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Jetzt gehts los!

Nun sass er also da, der Tausendsassa Christian Jankowski, dem der Ruf vorauseilt, dass er mit seinem Charme selbst hartnäckige Kunstmuffel in seine Aktionen einzubinden versteht. Mitte November hatte ihn die in Amsterdam ansässige Manifesta Foundation in Kooperation mit ausgesuchten Zürcher Kunstexperten (unter anderem Barbara Basting, Christoph Doswald, Martin Heller, Heike Munder und Mirjam Varadinis) zum neuen Chefkurator der Manifesta 11 gewählt. Wie der deutsche Künstler seinen Job wahrnehmen will, darüber orientierte er am Donnerstag im neu bezogenen Manifesta-Büro am Sihlquai.

Die Manifesta ist eine Wanderbiennale für zeitgenössische Kunst, die alle zwei Jahre in einer anderen europäischen Stadt durchgeführt wird. Sie beabsichtigt, wie Gründungsdirektorin Hedwig Fijen an der Pressekonferenz darlegte, Entwicklungstendenzen in der europäischen Gegenwartskunst zu reflektieren und Debatten auszulösen, die mit dem jeweiligen Standort in Zusammen­hang stehen.

Christian Jankowski macht nun aus der Theorie konkrete Vorschläge: Der umtriebige Performer, der schon immer mit Menschen, die nicht aus dem Kunstumfeld stammen, gearbeitet hat, wird auch in Zürich Laien miteinbeziehen. Unter dem Motto «What people do for money: some joint ventures» werden Künstler mit Zürcher Berufsleuten («etwa einem Anwalt») zusammengeführt, damit sie miteinander eine Art künstlerische Kooperation eingehen. Jankowski hat zu diesem Zweck eine lange Liste von Berufsgattungen zu­sammen­gestellt, die für Zürich typisch sein sollen.

Die Künstler, die der Kurator in den nächsten Monaten aufsuchen wird, dürfen sich daraus einen bevorzugten Partner herauspicken. Dabei soll der je­weilige Arbeitsplatz («etwa die Kanzlei») Austragungsort der künstlerischen Auseinandersetzung werden. Zürich, so Jankowski, sei übersättigt mit hochkarätigen professionellen Kunstinstitutionen. Er wünscht sich deshalb ungewohnte, private Ausstellungsorte, die letztlich auch neue Zuschauer generieren.

«Taxidriver» für Taxifahrer

Weil bei dieser Art von Teamwork zwischen Gast und Gastgeber beziehungsweise Künstler und Berufstätigen auch einige Kompromisse eingegangen werden müssen, stelle sich nicht zuletzt auch die interessante Frage der Autorenschaft, sagte der Kurator. Der ganze Prozess soll, so ist es geplant, von Laien oder Studenten medial begleitet und in Pavillons gezeigt werden. Denn der «naive» und «aufrichtige» Blick auf Kunst ist Jankowski ein prioritäres Anliegen. Ja, und warum in diesen Pavillons nicht auch gleich Filme für Berufsleute anbieten, etwa «Taxidriver» mit Gratiseintritt für die Taxifahrer?

«Wir wollen mit der Manifesta 11 ein möglichst breites Publikum und nicht einige wenige Eliten ansprechen», bekräftigte auch Peter Haerle, der städtische Kulturchef. Dass Zürich zum Standort der Manifesta 11 auserkoren wurde, ist ein Glücksfall, da man 2016 auch den 100-jährigen Jahrestag der Dada-Bewegung feiert und in Sachen Kunst alle Regis­ter ziehen möchte. Das ortsspezifische historische Bewusstsein, sagte Haerle dazu, beginne bereits in der Aufklärung, ziehe sich über die Flüchtlingspolitik während des Zweiten Weltkriegs hin zu den Revolten der 68er-Jahre oder zur Party-Stadt der 90er-Jahre. Und weil die einstige Zwingli-Hochburg gerade auch in den letzten Jahren einen schnellen Identitätswandel von der provinziellen Kleinstadt zur wirtschaftlich prosperierenden und kunstaffinen Metropole durchgemacht habe, biete sie viel Anschauungsmaterial für lokale, nationale und internationale Kunst.

1996 fand die erste Veranstaltung der Manifesta in Rotterdam statt. Die letzte Schau, die Ende Oktober in St. Petersburg ihre Tore schloss, stiess auf ein eher verhaltenes Echo. Vielleicht schafft es Zürich mit dem originellen Künstlerkurator und Hoffnungsträger Jankowski, dem Anlass neuen Schwung zu verleihen.Feli Schindler

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