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«Fabrikool» am Ende – Neuhaus verteidigt Räumung

Die Besetzung der Alten Schreinerei in der Länggasse ist Geschichte. Die Polizei hat das vom «Fabrikool»-Kollektiv besetzte Gebäude am Dienstagmorgen geräumt. Dies sei keine Absage an Zwischennutzungen, betonte Baudirektor Christoph Neuhaus.

hae/chh/flo
«Das Haus ist vollgestopft mit Material»: Der Berner Baudirektor Christoph Neuhaus und Angelo Cioppi, Co-Leiter des kantonalen Amts für Grundstücke und Gebäude im Interview. <i>Video: Florine Schönmann</i>

Seit Ende April war es eine ­­Frage der Zeit, bis die ­­besetzte Schreinerei in der Berner Länggasse polizeilich geräumt sein würde. Nachdem das «Fabrikool»-Kollektiv die vom Kanton gesetzte Frist zum Auszug hatte verstreichen lassen, reichte dieser Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung ein. Und er stellte einen Räumungsantrag. «Diesen haben wir vollzogen», sagte Ramona Mock von der Medienstelle der Kantonspolizei Bern am Dienstag auf Anfrage.

Kurz vor sieben Uhr am frühen Dienstagmorgen vermeldeten auf den sozialen Medien die ersten Einträge, dass im Morgengrauen die ­­«Fabrikool»-Räumung begonnen habe. Offenbar waren zu Beginn auch Sondereinheiten im Einsatz, die abgezogen wurden, als klar war, dass sich niemand im Haus befand.

Am Dienstag, 14. Mai 2019 wurde das Schreinereigelände an der Berner Fabrikstrasse geräumt.
Am Dienstag, 14. Mai 2019 wurde das Schreinereigelände an der Berner Fabrikstrasse geräumt.
Jürg Spori
Die Polizei sperrte das Gebäude ab.
Die Polizei sperrte das Gebäude ab.
Jürg Spori
Transparente wurden abmontiert.
Transparente wurden abmontiert.
Jürg Spori
Polizisten standen vor der geräumten Schreinerei. Es blieb ruhig.
Polizisten standen vor der geräumten Schreinerei. Es blieb ruhig.
Jürg Spori
Abgesperrtes Areal am Dienstagmorgen an der Fabrikstrasse.
Abgesperrtes Areal am Dienstagmorgen an der Fabrikstrasse.
Florine Schönmann
Die Fenster der besetzten Schreinerei wurden mit Holzbrettern verschlagen.
Die Fenster der besetzten Schreinerei wurden mit Holzbrettern verschlagen.
Jürg Spori
09.25 Uhr: Vor Ort war es sehr ruhig, vom Kollektiv schien niemand da zu sein. Das Gebäude wurde abgesperrt.
09.25 Uhr: Vor Ort war es sehr ruhig, vom Kollektiv schien niemand da zu sein. Das Gebäude wurde abgesperrt.
Florine Schönmann
Die Polizei hat die alte Schreinerei in der Berner Länggasse am Dienstagmorgen geräumt. Es wurde ein Baugerüst aufgebaut, um die Pflanzen und Transparente von der Fassade abzubauen.
Die Polizei hat die alte Schreinerei in der Berner Länggasse am Dienstagmorgen geräumt. Es wurde ein Baugerüst aufgebaut, um die Pflanzen und Transparente von der Fassade abzubauen.
Christoph Hämmann
7. Mai 2019: Sie wollen bleiben: Die Besetzer der alten Fabrik weigern sich, das Gebäude Vertretern der Kantonsverwaltung zu übergeben.
7. Mai 2019: Sie wollen bleiben: Die Besetzer der alten Fabrik weigern sich, das Gebäude Vertretern der Kantonsverwaltung zu übergeben.
Raphael Moser
Seit sechs Tagen sollten die Hausbesetzer die ehemalige Schreinerei an der Fabrikstrasse verlassen haben. Nun hat der Kanton als Besitzer Anzeige eingereicht.
Seit sechs Tagen sollten die Hausbesetzer die ehemalige Schreinerei an der Fabrikstrasse verlassen haben. Nun hat der Kanton als Besitzer Anzeige eingereicht.
Jürg Spori
Die Besetzer hinterliessen für die Behördenvertreter eine höhnische Botschaft.
Die Besetzer hinterliessen für die Behördenvertreter eine höhnische Botschaft.
Die Eingangstüre ist gut gesichert. Die Kantonsangestellten kamen nicht rein.
Die Eingangstüre ist gut gesichert. Die Kantonsangestellten kamen nicht rein.
Mit einem Hinweisschild geben die Besetzer bekannt, womit der Kanton bei einer Räumung rechnen müsste.
Mit einem Hinweisschild geben die Besetzer bekannt, womit der Kanton bei einer Räumung rechnen müsste.
Michael Bucher
Rund ums Gebäude wird ein 4 Meter hoher Drahtzaun montiert.
Rund ums Gebäude wird ein 4 Meter hoher Drahtzaun montiert.
Jürg Sporri
Die Montage der Drahtwand.
Die Montage der Drahtwand.
Jürg Sporri
VüCh-Securitys übernehmen ab heute Abend Bewachung rund um die Uhr.
VüCh-Securitys übernehmen ab heute Abend Bewachung rund um die Uhr.
Jürg Sporri
Der 4 Meter hoher Maschendrahtzaun.
Der 4 Meter hoher Maschendrahtzaun.
Jürg Sporri
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Im Lauf des Vormittags entfernten Handwerker unter dem Schutz von Polizeikräften, die das Areal umstellten, Transparente von der Hausfassade, fällten einen Baum, rissen Sträucher aus. Ein Fenster nach dem anderen wurde mit Holztafeln verschalt, und am Nachmittag war das ganze Haus mit einem Gerüst umstellt.

