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Roboter statt Handarbeit ist die Devise

Das Karlsruher Institut für Technologie entwickelt Automaten für den Rückbau.

«Automatisiert, ferngesteuert und standardisiert» – so sollte der Rückbau von Atomkraftwerken nach den Vorstellungen von Patrick Kern ablaufen. Kern ist am Karlsruher Institut für Technologie Assistent von Professor Sascha Gentes, Inhaber des bisher wohl einzigen Lehrstuhls für den Rückbau von Kernkraftwerken. Die Motivation für den Einsatz von ferngesteuerten Maschinen liegt auf der Hand: In einem Kernreaktor müssen grosse Mengen von Beton und Stahl von Radioaktivität befreit werden, wenn die Menge des Atommülls klein gehalten werden soll, der in den Endlagern für Jahrtausende sicher verschlossen werden muss.

Das bedeutet: reinigen, abschleifen, wegfräsen von radioaktiv kontaminierten Oberflächen. Dabei entstehen radioaktives Abwasser, radioaktiver Staub und radioaktive Partikel. Wird dieser Vorgang von Hand erledigt, ist die Herausforderung für den Strahlenschutz der Arbeiter enorm – beziehungsweise das Risiko von Verstrahlungen bei Pannen. Die Herausforderung steigt, wenn temporäres Personal eingesetzt wird, das erst noch geschult werden muss.

Sowohl in Deutschland wie in der Schweiz betonen Betreiber und Behörden, dass beim Rückbau dieselben Strahlenschutzgrenzwerte für das Personal gelten wie beim AKW-Betrieb. Bei Arbeiten in einem radioaktiv stark belasteten Umfeld müssen sie also häufig ausgetauscht werden, damit die Strahlenbelastung tief bleibt.

Oder man automatisiert die Arbeiten. Das Team von Gentes hat diverse Prototypen für solche Arbeiten entwickelt. Der Roboter Manola etwa kann dank Saugnäpfen Wände hochklettern – und dort eine radioaktiv kontaminierte Oberfläche mit Lasern abtragen. «Heute wird das oft noch von Hand gemacht», sagt Kern. «Wir möchten aber, dass für solche Arbeiten eigentlich keine Leute reingeschickt werden.» Kern war auch schon dabei, wenn Arbeiter Betonschichten von Hand wegfrästen. «Ich möchte dies nicht machen.»

In der Versuchshalle des Instituts stehen diverse solche Prototypen, oft zusammengesetzt aus handelsüblichen Bestandteilen – was beim Besucher den Eindruck von pionierhafter Bastelei erweckt. Wohl zu Unrecht, denn zumindest bei sehr grossen und stark kontaminierten Reaktorteilen wie dem Druckbehälter ist es inzwischen üblich, sie unter Wasser und mit ferngesteuerten Geräten zu zerlegen. Daneben fällt aber immer noch sehr viel Handarbeit an. Zudem sind AKW immer Einzelanfertigungen, was den standardisierten Einsatz von Maschinen erschwert.

Wie lang wird es dauern, bis der Rückbau von Atomkraftwerken grösstenteils automatisiert ist? Eine Frage, die er nicht beantworten könne, sagt Kern: «Es steckt alles noch in den Kinderschuhen.» (st)

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