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Digitalisierung der MedizinNeue App kontrolliert Einnahme von Medikament

Ärztinnen und Ärzte sollen bald auch eine App verschreiben können – die Krankenkassen erhoffen sich vom neuen Digitalisierungsschub sinkende Kosten.

Sprechstunde aus gesunder Distanz: Andreas Ebneter, leitender Arzt und Mitglied des Pilotprojekts Telemedizin, demonstriert die Fernuntersuchung eines Patienten im Spital Freiburg (April 2020).
Sprechstunde aus gesunder Distanz: Andreas Ebneter, leitender Arzt und Mitglied des Pilotprojekts Telemedizin, demonstriert die Fernuntersuchung eines Patienten im Spital Freiburg (April 2020).
Foto: Alessandro della Valle (Keystone)

Der Pharmakonzern Novartis weitet wegen der Pandemie nicht nur Homeoffice und Digitalisierung bei den eigenen Angestellten aus. Sondern auch bei Ärztinnen und Patienten. «Es gibt zwei grosse Veränderungen: Der Kontakt zum Arzt per Telemedizin sowie Smart Apps, etwa für die Überwachung von Symptomen», sagt Silvia Schweickart, Chefin von Novartis Pharma Schweiz. Für den Einsatz von Hautärzten testet der Konzern gerade eine App, die mit Berechnungen bei der Diagnose von Psoriasis-Patienten hilft und Fotos vom Verlauf der Krankheit dokumentiert.

Es gibt aber auch Apps, die sich direkt an Patientinnen richten: «Wir planen zum Beispiel, diesen Herbst gemeinsam mit einem neuen Asthma-Medikament eine App einzuführen, die helfen soll, das Medikament regelmässig anzuwenden», sagt Schweickart. Die Zulassung des mit der App verbundenen Sensors sei gemeinsam bei Swissmedic beantragt worden. Die App schicke den Patienten Erinnerungen und registriere, ob das Medikament eingenommen wurde. Auf Wunsch könnten diese Daten digital mit der Ärztin geteilt werden. «Novartis hat keinen Zugriff auf die patientenbezogenen Daten», sagt Schweickart. Über eine andere App können Patienten mit Bluthochdruck schon seit längerem Messwerte mit dem Arzt austauschen.

Fernbetreuung von Patienten

40 Prozent der 880’000 chronisch Kranken in der Schweiz nehmen ihre Medikamente nicht wie verordnet, was die Kosten der Therapie vervielfacht, heisst es im Sanitas-Bericht «Die Gesundheit der Zukunft». Auch für die Krankenkasse Helsana sind Instrumente wichtig, die dabei helfen, dass eine Therapie auch über längere Zeit angewendet wird. «Ob eine App oder eine andere Art der Hilfestellung ratsam ist, können die behandelnden Ärzte gut einschätzen», so Helsana-Gesundheitsökonom Mathias Früh. Die Therapiehoheit liege bei den Ärzten. Ebenso sei der Datenschutz oberstes Gebot, die Daten müssten in Obhut der Patienten bleiben.

«Das Schweizer Gesundheitswesen ist mit Blick auf den Einsatz digitaler Kommunikationstools noch nicht sehr weit entwickelt», sagt Schweickart. Fördern will Novartis neu auch die allgemeine Telemedizin: Ein Team prüft aktuell, wie die Firma Mediziner bei der Fernbetreuung von Patienten unterstützen kann. Schon während des Lockdown hat Novartis Onlinekurse organisiert, um Ärztinnen und Ärzte in der telemedizinischen Beratung von Patienten zu schulen. Dabei unterrichteten Fachspezialisten gemeinsam mit Telemedizin-Experten.

8 Kommentare
    Barbara Grohé

    Wohin sind wir eigentlich gekommen, dass wir für jeden Quatsch eine App brauchen? Ich bin geistig noch so fit, dass ich meine Medikamente richtig einnehmen kann. Was die alles anstellen, um an Daten zu kommen ist eigentlich bemerkenswert.