«Bis das Haus umgebaut werden kann, wird es mit einer vier ­­Meter hohen Schutzwand gesichert, und eine Sicherheitsfirma überwacht das Gebäude», sagte der kantonale Baudirektor Christoph Neuhaus (SVP) am Nachmittag an einer kurzfristig angesetzten Medienorientierung.

Neuhaus: «Wir dulden keinen vertragslosen Zustand»

Neuhaus betonte, dass er Zwischennutzungen sinnvoll finde, und der Kanton wolle auch weiterhin dazu Hand bieten. Beim alten Gebäude an der Fabrikstrasse, das Anfang 2017 vom «Fabrikool»-Kollektiv besetzt wurde, seien die Voraussetzungen dafür aber nicht mehr gegeben gewesen.

«Wir dulden keinen vertragslosen Zustand», erklärte Neuhaus. Zu diesem war es gekommen, weil das Besetzerkollektiv nach dem Verkauf der Liegenschaft im September 2018 den nach der Besetzung mit dem Kanton ausgehandelten Zwischennutzungsvertrag fristlos kündigte. Das Haus sei jetzt wieder besetzt, erklärte das Kollektiv, und man werde die nächsten fünfzig Jahre bleiben.

In den letzten Monaten habe sich das «Fabrikool»-Kollektiv von einem Verein mit klar bezeichneten Ansprechpersonen zu einer Gruppe gewandelt, mit der kaum noch kommuniziert werden konnte, sagte Neuhaus an der Medienkonferenz. Weil der Kanton für das Gebäude zuständig sei und im Notfall Zugang haben müsse, habe dies nicht akzeptiert werden können.

Zudem seien die Käufer – zwei Architekten, die einen Quartiertreffpunkt mit Markthalle, Restaurants und Studentenwohnungen realisieren wollen – verunglimpft und bedroht worden. Schliesslich schädigten die Besetzer laut Neuhaus mit Sprayereien oder mit dem Einbau von Fenstern sowie eines Ofens zunehmend die Substanz des denkmalgeschützten Hauses, in dem grosse Brandgefahr herrsche.

Am späteren Morgen hatten sich rund 20 Sympathisierende vor dem Haus eingefunden, die das Geschehen ruhig beobachteten. Laut Regierungsrat Neuhaus hätte das Kollektiv unter geregelten Bedingungen bis Ende Jahr im Haus bleiben können. Bis dann möchten die Verantwortlichen über eine Baubewilligung verfügen, 2021 soll das sanierte und umgebaute Haus bezogen werden können.

(SDA)

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