75-jähriger Club hat einen «Händschefrässer»

Gündlischwand

Hüttenbauer, Bödelistafetten-Läufer, Schynige-Platte-Slalom-Fahrer, «Händschefrässer»-Besitzer: Am kommenden Samstag feiern die Mitglieder das 75-jährige Bestehen ihres Skiclubs.

Der Skiclub Gündlischwand an der Bödeli-Stafette in Stechelberg in den Fünfzigerjahren.

Der Skiclub Gündlischwand an der Bödeli-Stafette in Stechelberg in den Fünfzigerjahren.

(Bild: PD)

Vierzehn junge Gündlischwander beschlossen am 30. Dezember 1943, einen Skiclub zu gründen. Erstaunlich findet es der heutige Präsident Bruno Fuhrer, dass drei junge Frauen zu den Vereinsgründern gehörten. Bereits am 5. März 1944 gab es ein Clubrennen. 1945 wurde nicht nur Ski gefahren, sondern auch Theater gespielt. Das Stück hiess «Der Hochzeiter», und die Eintrittspreise waren beachtlich: die besseren Plätze kosteten 1.80 Franken, die hinteren Reihen 1.20 Franken.

Acht Jahre nach der Gründung beschloss der Club, eine eigene Hütte zu bauen. 1954 war es so weit. Die Interlakner Hoch- und Tiefbau AG scheint damals eine Art Fertighäuser angeboten zu haben. Jedenfalls lieferte sie die Bauteile für eine Skihütte System Uninorm auf die Station Schynige Platte. Von dort transportierten Skiclubmitglieder die Bretter, die zur Hütte werden sollten, auf dem Buckel weiter.

Und dann verbrachten sie einige Wochenenden damit, das Hüttenmaterial mit einem Schlitten und Gegenseil mit Umlenkrolle zum Hüttenstandort auf der Alp Ausser Blatti zu bringen, wo früher ein Stall gestanden hatte.

Die Hütte ist auch heute noch beliebt und wird vermietet. Ideal war der Zugang mit der einstigen Seilbahn Gündlischwand–Iselten, die dann 2011 abgebaut wurde. Heute dürfen Benützer der Hütte auf der Alpstrasse fahren. Der Boden gehört der Bergschaft Ausser Iselten, und der Zins wird mit Tagwerken bezahlt. 1964 ging eine Lawine knapp an der Hütte vorbei. Das näher am Graben gelegene Toilettenhäuschen wurde mitgerissen.

Ein einmaliger Slalom

Unverblümt ehrlich ein Eintrag 1962: «Ein halbes Dutzend Klubmitglieder haben in harter Fronarbeit über 400 Slalomstangen gefrevelt, gerindet, gespitzt und gestrichen. Etwas mehr als die Hälfte wird an den Skiclub Grindelwald verkauft.» 1957 organisierte der Club sein eigenes Skirennen: den Schynige-Platte-Slalom. Er fand am ersten Sonntag nach der Eröffnung der Bahn statt.

1959 gab es die selten gehörten Kategorien Oberländer und Unterländer. 1968 hatte der Slalom 187 Teilnehmer, und es war zugleich die letzte Ausgabe des Rennens. Schnee fehlte, die Organisation wurde kompliziert.

2006 nahmen die Teilnehmer einer Clubtour Bambusstangen mit und stellten den Slalom nach. Als es die Bödeli-Stafette, ein Langlaufrennen der Skiclubs in der Region, noch gab, stellte der Skiclub Gündlischwand Seriensieger. Stark sind seine Mitglieder auch am Inferno-Rennen: Marianne Rubi ist siebenmal Siegerin, Christian Fuhrer und Kurt Wyss gewannen die Super-Kombi. Nando Fuhrer ist Sieger First Hill Snowboard, Yannik Fuhrer gewann das White Style Open in Mürren und die Giant X Tour Freestyle Big Air. 1995 fuhr Skiclub-Mitglied Bernhard Kiener am Weltcup-Slalom in Wengen mit.

«Wir fahren kostümiert»

1970 wurde eine JO gegründet, die auch heute noch aktiv ist; Kinder aus Gsteigwiler und Lütschental sind in Gündlischwand dabei. Der Skiclub besitzt ein Snowmobil zum Loipenspuren und einen Skilift, der jeden Winter hinter dem Dorfladen aufgestellt wird. Das Modell? Der Vorstand, der auch das OK des Jubiläumsfests ist, einigt sich beim Treffen an der letzten Fest-Vorbereitungssitzung auf die Bezeichnung «Händschefrässer». Eine Besonderheit des Clubs heute? «Am Clubskirennen fahren wir kostümiert», sagt Fuhrer.

Berner Oberländer

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