannwilern ein Plädoyer für das Projekt.

Training in der Schweiz

Kalte Temperaturen und Wassermangel erschweren das Kanu-Training im Winter. Jedoch sei der ganzjährige Zugang zu Übungsstrecken essenziell, um Spitzensportler auf Wettkämpfe vorzubereiten, sagte Rüdisüli Laurent. Auch Nachwuchssportler wünschten sich, im Alltag trainieren zu können – ohne dabei Auslandsreisen auf sich nehmen zu müssen.

Ralph Rüdisüli Laurent in der Mehrzweckhalle in Bannwil.
Ralph Rüdisüli Laurent in der Mehrzweckhalle in Bannwil.
Foto: Brigitte Mathys

«Wir möchten unseren Mitgliedern und dem Nachwuchs Zugang zu einer Wildwasserstrecke ermöglichen», sagte Rüdisüli Laurent. Konkret soll dafür auf Höhe des Wasserkraftwerks ein 400 Meter langer Kanal ausgehoben werden. Das Wasser würde oberhalb der Kraftwerkanlage in den Kanal fliessen und unterhalb wieder in die Aare münden.

Die gut 8 Meter Höhenunterschied würden mit einem Gefälle von 2 bis 3 Prozent optimale Bedingungen zum Kanufahren oder etwa auch zum Rafting kreieren. Für Strömungen und Wirbel würde die moderne Technik sorgen. Die Trainingsanlage würde 4 Hektaren Land beanspruchen. Das entspricht etwa fünfeinhalb Fussballfeldern. Auf dieser Fläche in Bannwil befindet sich zurzeit Wald und Ufergehölz, oder sie wird für die Landwirtschaft genutzt.

Vor allem das Naherholungsgebiet rund um das Kraftwerk mache den Standort Bannwil attraktiv: Die Natur steht im Gegensatz zur industriell geprägten Gegend, die die meisten Kraftwerke umgibt. Ausserdem sei das Dorf durch zwei nah gelegene Autobahnausfahrten sowie den Bahnhof verkehrstechnisch gut erschlossen. Die Umsetzung des Projekts würde mit 16,8 Millionen Franken zu Buche schlagen.

«Weltweite Strahlkraft»

Die Initianten sind der Meinung, dass der gesamte Oberaargau vom Projekt profitieren würde. Denn diese Anlage wäre in der Schweiz einzigartig: «Ein solches Leuchtturmprojekt könnte eine weltweite Strahlkraft ausüben und den Oberaargau bekannt machen», sagte Mike Kurt. Schliesslich sollen auf der Wildwasserstrecke auch nationale sowie internationale Wettkämpfe stattfinden können.

Olympiateilnehmer Mike Kurt will den Oberaargau mit dem Projekt bekannt machen.
Olympiateilnehmer Mike Kurt will den Oberaargau mit dem Projekt bekannt machen.
Foto: Brigitte Mathys

Auch die Bannwiler würden laut Rüdisüli Laurent von dem Projekt profitieren. Zum einen würde die Anlage zum Verweilen, Zuschauen und Mitmachen einladen. Zum anderen könnte das Dorf durch die Verpflegung und Unterbringung der Sportler und später auch mit eventuellen Wettkampfbesuchern mit finanziellem Gewinn rechnen.

Kein Konsens in Sicht

Die Projektpräsentation löste bei den Anwesenden jedoch keine Begeisterung aus. Begriffe wie «Leuchtturmprojekt» und «weltweite Strahlkraft» schienen die Bannwiler eher zu alarmieren. Die Anwesenden stellten zahlreiche kritische Fragen.

Den Kern des Problems sehen die Einwohner beim Verkehr. Bereits jetzt sei die Infrastruktur des Dorfes durch die Autobahnumfahrung sowie mit Militär- und Transportfahrzeugen stark belastet. Eventuelle Besucheranstürme durch Sportwettkämpfe in der direkten Umgebung finden die Bannwiler wenig attraktiv. Zudem sei das Gebiet um die Aare an schönen Tagen ohnehin überlaufen – vom daraus resultierenden Abfall ganz zu schweigen.

Solche Kommentare ernteten bei den Bannwilern Beifall. Die Gastronomie im Dorf sei nicht darauf ausgelegt, Heerscharen von Menschen zu verpflegen. Beschwichtigungen vonseiten der Initianten, dass es sich beim Kanufahren um eine Randsportart handle, stiessen auf taube Ohren.

Die Initianten wüssten, dass die Rechnung nicht ohne die Gemeinde gemacht werden könne. Zum Abschluss appellierte Gemeindepräsident Karl Friedli an die Einwohner, sie mögen die Informationen sacken lassen und sich mit Inputs und Meinungen an die Gemeindeverwaltung wenden. Die Würfel sind noch nicht gefallen, es bleibt spannend.