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Fischsterben am BlauseeNeues Gutachten soll Klarheit bringen

Nach Geologe Hans Rudolf Keusen und dem Büro Geotest soll nun ein weiteres Fachbüro ein hydrogeologisches Gutachten erstellen.

Führte teils giftiger Altschotter zum Fischsterben im Blausee?
Führte teils giftiger Altschotter zum Fischsterben im Blausee?
Foto: Susanne Keller

In der Affäre um eine angebliche Grundwasservergiftung im Gebiet des Blausees haben sich die Kontrahenten am Mittwoch an einem runden Tisch getroffen. Sie vereinbarten, dass ein umfassendes hydrogeologisches Gutachten erstellt werden soll. Zudem ist geplant, umfassende Bodenproben durchzuführen, um weitere Erkenntnisse zur Altlastensituation und deren Auswirkungen auf die Grundwasserströme zu gewinnen.

Wie das Regierungsstatthalteramt Frutigen-Niedersimmental und die Gemeinde Kandergrund am Donnerstag mitteilten, soll ein unabhängiges Fachbüro das Gutachten erstellen. Zuletzt waren Geologe Hans Rudolf Keusen und das Büro Geotest in ihren jeweiligen Gutachten zum Thema zu unterschiedlichen Schlüssen gekommen.

Anwesend am Rundtischgespräch waren die Firmen BLS AG, SHB Steinbruch + Hartschotterwerk Blausee-Mitholz AG, Geotest AG, Marti AG, Blausee AG, der Geologe Hans Rudolf Keusen als Sachverständiger der Blausee AG sowie Vertreterinnen und Vertreter des VBS, des Kantons Bern, des Regierungsstatthalteramts und der Gemeinden Kandergrund und Kandersteg.

Komplexe Situation

Die Ortschaft Mitholz gehört zur Gemeinde Kandergrund. Das Gutachten wird in der Mitteilung auch mit baulichen Vorhaben in der Region begründet, beispielsweise mit dem Ausbau des Lötschberg-Basistunnels oder den geplanten Arbeiten am ehemaligen Munitionslager der Armee in Mitholz. Die hydrogeologische Situation im Kandertal sei komplex, heisst es.

Mitte Dezember soll ein weiteres Rundtischgespräch stattfinden. Die Teilnehmer seien sich einig gewesen, dass nur ein gemeinsames Vorgehen zum Erfolg führen könne, steht in der Mitteilung weiter.

Mitte September hatten die Besitzer des Ausflugsziels Blausee bekanntgegeben, in letzter Zeit sei es wiederholt zu grossen Fischsterben in der Zuchtanlage neben dem Blausee gekommen. Sie glauben, dass mit Giftstoffen belasteter Aushub aus dem alten Lötschberg-Scheiteltunnel für diese Ereignisse verantwortlich ist. Vor Kurzem wurde bekannt, dass auf dem Gelände des Steinbruchs der Firma Vigier in Mitholz nicht nur Altschotter aus dem oberen Lötschbergtunnel, sondern auch solcher von weiteren BLS-Baustellen der vergangenen Jahre ab- oder zwischengelagert wurde.

Die Firma Vigier sagte bisher, das Amt für Wasser und Abfall des Kantons Bern habe eine Gefährdung des Grundwassers ausgeschlossen. Bisher hätten alle Wasserproben an verschiedenen Stellen in und um das Werk Mitholz unbedenkliche Werte ergeben. Die Blausee-Besitzer zweifeln – gestützt auf ein eigene Untersuchungen – die Resultate dieses Gutachtens an. Ein Strafverfahren läuft.

SDA

4 Kommentare
    Jörg Kramer

    Tonnenweise Blauseeforellen sind kein Kavaliersdelikt, das sich mit einer Mediation lösen lässt. Es geht auch um den Tierschutz und um das weitreichende Image eines bekannten Tourismusortes. Die Verteilung von Gutachten und Ermittlungen gehört allein in die Hände der Staatsanwaltschaft. Es sei den die Klägerin zieht ihre Klage zurück. Hemdsärmeligkeit fördert in diesem Fall keinesfall die Glaubhaftigkeit.